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"Wortfinder" – Vorstellung eines Sprachförderprojektes für Flüchtlingskinder in hannoverschen Schulen

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"Wortfinder" – Vorstellung eines  Sprachförderprojektes für Flüchtlingskinder in hannoverschen Schulen v.l. Dr. Andreas Schubert, Anne Korte-Polier, Petra Günther, Hedwig Mehring und Christiane Kemper (C) Ulrich Stamm
Wortfinder – ein Sprachförderprojekt für Flüchtlingskinder in hannoverschen Schulen

 

Caritas Hannover, Kath. Familienbildungsstätte, Bistum Hildesheim und drei hannoveraner Schulen  stellen neues Projekt vor

 

 

Hannover, 25.06.2015

Der Caritas Verband Hannover e.V., die katholische Familienbildungsstätte Fabi und das Bistum Hildesheim haben heute in den Räumen des Caritas Verbandes in Hannover das Sprachförderprojekt "Wortfinder" für Flüchtlingskinder an hannoverschen Schulen vorgestellt.

Das Projekt ist derzeit finanziert durch den Bischofsfond des Bistums Hildesheim, läuft zunächst bis Ende 2016 und richtet sich an schulpflichtige Flüchtlingskinder in Hannover, die weniger als ein Jahr in Deutschland sind.

2.621 Flüchtlinge sind derzeit laut Angabe der LH Hannover in Wohnheimen und Notunterkünften im Stadtgebiet untergebracht. Wöchentlich kommen etwa 70 bis 80 dazu, darunter viele schulpflichtige Kinder.

Kinder, die aus Kriegs- und Krisengebieten kommen, in prekären Wohnverhältnissen leben und deren Eltern aus den gleichen Gründen häufig nicht in der Lage sind, ihre Kinder im schulischen Bereich zu unterstützen.

Der erste Schulbesuch erfolgt für die Kinder schon nach nur wenigen Tagen in Hannover. Sie sitzen in den Klassen aller Jahrgangsstufen und Schulformen, ohne ein Wort Deutsch verstehen oder sprechen zu können. Sie bringen erhebliche kulturelle und soziale Unterschiede aus ihren Herkunftsländern mit und sind auf Grund der Flucht- und Krisensituation in ihren Ländern oftmals schon länger nicht mehr beschult worden. 

 


v.l. Dr. Andreas Schubert ( Vorstand des Caritasverbandes), Anne Korte-Polier ( Leiterin der Kat. Familienbildungsstätte), Petra Günther ( Konrektorin der HS Peter-Ustinov-Schule ) Hedwig Mehring ( Stellvertrterin des fördernden Bischofsfonds des Bistum Hildesheim )

v.l. Anne Korte-Polier, Petra Günther, Hedwig Mehring, Merwa Alo, Charlotte Siele, Merhik Shadab (Schülerin des Projekts), Raian Radu (Schüler des Projekts Wortfinder ), Dr. Andreas Schubert

 

Kenntnisse des deutschen Schulsystems sind weder bei den Kindern noch bei den Eltern vorhanden. Auch der Stellenwert von Schule und Bildung ist in manchen Herkunftsländern geringer als bei uns, sodass die Motivation zum Schulbesuch und zum Lernen oftmals nicht von den Eltern gestützt wird.

 

Die Kinder sind somit vielfach mit der Situation überfordert, das Leben in Unterkünften und Wohnheimen lässt kaum Raum für Schulaufgaben und sinnvolle Freizeitgestaltung. Die Eltern sind nicht in der Lage, zu unterstützen. Im Heimatland Erlebtes kann nicht entsprechend verarbeitet werden.

Folge sind Lernschwierigkeiten und Konzentrationsschwächen, auffälliges Verhalten und Angstzustände. Dabei ist ein grundlegender Spracherwerb bekanntermaßen Basis für eine erfolgreiche Integration der Kinder in Schule und Ausbildung.

