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Börsen-und Wirtschaftsnachrichten vom 1.April 2020

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Indizes vom 31.03.2020 (C) finanzen.net Indizes vom 31.03.2020 (C) finanzen.net

FRANKFURT/MAIN. Nach einer erneuten Achterbahnfahrt hat sich an den europäischen Aktienmärkten am Dienstag eine freundliche Stimmung durchgesetzt. Der Euro-Stoxx-50 stieg um 0,8 Prozent auf 2.787 Punkte und der DAX um 1,2 Prozent auf 9.936 Punkte. Damit schloss der DAX 220 Punkte über seinem Tagestief, aber auch 160 Punkte unter seinem Tageshoch. Zu verdanken war der freundliche Schluss schließlich US-Konjunkturdaten, die weniger schlecht ausgefallen sind als befürchtet.

Die hohen Schwankungen spiegeln laut Marktteilnehmern die Unsicherheit am Markt wider. Der Anlauf über die 10.000 Punkte ist wie schon vor einigen Tagen zum Ausstieg genutzt worden. Die Essener Nationalbank rät dazu, Erholungen am Aktienmarkt auch weiterhin zum Positionsabbbau zu nutzen. "In den nächsten Wochen werden eine Fülle von Prognoseänderungen und reduzierten Erwartungen sowohl auf volkswirtschaftlicher Ebene als auch bei den Unternehmensergebnissen zur weiteren Verunsicherung der Marktteilnehmer beitragen", sagte Frank Wohlgemuth, Anlagestratege des Hauses. Damit sei es für einen Einstieg oder einen Wiedereinstieg noch zu früh.

Die Analysten und Anlagestrategen der Investment-Banken rechnen nun allerdings bereits mit deutlich fallenden Unternehmensgewinnen im laufenden Jahr. In Europa erwarteten die Strategen sogar ein Minus von 25 bis 45 Prozent, sagte Ulrich Stephan, Anlagestratege der Deutschen Bank. Er verwies allerdings auch auf die Erwartung, dass sich die Gewinne 2021 auf beiden Seiten des Atlantiks deutlich erholen sollten. "Der Markt dürfte dies vorwegnehmen", so Stephan.

Etwas gestützt wurde die Stimmung auch von chinesischen Wirtschaftsindikatoren, die sowohl für die Industrie als auch für den Dienstleistungsbereich schon wieder Wachstum anzeigten: "China zeigt als erstes Land, dass es ein Wirtschaftsleben nach der Coronakrise gibt", so Thomas Altmann, Portfolio-Manager bei QC-Partner. Für Altmann ist dies ein starkes Comeback. Chinas Wirtschaft sei damit bereits wieder auf dem Weg zurück in die Normalität.

Hoffnung machte auch der prozentuale Rückgang bei den Covid-19-Neuerkrankungen. So gibt es Szenarien der Universitäten Mainz und Hamburg, nach denen die Epidemie im Juni ihren Höhepunkt erreichen und bis August stark nachlassen könnte. Italien verzeichnete zuletzt trotz weiter hoher Opfer-Zahlen die geringste Anzahl neuer Fälle in fast zwei Wochen.

Kleine Glyphosat-Einigung bei Bayer positiv

Tagessieger in Europa war der Subindex der Öl- und Gaswerte mit einem Plus von 6,2 Prozent. Auch mit den extrem gefallenen Reise- und Freizeit-Aktien ging es deutlich nach oben. Im DAX zogen Heidelbergcement um 5,9 Prozent an, Merck KGaA um 4,6 Prozent und Wirecard um 4,7 Prozent. Auf der anderen Seite gaben Lufthansa 1,4 Prozent ab und MTU 1,1 Prozent, denn mit einer schnellen Erholung des Flugverkehrs wird nicht gerechnet.

Für Bayer ging es um 0,3 Prozent nach oben. Ein Händler verwies auf Presseberichte, wonach sich Bayer mit Klägern auf einen Vergleich wegen angeblich irreführender Werbung für Glyphosat in Missouri geeinigt habe und dafür knapp unter 40 Millionen Dollar zahle. "Das ist zwar nicht die große Einigung, zeigt aber, dass man die Dinge zum Abschluss bringen kann", meinte er.

Im MDAX stiegen Prosieben um 8,7 Prozent. Mediaset hält nun gut 20 Prozent an dem Münchener Medienkonzern. "Das dürfte Übernahmefantasien beleben", sagte ein Händler. Erst in der Vorwoche hatte der Prosieben-Chef seinen Hut genommen. Mediaset zogen um 0,3 Prozent an.

Zalando gewannen nach neuen Geschäftszahlen 6 Prozent. Hauck & Aufhäuser sprach von einem prozentual zweistelligen Wachstum bei Zalando im ersten Quartal ungeachtet der Coronakrise. Die Rücknahme der Gesamtjahresprognose 2020, abgegeben Ende Februar, sei nicht überraschend, denn sie habe nicht die Effekte der Corona-Pandemie enthalten. Trotzdem dürfte Zalando in der Lage sein, 8 Prozent Umsatzwachstum zu erreichen. Der Online-Versender könne als Krisengewinner aus der Corona-Pandemie hervorgehen.

Hellofresh verdient gut, lässt Prognose aber unverändert

Hellofresh machten einen Satz um 13,1 Prozent nach oben. Bei dem Kochboxenversender brummte in den ersten drei Monaten das Geschäft. An der Anfang März ausgegebenen Prognose hielt Hellofresh aber fest. Die Folgen der Corona-Krise seien weder für die Weltwirtschaft noch für die Firma selbst "zuverlässig quantifizierbar".

Nemetschek legten um 5,7 Prozent zu. Das IT-Unternehmen blickt trotz des aktuell unsicheren Umfelds infolge der Coronavirus-Pandemie relativ optimistisch auf das laufende Jahr. Den Umsatz sieht Nemetschek mindestens auf Vorjahresniveau. Auswirkungen aus der Pandemie seien derzeit in Ausmaß, Dauer und geografischer Ausbreitung nicht verlässlich einschätzbar. Die ersten zwei Monate 2020 seien nach Plan verlaufen.

Gefragt waren auch ausgewählte Medizintechnikfirmen, so Siemens Healthineers und Compugroup. Auf der anderen Seite fielen Leoni um 8,6 Prozent. Neben Unternehmen der Touristikbranche werden auch Leoni als möglicher Kandidat für Staatshilfen gehandelt.

(Quelle:finanzen.net)

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