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"Auf nach New York!"

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"Auf nach New York!" (C) dah-bremerhaven.de/rundgang
BREMERHAVEN. Das Deutsche Auswandererhaus gibt detaillierte Einblicke in die Geschichte von Weltenbummlern, Menschen, die den Weg von deutschen Grenzen in neue Länder wagten - oft auf mühseligen und abenteuerlichen Reisen. 33 Ein- und Auswanderergeschichten werden lebendig: Wie die der Martha Hüner, die 1923 den Beschluss fasste, in die Vereinigten Staaten auszuwandern. Müde betrat sie wie andere eine Einwanderungsstation vor New York, in denen entschieden wurde, wer bleiben durfte, wer nicht.
 
Im Bremerhavener Migrationsmuseum können Besucher ab März von 10 - 18 Uhr den Spuren von greifbaren, nacherzählten Migrationsbewegungen mit ihren unterschiedlichen Veranlassungen begegnen.
Rekonstruierte Szenen geben Auskunft über allverändernde Stationen von Arbeitern, Müttern, ehemaligen Militärangehörigen, Verwaltungsangestellten, Fabriklern, von Menschen verschiedener politischer Ansichten und sozialen Zugehörigkeiten. Gruppen sammeln sich am exakten Nachbau einer Kaianlage von 1880. Sie warten auf den Schnelldampfer "Lahn" in einer Hafenszene in Bremerhaven. Aus den wichtigen Hafenanlagen der Stadt, so zeigt das DAH auf, emigrierten zwischen 1830 und 1974 über 7,2 Millionen Menschen in die Welt. Andere schippern schon auf einem Schiff im Jahre 1892, liegen auf Holzpritschen des Zwischendecks. Vielleicht  beten sie um das Fernbleiben von Krankheiten. Was ist, wenn ich abgelehnt werde? Schaffe ich eine zweite Reise zurück? Fragen, die nicht nur Siegergeschichten an den Tag bringen. Aber daneben natürlich auch Erfolgsgeschichten.
 
Ein Hauptziel der vorherigen Jahrhundertwende hieß: Amerika. Als Regionalmacht sollte es in den Folgejahrzehnten das Britische Empire als Weltmacht ablösen. Denn es verfügte über die nötige Finanzkraft, notwendigen Ressourcen, militärischen und industriellen Kapazitäten und politischen Visionen für eine aufstrebende und bestimmende Größe auf dem Weltmarkt. Hinzu kamen die riesige Landmasse und geostrategische Vorteile. Doch es benötigte auf dem Weg dorthin weitere Zuwanderer. Für die rasant wachsenden Städte. Dabei formte es eine dynamische Nation, die ihre Identität fern des Ethnischen im Bekenntnis zur amerikanischen Verfassung und zu deren demokratischen, freiheitlichen Werten definierte. Auch diese Verkettung von Menschen und ihrer neuen Heimat wird bei den einzelnen Geschichten zugänglich.
Daneben gibt es Eindrücke aus den 50er und 70er Jahren mit Einwanderergeschichten nach Deutschland. Das Wirtschaftswunder war in aller Munde. Im "Fotoladen" sind Familienalben einsehbar, über Alltag und Beruf berichten sie. Das Auswanderermuseum klärt mit Fotos, Filmen, Dokumenten auf: Deutschland sei seit jeher von Migration geprägt. Seit 1683 hätten demnach über zwölf Millionen Deutsche das Festland verlassen. Gar über 53 Millionen Menschen seit 1685 innerdeutsche Grenzen verlassen, teils rückkehrend oder für immer.
 
Das Auswanderermuseum gibt damit auch Antworten oder Anregungen zum aktuell viel debattierten Thema Migration. Es bietet Raum für die konstruktive Auseinandersetzung damit. Das lässt mitunter auch andere Perspektiven zur heutigen Migrationsdebatte gewinnen. Ein Tipp für Familien: Die Spurensuche nach ausgewanderten Vorfahren. Onlinedatenbanken bieten im Auswandererhaus den unentgeltlichen Zugang zu reichem Quellenmaterial.
Die Preise der Tickets 2018 betragen für Erwachsene: 14, 80 Euro, ermäßigt: 12,50 Euro. Für Kinder von 5-16 Jahre: 8,80 Euro. Deutsches Auswandererhaus, Columbusstraße 65, 27568 Bremerhaven. DC
 
 

 

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