HANNOVER. Das war mal eine besondere Aktion in der Bürgerfragestunde des Bezirksrates Döhren-Wüfel. In der Septembersitzung des Gremiums gestern Abend im Freizeitheim Döhren bedankten sich Ulli Bloch und Nadine Herrendörfer-Kohl bei den Bezirksratsmitgliedern aus Mittelfeld für ihren Einsatz für den Stadtteil Mittelfeld. Jedes Bezirksratsmitglied bekam eine kleine Süßigkeit auf den Platz. Einen Extra-Dank in Form eine Blume gab es für Vize-Bezirksbürgermeisterin Gabi Jakob, weil sie in Vertretung der erkrankten früheren Bezirksbürgermeisterin Antje Kellner „lange Zeit die Bezirksratssitzungen geleitet und sich für die Einwohner eingesetzt“ hat.
Das – vorletzte – Treffen in der nun zu Ende gehenden Wahlperiode der Bürgervertreter verlief harmonisch. Es gab keine Kampfabstimmungen. Bei allen beschossenen Anträgen konnte die Protokollführerin ein „einstimmig“ vermerken.
Bevor es jedoch um die von den Fraktionen eingebrachten Themen ging, berichteten Vertreter der Stadtverwaltung. Bei den Planungen für das Ausweichquartier der Grundschule Beuthener Straße an der Erytropelstraße liegt alles im zeitlich angepeilten Rahmen, so die städtische Mitarbeiterin Bode. Die Schulverwaltung hofft,dass zum Start des Schuljahres 2027/28 die Mittelfelder Grundschüler die neuerbaute Schule in Wülfel beziehen können. Sabine Kniep und Daniel Martin berichteten zur Veloroute 8 in der Wiehbergstraße, Sie räumten ein, dass durch die dort eingeführten Einbahnregelungen der Autoverkehr in der Bothmerstraße zugenommen habe. Als Lösung schlugen sie eine weitere Einbahnregelung in dieser Straße vor, räumten aber ein, dass als Konsequenz daraus dann die Neckarstraße noch stärker belastet würde. Der Bezirksrat war alles andere als begeistert, Vertreter der verschiedensten Parteien forderten Lösungen, die nicht zu Lasten der Anwohner von Neckar- und Abelmannstraße gehen.
Die Stadt bestätigte auf eine Anfrage des Einzelvertreters Jens Schade, dass tatsächlich das Fanprojekt Hannover „nach derzeitigem Planungsstand zusammen mit dem Jugendzentrum Döhren im neuen Stadtteilzentrum Döhren verortet werden“ soll. Stadtbezirksmanager Sven Berger versprach allerdings: „Die Unterbringung des Fanprojekts wird weder zulasten der Flächen für die Stadtteilkultur noch zulasten anderer Nutzergruppen gehen.“
„Seit 2023 liegt eine Fläche nahe der Weidenkirche brach, auf der eigentlich ein Spielplatz geplant war. Bis jetzt wurde das Bauvorhaben eines Spielplatzes incl. entsprechenden Verbindungswegen nicht umgesetzt“, bemängelten die Grünen in einer anderen Anfrage. „Die ursprünglich vorgesehene Herstellung des Spielplatzes sollte im Rahmen eines Erschließungsvertrages durch den Investor des Vitalquartiers erfolgen. Aufgrund der Insolvenz der hierfür zuständigen Projektgesellschaft mussten die dahin vereinbarte Planung für den Spielplatz gestoppt werden. Inzwischen sind die vermögensrechtlichen Fragen geklärt und die Grundstücksfläche wurde an die Landeshauptstadt übertragen“, heißt es nun aus dem Rathaus und weiter: „Eine Realisierung des Spielplatzes ist in 2027 vorgesehen, kann aber aktuell noch nicht konkreter zugesagt werden, da hierfür noch ein Zustimmungsbeschluss der Ratsgremien zu der konkreten Planung erforderlich ist. Die Entwurfsplanung wird vorsaussichtlich nach der Kommunalwahl zu Jahresbeginn 2027 eingereicht.“
Weil immer noch die Turmstube des Döhrener Turm von einer grünen Plane verdeckt wird, hakte die SPD-Fraktion nach. „Die wesentlichen Schäden betreffen die Fachwerkkonstruktion (geschädigte Hölzer,offene Verbindungen, teilweise statische Probleme), die Gefache und Fugen (Risse, Auswitterungen), das Mauerwerk (Vertikalrisse) sowie die Dacheindeckung (lose Ziegel und dadurch Absturzgefahr). Zwischenzeitlich wurde ein Sanierungsplan aufgestellt und mit dem Denkmalschutz abgestimmt. Die Ausschreibungen sollen noch in diesem Jahr erfolgen und die bauliche Umsetzung voraussichtlich vom 03/2027 (Stellung Gerüst) bis 10/2027 (Übergabe an den Nutzer) erfolgen“, so die Antwort.
