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Gastländer können von Geflohenen profitieren

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Gastländer können von Geflohenen profitieren Flüchtlingssiedlung in Uganda mit Hinweistafel (C) Merle Kreibaum
Gastländer können von Geflohenen profitieren

 

Studie der Universität Göttingen belegt positive Effekte durch soziale Integration von Flüchtlingen

 

Bürgerkriege und Krisen führen seit längerem zu steigenden Flüchtlingszahlen. Fast 90 Prozent der weltweit Geflohenen finden in Entwicklungsländern Schutz. Zudem bleiben viele Flüchtlinge sehr lange in ihren Gastländern, da sich die Situation in ihrer Heimat teilweise über Jahre und Jahrzehnte nicht verbessert. Weil dies insbesondere auf den ostafrikanischen Staat Uganda zutrifft, haben Wissenschaftler der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen konkret am Beispiel Ugandas den Effekt der Flüchtlingspolitik auf die dortige Bevölkerung untersucht: Die Menschen, die in an Flüchtlingssiedlungen grenzenden Dörfern leben, haben einen verbesserten Zugang zu Grundschulen, die von internationalen Hilfsorganisationen betrieben werden. Außerdem bedeuten mehr Menschen größere Märkte, so dass der Konsum in diesen Regionen ansteigt. Die Ergebnisse sind in der Zeitschrift World Developmenterschienen. 

Uganda hat gemeinsame Grenzen mit Ruanda, der Demokratischen Republik Kongo und dem Südsudan und liegt damit in einer Region, die seit den 1990er-Jahren von mehreren humanitären Krisen heimgesucht worden ist. In diesem Zeitraum war Uganda konstant unter den wichtigsten Aufnahmeländern der Welt. Das Land verfolgt eine weltweit einmalige Flüchtlingspolitik: den Ansatz der lokalen sozialen und ökonomischen Integration. „Dies bedeutet, dass Flüchtlinge statt in Zeltstätten in Siedlungen untergebracht werden, wo sie ein Stück Land und eine Art Starterkit mit Saatgut, Werkzeug und Ähnlichem erhalten. Sie dürfen sich frei bewegen und arbeiten. Unterstützung durch die Regierung und das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen erhalten sie aber nur in diesen Siedlungen“, so Dr. Merle Kreibaum, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Volkswirtschaftstheorie und Entwicklungsökonomik der Universität Göttingen und Leiterin der Studie. Geflohene und Ugander nutzen außerdem dieselben Schulen und Krankenstationen. Parallelstrukturen bei den öffentlichen Dienstleistungen werden dadurch abgebaut.

„Allerdings kann ein solch erhöhte Fokus auf Flüchtlinge auch zum Nachteil derjenigen Einheimischen sein, die auf Transfers vom Staat angewiesen sind“, fügt Dr. Kreibaum einschränkend hinzu. „Auch widerspricht die negativere Einschätzung der eigenen ökonomischen Situation in Regionen mit einer relativ größeren Flüchtlingspopulation den objektiv gemessenen Verbesserungen. Diese beiden Einschränkungen zeigen, dass es auch bei dem fortschrittlichen ugandischen Ansatz noch Reformbedarf gibt.“

Dr. Kreibaum zieht auch eine Konsequenz für Politiker hierzulande aus ihrer Arbeit: „Der wirtschaftliche Kontext ist in Deutschland nicht mit dem in Uganda vergleichbar und es werden andere Qualifikationen benötigt, um in den deutschen Arbeitsmarkt integriert zu werden. Dennoch könnten diese Ergebnisse auch deutsche Politiker ermutigen, die Berührungsängste vor Flüchtlingen zu verlieren und ihnen bessere Möglichkeiten zu geben, für sich selbst zu sorgen und dadurch auch der deutschen Wirtschaft zu nutzen.“

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