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Bremer Museen arbeiten ihre koloniale Sammlungsgeschichte auf

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Bremer Museen arbeiten ihre koloniale Sammlungsgeschichte auf Nachrichten und News aus Bremen (C) Ulrich Stamm
Bremer Museen arbeiten ihre koloniale Sammlungsgeschichte auf

Fellow-Programm der Bundeskulturstiftung tagt in Bremen 

Mit dem Programm Fellowship Internationales Museum ermöglicht die Kulturstiftung des Bundes Museen und öffentlichen Sammlungen in Deutschland, hochkarätige Nachwuchswissenschaftler und Kuratoren aus aller Welt in ihren Häusern zu beschäftigen. Ziel ist es, die Museen in Deutschland anzuregen, ihre Themen, Arbeitsweisen und Ausrichtungen zu internationalisieren und sie beim Erproben neuer Präsentations- und Kooperationsformen zu unterstützen. Zu den 18 ausgewählten Häusern gehören gleich zwei Bremer Einrichtungen, die Kunsthalle und das Deutsche Schiffahrtsmuseum.

Im Rahmen des Programms werden zwischen Mai 2016 bis März 2017 mehrere Veranstaltungen in verschiedenen deutschen Städten stattfinden, die die Fellows und ihre Mentoren und Mentorinnen an den Museen vernetzen und zum Austausch über die Herausforderungen moderner Museumsarbeit anregen sollen. Schwerpunktmäßig wird sich die Akademiereihe mit den ethischen Grundfragen der Museums- und Sammlungsarbeit auseinandersetzen. "FELLOW ME!" tagt vom 11. bis 13. August 2016 in Bremen und Bremerhaven und befasst sich mit postkolonialen Praktiken in Museen. Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz hat die Teilnehmerinnen und Teilnehmer heute (Donnerstag, 11. August 2016) nach einem Besuch in der Bremer Kunsthalle im Bremer Rathaus begrüßt. "Die Aufarbeitung des Kolonialismus bedeutet für uns, insbesondere unsere historische Verantwortung ernst zu nehmen", sagte die Staatsrätin.

Im Februar dieses Jahres hat die Bremische Bürgerschaft einen Beschluss verabschiedet, mit dem der Senat beauftragt wird, ein allgemeines Bewusstsein für das Thema "koloniales Erbe" zu fördern. Dies soll durch die Arbeit an einem Erinnerungskonzept, die Ermittlung von Straßennamen mit kolonialem Bezug sowie die Thematisierung von Kolonialismus im Schulunterricht und in Museen erfolgen. Dr. Anna Greve, Leiterin des Museumsreferats beim Senator für Kultur und Privatdozentin an der Universität Bremen mit dem Forschungsschwerpunkt Kritische Weißseinforschung, informierte die Gäste im Rathaus über die vielfältigen Bremer Initiativen, sich mit dem Thema Kolonialismus und Rassismus auseinander zu setzen. 

In der Kunsthalle Bremen untersucht ein Fellow seit April dieses Jahres das Thema Sammlungsgeschichte in der Kolonialzeit am Beispiel der Einrichtung. Die Hansestadt Bremen war im 18. und 19. Jahrhundert ein florierendes Zentrum der sich rapide ausweitenden interkontinentalen Handelsbeziehungen und Ausgangspunkt für koloniale Expansion und Ausbeutung. Die Gründung des Bremer Kunstvereins 1823 fällt in diese Zeit. Unter den Kunstwerken, die der Kunsthalle Bremen damals gestiftet wurden, befanden sich allerdings nur wenige Werke außereuropäischer Kunst. Dennoch ist auch die Bremer Sammlung vom Erbe der Kolonialzeit geprägt. Die kolonialen und imperialen Spuren sind bisher jedoch eher versteckt geblieben. Die Aufgabe des Fellows ist es, diesen "blinden Fleck" der Bremer Sammlung zu untersuchen und die Ergebnisse für eine Ausstellung aufzubereiten.

Im Deutschen Schiffahrtsmuseum Bremerhaven soll die Mitarbeit des Nachwuchswissenschaftlers den Prozess, den eigenen national geprägten Sammlungs- und Forschungsstandpunkt zu hinterfragen, begleiten. Die Beteiligung eines Fellows an der Ausstellungskonzeption trägt dazu bei, dass das Thema Mensch und Meer hier als ein globales, internationales Phänomen begriffen wird. Der Besucher soll mit allen Sinnen begreifen, in welchem Maß sein Alltag von weltweiten sozialen, ökonomischen und vor allem auch ökologischen Austauschprozessen abhängt.

Das Übersee-Museum hat in diesem Jahr ein Projekt zur Erforschung seiner Afrika-Sammlungen aus ehemaligen deutschen Kolonien im Rahmen der Förderplattform "Forschung in Museen" der VW-Stiftung genehmigt bekommen. Unter Mitarbeit von Doktoranden und Doktorandinnen aus entsprechenden Ländern sollen Vorarbeiten für die 2018 zu eröffnende Ausstellung zur Geschichte des Hauses geleistet werden.

Im Rahmen des Projektes "Aus den Akten auf die Bühne” haben Studierende der Universität Bremen Archivalien im Staatsarchiv so aufbereitet, dass die Bremer Shakespeare Company daraus eine szenische Lesung erarbeitet, die unter dem Titel "Bremen: Stadt der Kolonien?” präsentiert wird. Die Premiere findet am 6. September 2016 statt. Auch die Landeszentrale für politische Bildung wird sich künftig mit dem Thema Kolonialismus beschäftigen.

Die Städtische Galerie eröffnet im Herbst dieses Jahres die mit Bundesmitteln unterstützte Ausstellung "Kabbo ka Muwala – The Girl’s Basket. Migration und Mobilität in zeitgenössischer Kunst in Süd- und Ostafrika”, die Kuratoren aus Zimbabwe, Uganda und Bremen erstellt haben (25. September bis 11. Dezember 2016).

Daneben engagieren sich auch zivilgesellschaftliche Gruppen wie das Afrika Netzwerk Bremen, ein Dachverband für diverse afrikanische Vereine, gegen Rassismus und für die Aufarbeitung des kolonialen Erbes. Der Verein "Der Elefant" hat dafür gesorgt, dass das 1931 als Reichskolonialdenkmal eingeweihte Bauwerk zu einem Antikolonialdenkmal umgewidmet wurde. Die dem Senator für Kultur zugeordnete Landesdenkmalpflege ist mit der aktuellen Restaurierung des Denkmals betraut.

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