HANNOVER. Das letzte Bezirksratstreffen in der alten Besetzung. Gestern Abend (8. Oktober) kamen die Ortspolitiker zur 41. Sitzung der nun zu Ende gehenden Wahlperiode im Freizeitheim Döhren zusammen. Bevor die nicht wieder gewählten Mitglieder von Bezirksbürgermeister Wilhelm Lindenberg mit einem Blumenstrauß verabschiedet wurden, gab es noch eine wie gewohnt umfangreiche Tagesordnung abzuarbeiten. Im Mittelpunkt des Abends: Informationen zum geplanten Neubau des Freizeitheims Döhren.
Prof. Dr. Tanja Remke von einem in Barsinghausen ansässigen Architekturbüro und Julia Büchle vom Fachbereich Gebäudemanagement der Stadt Hannover stellten den aktuellen Stand der Planung vor. Das neue Freizeitheim soll an der Peiner Straße auf dem Gelände des Jugendzentrums und der Stadtbücherei entstehen und neben den Angeboten des Freizeitheims auch das Bürgeramt, die Stadtbücherei und das Jugendzentrum integrieren. Um den Raumbedarf zu decken, muss ein mehrstöckiges Gebäude errichtet werden. Das städtische Grundstück ist 2.600 qm groß, der ermittelte Raumbedarf beläuft sich jedoch auf etwa 5.600 qm.
Einen Bebauungsplan dafür gibt es aber derzeit nicht. Bislang ist das Projekt noch in der „Szenenentwicklung“, wie Architektin Prof. Dr. Remke ausführte. Mit allen zukünftigen Nutzergruppen sei aber schon gesprochen worden, nun sollen für die Raumplanung bis 2028 „Vorzugsszenarien“ erarbeitet werden.
Für das bisherige Freizeitheim ist derzeit ein Raumbedarf wie schon jetzt an der Wollebahn vorhanden vorgesehen. Einzelvertreter Jens Schade, wies darauf hin, dass das Freizeitheim bereits seit langem eigentlich mehr Platz bräuchte und auch die Kulturinitiative Döhren-Wülfel-Mittelfeld eigene Räumlichkeiten benötige. Schade: „Die Kulturinitiative trägt in großen Umfang die Stadtteilkulturarbeit in Döhren-Wülfel.“ Auch auf seine Frage, wo während der Bauzeit des neuen Freizeitheims dann die Bücherei, das Bürgeramt und das Jugendzentrum untergebracht werden, blieb die Verwaltung (noch) eine Antwort schuldig. Soweit seien die Pläne noch nicht gediehen. Versprochen wurde jedoch, den Bezirksrat in Zukunft stärker einzubeziehen.
Daneben auf der Tagesordnung: „Der Stadtbezirksrat Döhren-Wülfel begrüßt ausdrücklich die Pläne des Vereins Radrennbahn zur Revitalisierung und zukünftigen sportlichen sowie multifunktionalen Nutzung der ehemaligen Radrennbahn in Wülfel.“ Formal einstimmig wurde dies so an diesem Abend beschlossen. Allerdings nur mit den Stimmen der CDU-Fraktion und Einzelvertreter Schade. Die Landeshauptstadt Hannover wird in dem Antrag, der gemeinsam von der CDU und dem Einzelvertreter eingebracht worden war, aufgefordert, die derzeit laufenden Gespräche mit dem Verein konsequent, ergebnisorientiert und mit dem klaren Ziel eines zeitnahen Abschlusses zu führen.. „Wir erwarten, dass die Landeshauptstadt dabei sicherstellt, dass die laufenden Verhandlungen nicht erneut durch einen politischen Kurswechsel oder konkurrierende Nutzungsüberlegungen verzögert oder gefährdet werden“, heißt es darin weiter.
„Schon einmal hat der Oberbürgermeister die Gespräche mit den Sportverbänden abgesprochen, um dort ein Aufnahmelager für Asylbewerber einzurichten. Diese Pläne sind krachend gescheitert. So etwas darf nicht noch einmal passieren“, wurde argumentiert. Trotzdem vermochten weder SPD noch Grüne dem Antrag zuzustimmen. Sie enthielten sich aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen. Für die Grünen waren die Informationen aus der Rathaus zu spärlich, für die Sozialdemokraten reichte das Info-Rundschreiben zum Sachstand der Gespräche indes völlig aus, so dass man nun nichts weiter unterstützen müsse.
Probleme mit den Bewohner einer Asylunterkunft? In der Einwohnerfragestunde überreichte ein Mittelfelder eine Unterschriftenliste von Nachbarn aus der Straße Am Mittelfeld. Der Bezirksrat sei ihre letzte Hoffnung, sagte er. Schon seit Jahren gäbe es immer wieder Probleme mit Bewohnern der Asylunterkunft in einem ehemaligen Hotel. „Wir können unsere Frauen und Kinder abends allein nicht mehr auf die Straße schicken“, sagte er. Immer wieder komme es zu Sachbeschädigungen, Bedrohungen und Belästigung von Frauen durch Bewohner der Unterkunft. Man habe immer wieder die Polizei gerufen und auch an den Ordnungsdezernenten der Stadt geschrieben. Besser sei es bislang nicht geworden.
Für die Ortspolitiker waren das bislang unbekannte Informationen. Vize-Bezirksbürgermeisterin Gabi Jakob erbat mehr Einzelheiten dazu von der Polizei. Eine Bezirksratsfrau der Grünen wies darauf hin, dass viele Flüchtlinge ja traumatisiert seien und meinte, Sozialarbeiter könnten helfen. Wie es weitergeht blieb vorerst offen. Bezirksbürgermeister Wilhelm Lindenberg will das Thema aber auf jeden Fall in der nächsten Sitzung des Kommunalen Präventionsrates ansprechen.
Eine Reihe von Bürger haben beklagt, dass einige Sitzbänke auf dem Fiedelerplatz fehlen. „Voraussichtlich im Frühjahr 2027 stehen die Bänke wieder zur Verfügung“, gab die Stadtverwaltung auf eine entsprechende Anfrage der SPD-Fraktion bekannt. Die Bänke seien eingezogen worden, weil sie mehrfach aufgrund von Vandalismus aus der Verankerung im Boden gerissen wurden.
Historisches Altes Jagdhaus an der Seelhorst: Die Baugenehmigung und die Umwandlung zu einem Wohnhaus diene dem Erhalt des Baudenkmals, wurde auf eine andere Anfrage der Gruppe Linke/PDF geantwortet. Der Bezirksrat habe darüber nicht informiert werden müssen. „Nach dem Anhang 1 zur Hauptsatzung der LHH handelt es sich bei Baugenehmigungsverfahren um ein Geschäft der laufenden Verwaltung“, heißt es aus dem Rathaus.
Einstimmig forderte der Bezirksrat auf Antrag der CDU daneben die Verwaltung auf, „den einstimmigen Beschluss des Bezirksrates unverzüglich umzusetzen und an der Bushaltestelle Am Mittelfelde die bereits im Jahr 2021 von der Verwaltung zugesagten Schutzhäuser zu errichten. Die Verwaltung wird aufgefordert, dem Bezirksrat einen konkreten Zeitplan für die Umsetzung vorzulegen.“