„Hamburg Declaration„-Meilenstein für Europas Energiewende
HAMBURG.
Vom 25. bis 26. Januar 2026 fand in Hamburg der dritte internationale Nordsee-Gipfel auf Ebene der Staats- und Regierungschefs sowie der Energieministerinnen und Energieminister statt. Eingeladen waren neben Deutschland auch Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Irland, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen sowie erstmals Island und die NATO. Ziel des Gipfels war der grenzüberschreitende Ausbau der Offshore-Windenergie, der Wasserstoffwirtschaft und der Aufbau einer leistungsfähigen und vernetzten Offshore-Infrastruktur im gesamten Nordseeraum.
Deutschland war Gastgeber dieses richtungsweisenden Treffens. Bundeskanzler Friedrich Merz betonte in seiner Eröffnungsrede die Bedeutung gemeinsamer europäischer Lösungen in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten. Mit dem Gipfel sei ein klares Signal für eine souveräne, resiliente und nachhaltige Energiezukunft gesetzt worden. Besonders im Fokus standen konkrete Maßnahmen zur Umsetzung der Offshore-Ausbauziele bis 2050, die Förderung grenzüberschreitender Infrastrukturprojekte sowie die Schaffung robuster Lieferketten und Sicherheitsstandards.

Ein zentrales Ergebnis des Gipfels war die Unterzeichnung der Hamburg Declaration durch die Staats- und Regierungschefs der beteiligten Länder. Darin bekennen sich die Unterzeichner zur Transformation der Nordsee zur weltweit größten sauberen Energieerzeugungsregion. Bis 2050 sollen 300 GW Offshore-Windkraft aufgebaut werden – 100 GW davon in grenzüberschreitender Kooperation. Die Staats- und Regierungschefs unterstrichen, dass dieses Ziel ambitioniert, aber erreichbar sei, wenn politische Entschlossenheit, industrielle Investitionen und gesellschaftliche Akzeptanz Hand in Hand gehen.
Die Deklaration betont die Dringlichkeit gemeinsamer Sicherheitsstrategien zum Schutz der Offshore-Infrastruktur vor physischen, hybriden und Cyber-Bedrohungen. NATO und EU sollen künftig enger in die Sicherung der maritimen Energieanlagen eingebunden werden. Auch der verstärkte Informationsaustausch zwischen zivilen, militärischen und privaten Akteuren wurde vereinbart.
Die Herausforderungen durch gestiegene Projektkosten, Inflation und Lieferkettenprobleme wurden offen benannt. Die beteiligten Regierungen erklärten ihre Bereitschaft, Hindernisse beim Genehmigungsprozess abzubauen, private Investitionen zu erleichtern und einen stabilen Ausschreibungsrahmen zu schaffen. Ein gemeinsames Finanzierungsinstrument für grenzüberschreitende Projekte – das sogenannte Offshore Financing Framework (OFF) – soll entwickelt werden. Die EU-Kommission und die Europäische Investitionsbank werden dabei eine zentrale Rolle spielen.

Einen besonderen Höhepunkt des Gipfels stellte die bilaterale Vereinbarung zwischen Deutschland und Dänemark zur Investition in die Bornholm Energy Island dar. Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche und der dänische Energieminister Lars Aagaard unterzeichneten im Beisein von Bundeskanzler Merz und der dänischen Premierministerin Mette Frederiksen das erste grenzüberschreitende Projekt seiner Art. Die künstliche Energieinsel soll eine zusätzliche Offshore-Windkapazität von 3 GW schaffen und damit etwa 3 Millionen Haushalte mit Strom versorgen. Die Infrastruktur verbindet das deutsche und dänische Netz miteinander und gilt als strategisches Leuchtturmprojekt für die europäische Energiesicherheit.
Bornholm Energy Island ist Teil der EU-weiten Initiative zur Schaffung von acht sogenannten „Energieautobahnen“ und erhält eine Förderung von 645 Millionen Euro aus der Connecting Europe Facility. Die Umsetzung erfolgt gemeinsam durch die Netzbetreiber 50Hertz (Deutschland) und Energinet (Dänemark). Die Finanzierung des Projekts wird zwischen beiden Ländern entsprechend der Stromflüsse aufgeteilt – ein Novum in der europäischen Energiepolitik.

Neben der Windenergie war auch die Wasserstoffwirtschaft ein zentrales Thema. Die Gipfelteilnehmer vereinbarten eine intensivere Zusammenarbeit beim Aufbau von Infrastruktur zur Erzeugung, Speicherung und Verteilung von grünem Wasserstoff im Nordseeraum. Damit sollen Industrie und Verkehr dekarbonisiert sowie neue Märkte für europäische Technologieunternehmen erschlossen werden. Die regulatorischen Rahmenbedingungen sollen praxisnah weiterentwickelt werden, um Investitionen zu beschleunigen.
Die Hamburg Declaration sieht zudem die Förderung beruflicher Weiterbildung und Fachkräftesicherung vor. Der steigende Bedarf an qualifizierten Fachkräften für Offshore-Wind, Wasserstofftechnik und Netzbetrieb wird als Herausforderung für alle Mitgliedstaaten erkannt. Gemeinsame Ausbildungsstandards und der grenzüberschreitende Austausch von Know-how sollen helfen, diese Lücke zu schließen.
Die Unterzeichner betonten die Bedeutung koordinierter Raumplanung, die neben dem Ausbau der Energieinfrastruktur auch den Schutz der maritimen Ökosysteme berücksichtigen soll. Ziel sei ein nachhaltiger, naturverträglicher Ausbau der Nordsee als Energieraum, der sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Interessen wahrt.
Mit dem Nordsee-Gipfel 2026 wurde ein weiterer Meilenstein in der europäischen Energiekooperation gesetzt. Die Erklärung sendet ein starkes Signal der Einigkeit, der Investitionsbereitschaft und des politischen Willens, die Nordsee als gemeinsames Kraftzentrum Europas zu etablieren. Die nächste Überprüfung der Fortschritte ist für Anfang 2027 geplant.
