HANNOVER. Sie heißen Cassiopeia, Romina, Bert und Leopold, die beiden Damen sind mit etwa 30 und 57 Jahren noch jugendlich, die Herren mit etwa 82 und 80 Jahren im besten Mannesalter. Nach 18 Jahren Exil im Hamburger Zoo sind jetzt vier der bei den Hannoveranern nach wie vor beliebten Aldabra-Riesenschildkröten in den hannoverschen Erlebbniszoo zurück in die Heimat gekommen.
Die mächtigen Reptilien (Schildkrötenmann Bert bringt es auf 195 kg Lebendgewicht) mussten vor fast zwei Jahrzehnten den Bau der Themenwelt Yukion Bay weichen. „Die Menschen haben uns immer wieder angesprochen und gefragt, wann kommen die Schildkröten zurück?“, erzählt Zoo-Geschäftsführer Andreas Casdorff. „Die Rückkehr der Riesenschildkröten war und ist für uns eine echte Herzensangelegenheit.“
Das trifft auch auf die Hannoveraner zu. Sie haben den Zoo mit großer Kreativität bei der Realisierung der Rückkehr unterstützt. 46.000 Euro sind durch kleine und große Spenden zusammengekommen. Für das Zoo-Team, das den Bau aufgrund gestiegener Baukosten mehrfach umplanen musste, war diese Unterstützung sehr berührend: „Die Menschen haben uns gezeigt, wie sehr ihnen der Zoo – und die Schildkröten – am Herzen liegen“, so Casdorff, „das hat uns darin bestärkt, trotz aller Widrigkeiten an diesem Projekt festzuhalten.“
Der Bau des Schildkrötenhauses stellte die Architekten vor großen Herausforderungen. Schließlich lieben die urzeitlichen Riesenreptilien ganzjährig kuschelige 26 bis 30 Grad Celsius, nicht kälter, aber eben auch nicht wärmer, und 60-80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Die Temperatur muss mithin sowohl im Winter wie im Sommer, wenn das Außenthermometer schon mal weit die 30-Grad-Marke übersteigt, gehalten werden.
Die Tiere erinnern an Dinosaurier. Ihr Gang ist schwerfällig, der Hals lang und faltig, die Beine sind schuppenbesetzt. In ihren dunklen Augen scheint sich die Geschichte dieser Welt zu spiegeln, auf der sie seit mehr als 220 Millionen Jahren leben. Die Internationale Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) stuft den Bestand der Seychellen- oder auch Aldabra-Riesenschildkröte leider als gefährdet ein. Ihr Lebensraum im Indischen Ozean ist heute nahezu ausschließlich auf das Aldabra-Atoll beschränkt. Klimawandel sowie invasive Arten setzen dem Bestand zusätzlich zu. Klaus Brunsing, Zoologischer Leiter des Erlebnis-Zoos Hannover, hofft deshalb auf Nachwuchs.
Das neue Heim der Schildkröten ist jedenfalls entsprechend hergerichtet. Das rund 240 m2 große Haus mit Natursteinboden bietet den vier Tieren ein großes Badebecken und Sandbäder. Bepflanzte Inseln tauchen das Haus in tropisches Grün. Eine Fußbodenheizung, UV-Leuchten und Infrarotstrahler und eine Luftbefeuchtungsanlage schaffen das optimale Tropenklima für die bedrohten Schildkröten. Bei sommerlichen Wetter können sie zudem gemächlich ihre Runden in einer Außenanlage drehen. Zwei spezielle Plätze – einen Sandhügel und ein Sandbecken, mit Fußbodenheizung gewärmt – sind für die Ei-Ablage vorgesehen . Die Weibchen können dort Gruben graben, um die 10-25 kugelförmigen Eier pro Gelege mit dem gewärmten Sand zu bedecken.
Die dicken Seile, die hoch oben an Kletterbäumen hängen, sind für die Aldabra-Riesenschildkröte völlig uninteressant und auch die Pfleger hangeln sich daran nicht durch die Anlage. Sie künden vielmehr davon, dass bald Untermieter mit zu den Reptilien ziehen werden. Faultiere sollen hier demnächst den Schildkröten Gesellschaft leisten.
Der Zoo nennt das neue Schildkrötenhaus „Reptilium.“ Der Name ist Programm. Außer den vier Riesen von den Sychellen werden im Lauf des Jahres weitere Reptilien in geplante Terrarien hier einziehen.Vietnamesische Langnasennattern, Blaue Baumwarane und Fidschi-Leguane sorgen dann für noch mehr Artenvielfalt im Erlebniszoo Hannover..