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Er kämpfte gegen die Inquisitionsgerichte

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Europa war mehrere Jahrhunderte lang ein Kontinent des fanatisierten Glaubens, radikalen Aberglaubens und der Inquisitionsgerichte gewesen. Der Siegeszug der Vernunft und der Verfassungen, in denen der unantastbaren Menschenwürde der erste Rang und die höchste Bedeutsamkeit beigemessen wurden, entstanden vor allem nach dem Läuten der Französischen Revolution und Aufklärung. Doch schon vor der Neuzeit gab es Kämpfer in ganz Europa für Menschenrechte und Vernunft - und Kämpfer gegen die Inquisitionsgerichte.

Einer diesen tapferen Kämpfer gegen die Hexenprozesse war Friedrich Spee von Langenfeld. Ein Streiter für die Menschenwürde. Heute vor 384 Jahren, am 7. August 1635, verstarb er in Trier.

Spee prangerte öffentlich das Unrechtssystem in der Ära der Hexenverfolgung an, in der mehrere Millionen Gerichtsprozesse ohne Erbarmen und Maß geführt wurden. Spee forderte den Einsatz gegen den im Volke verwurzelten und von den Oberen bewusst geförderten Aberglauben jener Tage. Er wusste um das Gift der mangelnden Bildung, Intoleranz und bösartigen, hetzerischen Mutmaßungen.

Spree stellte sich gegen die Radikalität der Mächtigen gegenüber religiösen Minderheiten, stemmte sich gegen den Massenwahn, mit dem Missernten, die Pest und Kriege vom Volke oftmals Minderheiten und auch Hexen und dunklen Magien zu Lasten gelegt wurden. Nicht den wirklichen Auslösern: Den Launen der Natur, mangelnden medizinischen Kenntnissen, der vorangetriebenen, wohl kalkulierten Kriegspolitik von Staaten oder Reichsautoritäten. Er war Zeuge der hohen Zahl der Inquisitionsverhöre, die auch auch das Ergebnis der aufgeheizten, kriegslüsternen Stimmung des damaligen Europa waren. Der - auch religiös motivierte - Dreißigjährige Krieg begann 1618. Dieser apokalyptische Krieg warf Europas Völker, wie die Inquisition, in ein weiteres Höllenfeuer.  

Der Publizist hinterfragte die fanatische Glaubensauslegung der katholischen Kirche, die Andersgläubige brandmarkte und verteufelte, zur Sicherung der eigenen Machtposition, des Reichtums und zugleich beabsichtigte aufstrebende nichtkatholische Gruppen niederzuhalten. 

Dabei mit dem machtvollen Instrument der Inquisition verfolgte, verhörte. Mit dem langlebigen Instrument der Inquisition dann die Ungehörten verurteilte und bei lebendigem Leib auf öffentlichen Plätzen verbrannte.

Spee positionierte sich als Teil einer Minderheit gegen die dominierende Unvernunft und epidemische Gewalt im 17. Jahrhundert.

Spee war Dichter und jesuitischer Seelsorger. Theologe und Menschenrechtler, der Kritik an der Position der katholischen Kirche übte,  die die Inquisitionsgerichte als legitime Instanz zur Verfolgung und Verurteilung von Häretikern sah. Jahrhundertelang dieses wie ein Kriegsgericht oder das Fegefeuer gefürchtete Rechtsorgan bewahrte. Insgesamt wurden Schätzungen zufolge über 3 Millionen Inquisitionsprozesse abgehalten. Dabei wurde grausam ins Feld geführt gegen das Volk wegen des Vorwurfs der finsteren Magie, Hexerei oder des Glaubensabfalls - und wer einmal verhört wurde, der konnte in der Regel mit keinerlei Erbarmen der Inquisitoren rechnen. All dem war zuvor das Denunzieren wie in totalitären Systemen vorausgegangen.

Die Hexenprozesse waren in jener Zeit überall vernehmbar. Spee erlebte sie in deren Zenit zwischen 1550-1650. Den in rigide organisierten Abläufen und unbarmherzig geführten Prozessen fielen zwischen 40 000 - 60 000 Menschen zum Opfer.

Dem düsteren Willkürsystem, Menschen- und Weltbild und den leidvollen, juristischen Hexenprozessen der Inquisition stellte sich Spee in seinen Publikationen entgegen. Dabei stellte er sich auf die Seite der in der Mehrheit verurteilten Frauen. Er hinterfragte, was heute unvorstellbar ist und seinerzeit selbstverständlich war.

In seiner bedeutenden Schrift "Cautio Criminalis" /"Vorsicht mit dem Strafrecht", die der Theologe und Menschenrechtler in Paderborn schrieb, wo der Querdenker 1623-1624 und 1629-1631 lehrte, sprach er für sich die Proklamation der unantastbaren Menschenrechte aus. Das Bekenntnis zu den Grundrechten beinhaltete auch die Ablehnung der Inquisition und Folter und den Appell zur Kehrtwende, hin zum Maß im Glauben,  in der Rechtsauslegung und Rechtsausübung. 

Spee hörte das Leiden der Menschen und rief zum Aufbau einer Gesellschaft und von juristischen Instanzen auf, in der Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Vernunft herrschten und der Wahn der Hexenverfolgung beendet werden sollte.

Geboren wurde der Humanist, dem zu Ehren Schulen und Straßen in Deutschland benannt sind, am 25. Februar 1591 in Kaiserswerth, dem heutigen Düsseldorf. Gestorben ist der Querdenker am 7. August 1635 in Trier nach einer tödlich verlaufenden Fiebererkrankung. Bei der Behandlung von Soldaten in einem Lazarett hatte er sich mit dem Fieber angesteckt. Heute wird seiner gedacht: Der Kampf für Vernunft und gegen fanatisierten Glauben hochgehalten.

In Erinnerung bleiben mit der Ära der Hexenprozesse und dem Widerstand gegen deren Willkür und Menschenverachtung in Europa wird auch stets:

Die Angst der Völker vor der Inquisitionsmacht.

Die fehlende Partizipation der Menschen an der Machtgestaltung.

Das Denunzieren der Nachbarinnen und Nachbarn und Aufstacheln zum Unfrieden.

Die Verkettung der Völker in Unmündigkeit.

Der vereinzelte Widerstand gegen Unrecht und Folter.

Die dann in Europa erfolgte Befreiung im Geiste von finsterem Aberglauben und der Aufruf auf den öffentlichen Plätzen zu gerechten, menschenwürdigen Instanzen des Reiches/Staates und zur Herrschaft der Vernunft und unantastbaren Menschenwürde in Staat, Gesellschaft, Glauben, Kultur und Rechtswesen.

Der Kampf und Sieg in Europa über die totalitäre Inquisition.

Gehören die Hexenprozesse in Europa der Vergangenheit an, so laden Gerichte in Afrika, Südostasien und Südamerika noch immer vor zur Anklage und nicht seltenen Verurteilung der Angeklagten wegen Glaubensabfalls. 

dck

 

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