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Börsen- und Wirtschaftsnachrichten vom 3.April 2020

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Indizes vom 02.04.2020 (C) finanzen.net Indizes vom 02.04.2020 (C) finanzen.net

FRANKFURT/MAIN. Die europäischen Aktienmärkte haben am Donnerstag nach einem volatilen Verlauf mit leichten Aufschlägen geschlossen. Nachdem die Börsen zunächst lange Zeit des Tages auf unverändertem Niveau notierten, ging es nach der Veröffentlichung der US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe zunächst nach unten. Diese sind auf eine Rekordmarke von 6,648 Millionen in die Höhe geschossen und lagen damit rund doppelt so hoch wie die prognostizierten 3,1 Millionen.

"Der Anstieg der Arbeitslosigkeit übertrifft die schlimmsten Befürchtungen. Das hohe Tempo der Entlassungen ist frappierend und stellt alles in den Schatten, was die USA am Arbeitsmarkt jemals erlebt hatten", sagte Commerzbank-Volkswirt Bernd Weidensteiner. Die Kollegen von der Helaba schließen eine Rekordarbeitslosigkeit in den USA nicht aus. Die Blicke sind nun auf den offiziellen Arbeitsmarktbericht für März am Freitag gerichtet. Jedoch reicht der Berichtszeitraum für diesen nur bis zum 12. März, berücksichtigt also noch nicht die jüngsten Entwicklungen. Die Aussagekraft dürfte daher begrenzt sein und erst im April-Bericht vollständig widergespiegelt werden. 

Im späten Verlauf zogen dann die Ölpreise mit der Hoffnung auf Fördermengenkürzungen durch Saudi-Arabien und Russland massiv an und zogen die Aktienmärkte wieder ins Plus. Der DAX legte um 0,3 Prozent auf 9.571 Punkte zu, nachdem er im Anschluss an die US-Daten schon bis auf 9.337 Punkte abgerutscht war. Der Euro-Stoxx-50 gewann 0,3 Prozent auf 2.688 Punkte. Profiteur der schwachen US-Daten war das Gold, hier ist der Preis für eine Feinunze wieder über die Marke von 1.600 Dollar gestiegen.

Öl haussiert nach Aussagen von Trump

Am Nachmittag sorgten Aussagen von US-Präsident Donald Trump über Gespräche zwischen Saudi-Arabien und Russland über eine Drosselung der Ölförderung für einen massiven Ölpreisanstieg. Einem Tweet von Trump zufolge könnte die tägliche Produktion wohl um 10 Millionen Barrel pro Tag gesenkt werden. Wenig Minuten später sprach Trump in einem weiteren Tweet sogar von bis zu 15 Millionen Barrel. Inzwischen sind die Ölpreise allerdings wieder leicht zurückgekommen, nachdem der Kreml derartige Gespräche laut einem Bericht von RIA Novosti dementiert hat.

Zudem hat China angekündigt, auf dem aktuellen Niveau die staatlichen Rohölvorräte aufzustocken. Der Stoxx-Branchenindex der europäischen Öl- und Gaswerte zog um 5,2 Prozent an. Unter den Einzelwerten stiegen Eni um 6,9 Prozent, Royal Dutch Shell um 9,0 Prozent und BP um 5,9 Prozent.

Michelin kürzt Dividende und zeigt sich widerstandsfähig

Am Aktienmarkt bestimmten erneut Nachrichten über reduzierte oder ausfallende Dividenden und zurückgezogene Ausblicke das Geschehen. Für Centrica ging es an der Londoner Börse um 8,6 Prozent nach unten. Der Versorger hat angekündigt, die Dividende für 2019 zu streichen, will die Kosten senken und hat den Ausblick auf das laufende Jahr gestrichen.

Der Reifenhersteller Michelin senkte seine Dividende für 2019 auf 2 Euro von ursprünglich geplanten 3,85 Euro je Aktie. Michelin betonte aber zugleich, man verfüge über "die Finanzierungsmöglichkeiten und Finanzierungsmechanismen, um mit den Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Krise fertig zu werden." Der Kurs gab um 1,0 Prozent nach.

Schwächster Sektor war erneut die Reise- und Luftfahrtbranche, der 4,4 Prozent verlor. Ein Verlierer war erneut der Kreuzfahrtanbieter Carnival, dessen Aktie um 22,3 Prozent einbrach. Lufthansa notierten 0,4 Prozent tiefer. Die Fluglinie hat nun auch mit den Piloten wegen der Folgen der Coronavirus-Krise Kurzarbeit vereinbart. Die Cockpitkosten sinken dadurch um knapp 50 Prozent, wie das Unternehmen am späten Mittwoch mitteilte.

MTU erneut Schlusslicht im DAX

Schwach tendierte einmal mehr die Aktie des Triebwerkherstellers MTU (minus 5,8 Prozent) nach einer Herunterstufung durch die UBS. Die Analysten erwarten, dass den europäischen Produzenten von Flugzeugtechnik schwierige 2 Jahre bevorstehen. Auch wenn sich der globale Flugverkehr im nächsten Jahr wieder erholen sollte, dürfte das Service- und Wartungsgeschäft länger leiden.

Compugroup (plus 14,5 Prozent) gilt als einer der Gewinner der Digitalisierung in einem sonst eher langsam wachsenden Gesundheitssektor. Die Analysten der Deutsche Bank verwiesen bei Compugroup auf die positive Entwicklung bei der zertifizierten Medizinsoftware aufgrund der Covid-19-Pandemie. Die Software sei innerhalb weniger Wochen von 45.000 Ärzten heruntergeladen worden, um Sprechstunden vor Ort zu entlasten.

Grenke verschiebt derweil, wie viele andere Unternehmen auch, die Hauptversammlung. Das Leasing-Unternehmen hat das Neugeschäft im ersten Quartal trotz der Coronavirus-Pandemie gesteigert. Der Kurs stieg um 1,7 Prozent. United Internet (plus 2,9 Prozent) will trotz der Krise eigene Aktien zurückkaufen, und zwar für bis zu 150 Millionen Euro. Ein Händler sprach von einem "mutigen" Schritt, der möglicherweise nicht bei allen Anlegern auf Verständnis stoßen könnte.

(Quelle:finanzen.net)

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