Die Christdemokraten fragten nach einem 2022 begonnenen Projekt. „In der Sitzung des Stadtbezirksrates Döhren-Wülfel am 9. Juni 2022 teilte die Verwaltung mit, dass ein dreijähriges Pilotprojekt zur Dachbegrünung von fünf Fahrgastunterständen durchgeführt werde. Nach Abschluss und Auswertung des Projektes sollte entschieden werden, ob die Dachbegrünung künftig als Standardbauform umgesetzt wird, erinnerten sie und fragten nach dem Ergebnis der Versuches. Aber noch kann die Stadt nichts Konkretes sagen. Die Stellungnahme: „Zurzeit läuft noch das Monitoring für die 5 Pilotfahrgastunterstände. Dazu werden, beginnend im Frühjahr 2025, jeweils im Frühjahr und im Herbst von einer Fachfirma Begehungen durchgeführt. Die letzte Begehung fand im März 2026 statt. Dabei zeigen alle Dächer einen Vegetationsdeckungsgrad von 100%, geringen bis mittleren Zuwachs (nur die Haltestelle Tegtmeyerstraße zeigte einen hohen Zuwachs), geringen Fremdbewuchsanteil und geringen Pflegeaufwand. Das Ergebnis wird daher bisher als gut bewertet. Interessant wird die Begehung im Herbst, weil dann die Auswirkungen des sehr trockenen und heißen Sommers 2026 sichtbar sein werden. Im Frühjahr 2027 wird das Monitoring mit der 5. Begehung abgeschlossen.“
Es gibt bislang keine Fortschritte bei der Nachnutzung des ehemaligen Tankstellengeländes gegenüber dem Freizeitheim Döhren an der Wollebahn. Einzelvertreter Jens Schade erkundigte sich nach dem Stand eines Neubaues an dieser Stelle. Wegen der „zurzeit laufende Konkretisierung des Einzel- und Zentrenkonzepts (EZK) der Landeshauptstadt Hannover“ gibt es noch keine aktuellen Baupläne. Die Stadt Hannover will erst abwarten, ob das neu EZK von der Politik so beschlossen wird. „Die Drucksache hierzu soll in der nächsten regulären Bezirksratssitzung eingebracht werden“, heißt es aus dem Rathaus.
Noch kein Beschluss zur ehemaligen Radrennbahn in Wülfel. Die CDU-Fraktion und Einzelvertreter Jens Schade setzen sich für eine zügige Neugestaltung der ehemaligen Radrennbahn in Wülfel ein. In einem gemeinsamen Antrag forderten sie, dass der Bezirksrat die Landeshauptstadt Hannover bittet, „die laufenden Gespräche mit dem Verein Radrennbahn konsequent und ergebnisorientiert zu führen und zeitnah zu einem Abschluss zu kommen.“ Doch die Grünen mochten dem jedenfalls jetzt noch nicht zustimmen. Sie meldeten weiteren Beratungsbedarf an und zogen den Antrag in ihre Fraktion. Nun wird er im Oktober erneut auf der Tagesordnung stehen. Bezirksratsherr Jens Schade (parteilos): „Bereits 2021 stand eine Vereinbarung kurz vor dem Abschluss. Es darf nicht wieder zu Verzögerungen durch politische Kurswechsel oder neue Nutzungsideen kommen. Wir brauchen jetzt eine verlässliche Lösung.“ CDU und Einzelvertreter Schade sehen in der weiteren Nutzung der Fläche jedenfalls „eine große Chance für Wülfel, Döhren-Wülfel und Hannover als Sportstadt“.
Interfraktionell: Alle Parteien und Einzelvertreter beauftragten gemeinsam zum 75-jährigen Jubiläum der ECA-Siedlung in Mittelfeld (Amerikaviertel) die Verwaltung, eine Infotafel zur Historie der Siedlung erstellen. Hintergrund: Ab dem Sommer des Jahres 1951 wurden mit Hilfe des Marshallplans insgesamt 15 ECA-Entwicklungsbauten in der damaligen BRD geplant und gebaut. Ziel war es, seinerzeit neue Wege des Wohnungsbaues, insbesondere im sozialen Wohnungsbau, mit all seinen Vor- und Nachteilen aufzuzeigen. Ein Projekt wurde an die Landeshauptstadt Hannover vergeben. Der Spatenstich und Baubeginn zu der Siedlung im Amerikaviertel erfolgte im Frühjahr 1952. Die Bauzeit insgesamt dauerte von 1952-1954. Daher plant eine Interessengruppe von Bewohnern des Amerika Viertels im nächsten Jahr im Sommer ein großes Jubiläumsfest um daran zu erinnern, was so etwas einmalig in der Geschichte der Bundesrepublik war.
Auf Antrag der Grünen forderte der Bezirksrat die Verwaltung auf, eine Überprüfung und gegebenenfalls Anpassung der Ampelschaltung zugunsten einer schnelleren Reaktion auf die Anforderung von Grün durch Fußgänger an der Haltestelle Wiehbergstraße zu veranlassen. Die SPD bat in einem ihrer Anträge darum, „die Beschilderung der beiden Märkte am Fiedeler-Platz zu verbessern, damit diese besser erkennbar sind.“ Bezirksratsfrau Dr. Gudrun Koch: „Aktuell findet sich kein Hinweisschild für den Bauernmarkt am Dienstag. Das Schild an der Ecke Bernwardstrasse /Fiedelerplatz ist älter und erwähnt nur den Wochenmarkt am Freitag. Es könnte ansprechender gestaltet werden. Auch am anderen Ende des Platzes Richtung Ziegelstrasse könnte ein größeres Schild sinnvoll sein. Ziel sollte es sein, beide Märkte verstärkt zu bewerben.“
Bei der Verteilung eigener Gelder des Bezirksrates wurde unter anderem die Hannoversche Funken-Garde e.V. bedacht. Sie bekommt für ein Technik- und Veranstaltungspaket insgesamt 2.250,00 Euro. 500 Euro spendierte der Bezirksrat zudem der Stadtbibliothek Döhren für ihre „Bibliothek der Dinge“. Damit soll eine Wärmebildkamera zum Ausleihen angeschafft werden.