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Börsen- und Wirtschaftsnachrichten vom 29.Februar 2020

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Indizes vom 28.02.2020 (C) finanzen.net Indizes vom 28.02.2020 (C) finanzen.net

FRANKFURT/MAIN. Auch am Freitag gab es kein Halten an Europas Börsen. Weiterhin lieferten die Ausbreitung des Coronavirus und die zu erwartenden Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum sowie die Lieferketten den Grund für den Abverkauf. Die Weltgesundheitsbehörde WHO hat derweil die Risiken für die Welt mit Blick auf das COVID-19-Coronavirus auf "sehr hoch" von "hoch" angehoben. Der DAX verlor 3,9 Prozent auf 11.890. Der Euro-Stoxx-50 gab 3,7 Prozent auf 3.329 nach.

"Spätestens seit dem letzten Wochenende hat Corona aufgehört, ein reines China-Problem zu sein", urteilte Neil Robson, globaler Aktien-Chef bei Columbia Threadneedle. Ein erheblicher Teil des Verbrauchsrückgangs werde sogar für immer verloren gehen. Das Abrutschen in eine Rezession hält er daher für möglich. 

Einige Teilnehmer setzen auf eine Zinssenkung durch die US-Notenbank noch vor der regulären Sitzung im März.

Die Deutsche Bank geht in ihrem Basisszenario für die Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Einlagensatz um 10 bis 20 Basispunkte senken wird. Chefvolkswirt David Folkerts-Landau sagte in einer Telefonkonferenz, die US-Notenbank dürfte ihren Fed-Funds-Zielsatz um 50 bis 75 Basispunkte reduzieren. "In unserem zentralen Szenario erwarten wir, dass die Zahl der am Coronavirus Erkrankten weltweit auf drei Millionen steigt und dass 30.000 Menschen daran sterben", sagte Folkerts-Landau.

BASF glaubt nicht an Ausgleich der Coronavirus-Belastungen

Konjunkturwerte standen weiter auf ganzer Breite unter Druck. Siemens fielen um 3,6 Prozent, MTU um 3,8 Prozent oder Infineon um 3,7 Prozent. Linde gaben sogar 6,2 Prozent nach. Noch schlimmer traf es einige Small Caps. Aufgrund ihrer geringeren Liquidität fielen die Verluste über alle Branchen hier noch höher aus: So brachen Varta um 7,3 Prozent ein oder Amadeus Fire 12,1 Prozent. Die BVB-Aktie stürzte um 10 Prozent ab - hier wird befürchtet, dass der Verein bald vor leeren Rängen spielen könnte.

Die Zahlen und Aussagen von BASF kamen im Handel nicht gut an. "Die sagen genau das, was der Markt nicht hören wollte", so ein Händler: BASF geht nicht davon aus, dass die Belastungen durch das Coronavirus im Jahresverlauf wieder vollständig ausgeglichen werden. "Damit wird auch die Hoffnung auf eine V-förmige Erholung zunichte gemacht", meinte der Marktteilnehmer. BASF sieht das Wachstum der globalen Chemieproduktion bei 1,2 Prozent und damit deutlich unter dem Niveau von 2019 mit 1,8 Prozent. BASF gaben um 4,9 Prozent nach.

Auch für Munich Re ging es kräftig nach unten um 5,7 Prozent. Hier hat der Nettogewinn laut den Analysten der Citi die Konsenserwartung verfehlt. Die Großschäden seien insgesamt höher ausgefallen. Allianz gaben um 4,7 Prozent nach.

Für die Aktie des italienischen Öl- und Gaserzeugers Eni ging es um 5,1 Prozent nach unten. Deutlicher unterhalb der Markterwartung ist nach Aussage von Marktteilnehmern der bereinigte operative Gewinn ausgefallen, der den Konsens um 9 Prozent verfehlt habe.

VW hielten sich nach Geschäftszahlen mit einem Minus von 0,2 Prozent sehr gut. Die Zahlen fielen nach Einschätzung eines Händlers solide aus. Auch die Dividende lag über den Schätzungen. Der eigentliche Treiber sei allerdings der zu Zeiten des Coronavirus gegebene Ausblick, hieß es. VW rechnet mit einem Umsatzwachstum von bis zu 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und sieht die operative Marge weiter zwischen 6,5 und 7,5 Prozent.

Guter Preis für Thyssenkrupp-Aufzugsparte wird nicht honoriert

Gegen den Markt legten Thyssenkrupp anfangs zu, schlossen allerdings 5 Prozent tiefer. Im sich eintrübenden Umfeld habe man die Elevator-Sparte zu einem guten Preis verkauft, hieß es am Markt. Sie geht für 17,2 Milliarden Euro an ein Investorenkonsortium aus RAG-Stiftung, Advent und Cinven. Der Preis ist besser als erwartet, an der Börse wurde nur mit bis zu 16 Milliarden Euro gerechnet.

Die Jahreszahlen des britisch-irischen Baukonzerns CRH fielen gut aus. Die Analysten von Davy Research unterstrichen, dank einer Kombination aus organischem Wachstum und Zukäufen habe CRH eine der stabilsten Bilanzen in der ganzen Branche. Dennoch gab die Aktie im schwachen Gesamtmarkt um 2,1 Prozent nach.

Es gab aber auch Krisengewinner. Drägerwerk stiegen 13,1 Prozent. Im Handel wurde darauf verwiesen, dass der Medizintechnikanbieter unter anderem Atemmasken produziert. Daneben legte Asklepios das schon seit langem für möglich erachtete Übernahmeangebot für Rhön-Klinikum vor. "Asklepios macht sich offenbar den Kursverfall der Rhön-Klinikum-Aktie zunutze", sagte ein Händler. Asklepios bietet 18 Euro je Rhön-Klinikum-Aktie. Rhön-Klinikum stiegen 22,3 Prozent auf 18 Euro.

(Quelle: finanzen.net)

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