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Börsen und Wirtschaftsnachrichten vom 16.April 2020

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Täglich aktuelle Börsennachrichten aus Frankfurt/Main (C) finanzen.net Täglich aktuelle Börsennachrichten aus Frankfurt/Main (C) finanzen.net

FRANKFURT/MAIN. An den europäischen Aktienmärkten ging es am Mittwoch deutlich nach unten. Marktteilnehmer sprachen von Gewinnmitnahmen nach der jüngsten Rally. Die Nachrichtenlage trübte sich im Tagesverlauf zusehends ein. Sorgen bereiteten zunächst die jüngsten Corona-Fallzahlen aus Frankreich und den USA. Aber auch, dass der Shutdown in Deutschland wohl noch lange andauern dürfte und die Konjunkturdaten aus den USA belasteten die Stimmung.

Dass die Stimmung im Bundesstaat New York schlecht ist, wie es der Empire-State-Index mit einem historischen Einbruch belegte, überraschte allenfalls in der Höhe. Die US-Konsumenten zeigen sich zudem sparsam und halten das Geld lieber im Portemonnaie, was die US-Wirtschaft weiter belasten dürfte. Aber auch die Industrieproduktion bricht bereits ein, sie verbuchte im März den stärksten Rückgang seit 1946. Die heute veröffentlichten Märzdaten sind aber erst der Anfang der Katastrophe, konstatierte die NordLB.

Der DAX verlor 3,9 Prozent auf 10.280 Punkte, für den Euro-Stoxx-50 ging es um 3,8 Prozent auf 2.808 nach unten. Alexander Roose, CIO bei DPAM, geht davon aus, dass die Aktienmärkte "noch nicht über den Berg sind". Als Grund nennt er unter anderem das Verbrauchervertrauen, welches er aufgrund der gleichzeitigen Wirkung steigender Gesundheitskosten und einer geringeren Kaufkraft, letztere vor allem verursacht durch die schwere Rezession im beschäftigungsintensiven Dienstleistungssektor, stark beeinträchtigt sieht. Insgesamt rechnet Roose längerfristig mit keiner V-förmigen, aber einer möglicherweise U-förmigen Erholung

Ölpreis deutet auf Nachfrageschwäche

Die Gewinnmitnahmen an Europas Börsen fielen besonders bei den Gewinnern der vergangenen Tage hoch aus. So gaben die konjunkturempfindlichen Sektoren der Automobil- und Rohstoffwerte um 5,2 und 5 Prozent nach. Noch stärker abwärts ging es mit dem Ölsektor in Europa nach der Monatsprognose der Internationalen Energie-Agentur (IEA). Der Sektor-Index im Stoxx-600 baute sein Minus auf 6,3 Prozent aus. Wie befürchtet sieht die IEA einen Rekordeinbruch der Ölnachfrage durch den Corona-Schock. Die Nachfrage dürfte auf Niveaus von 1995 sinken. Der Brent-Rohölpreis dreht nach unten und fiel in Richtung seiner 18-Jahrestiefs zurück. Aktien von BP und Shell brachen bis zu 6,8 Prozent ein.

In Großbritannien, wie in vielen Ländern der Eurozone, führt die Corona-Pandemie zu massiven Störungen im privaten Alltag wie auch im Geschäftsleben. Die von der Regierung auferlegte soziale Distanzierung wird wahrscheinlich noch einige Wochen oder Monate lang andauern und nach Einschätzung von David Madden, Marktanalyst bei CMC Markets, langfristig der gewerblichen Immobilienbranche erhebliche Probleme bereiten. Real Estate Investment Trusts wie Intu Properties (minus 13 Prozent), British Land (minus 5,1 Prozent), Hammerson (minus 18 Prozent) und Great Portland Estates (minus 5,5 Prozent) seien von dem britischen Einzelhandel, dem Gastgewerbe und der Freizeitindustrie stark abhängig, da ihre Mieter in diesen Gebieten tätig seien.

Banken schwach

In Europa standen die Aktien der Banken erneut unter Druck, der Sektor-Index gab um 6,2 Prozent nach. Zu den schwächsten Werten gehörten Deutsche Bank mit einem Abschlag von 9,3 Prozent, BNP Paribas gaben um 7,2 Prozent nach. Im Handel wurde darauf verwiesen, dass in den Quartalszahlen der US-Wettbewerber zu erkennen war, dass diese hohe Rückstellungen aufgrund der erwarteten Kreditausfälle gebildet hatten. "Dies ist in den Schätzungen unserer Analysten in dem Maße noch nicht eingepreist", so ein Aktienhändler einer großen deutschen Bank.

Nach Zahlenausweis ging es für Smurfit Kappa 4,3 Prozent nach unten. Die Geschäftszahlen sind im Rahmen der Erwartungen ausgefallen. Was einige Anleger auf dem falschen Fuß erwischt haben dürfte, war wohl die Streichung der Dividende für 2019. Die Citigroup spricht von einer Vorsichtsmaßnahme, denn der Verpackungshersteller könnte sich angesichts der guten Liquiditätssituation die Zahlung durchaus leisten, hieß es.

Die Aktie von Covestro reagierte kaum noch darauf, dass das Unternehmen den Ausblick für 2020 gesenkt hat. "Das erste Quartal überzeugt noch beim EBITDA, doch langfristig kann sich das Unternehmen nicht gegen den Trend stemmen", so ein Marktteilnehmer. Die DZ-Bank hatte jüngst bereits die Gewinnschätzungen für 2020 und 2021 gesenkt. Die Aktie schloss mit dem Markt 4,2 Prozent im Minus.

(Quelle: finanzen.net)

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