 

Dies bestätigen auch viele Lehrkräfte an den hannoverschen Schulen, die vor großen Herausforderungen stehen, die vielen neuen Flüchtlingskinder in den Schulalltag zu integrieren und entsprechend zu unterrichten.

 

Hier setzt das neue Modellprojekt „Wortfinder“ an.

In kleinen Lerngruppen erhalten Flüchtlingskinder im Alter von 5 bis 15 Jahren regelmäßigen Deutschunterricht und Schulaufgabenhilfe. Neben klassischem Sprachunterricht und Hausaufgabenhilfe geht es auch um das Erlernen sozialer Regeln und Strukturen der deutschen Gesellschaft. Beim Spielen, Malen und kreativen Gestalten soll Sprache vermittelt und ein Raum des Ausdrucks und des Selbsterlebens geschaffen werden.

Dabei geht es in erster Linie um die Stabilisierung der Flüchtlingskinder durch individuelle Aufmerksamkeit und Unterstützung bei allen Lern- und Lebensfragen.

Dies ist Grundlage für einen motivierten Spracherwerb. Die Befähigung zum selbständigen Lernen ist dabei Ziel und Aufgabe des Projekts. 

Neben der Unterstützung zum Spracherwerb sollen auch die Eltern an die Mechanismen unseres Schulsystems herangeführt werden. Dabei sind ein wertschätzender Umgang und ein ressourcenorientierter Blick auf die Kinder und ihre Familien Grundlagen der Projektarbeit.

 

Koordiniert wird das Projekt von Ulrike Paland, Sozialpädagogin beim Caritasverband Hannover und tätig im Elterntreffpunkt der Kath. Familienbildungsstätte in der Calenberger Neustadt.

Sie nimmt Kontakt zu den Schulen auf, akquiriert Honorarkräfte für die Lerngruppen, arbeitet diese ein, bindet Ehrenamtliche ein und koordiniert die Einsätze. Sie stellt Kontakte zu Flüchtlingsunterkünften und flüchtlingsrelevanten Einrichtungen her und vernetzt Lehrkräfte, Honorarkräfte und Mitarbeiter der Caritas, die bei Beratungsbedarf seitens der Lehrkräfte und der Familien bei psychosozialen und flüchtlingsspezifischen Fragen zur Verfügung stehen.

 

Seit Mitte Februar werden in einer ersten Modellphase an drei hannöverschen Schulen, der Grundschule Fuhsestraße, der Hauptschule Peter-Ustinov-Schule und dem Luthergymnasium in 8 Lerngruppen insgesamt 34 Kinder und Jugendliche von 9 Honorarkräften und 2 Ehrenamtlichen gefördert. Es werden 17 Stunden wöchentlich unterrichtet mit einem durchschnittlichen Betreuungsschlüssel von 1 Honorarkraft auf 4 Kinder.

 

Dr. Andreas Schubert, Vorstand des Caritasverbandes, ist überzeugt von dem Wortfinderprojekt:" Wir stehen erst am Anfang bei diesem "OpenSource"-Projekt. Es kommt bei den Kindern, Jugendlichen deren Eltern und den beteiligten Schulen gut an. Wir brauchen Geld für dieses Projekt, denn die Nachfrage ist groß. Um sie bewältigen zu können, sind dementsprechende Mittel und Unterstützung nötig.

"Die Flüchtlingskinder kommen aus Syrien, Irak, Afghanistan, Rumänien und Bulgarien; sie haben teils Schreckliches erlebt", berichtet Anne Korte-Polier, Leiterin der Kath. Familienbildungsstätte. " Der Untericht des Wortfinderprojektes ist nicht nur ein reiner Deutschunterricht, sondern es findet auch eine sozialpädagogische und sozialpsychologische Betreuung der rund 35 Kinder in den drei am Projekt  teilnehmenden Schulen statt. Die Kinder nehmen die Hilfe gut und gern an und ihre Eltern registrieren, daß die Kinder mit Freude lernen und wertgeschätzt werden."

Der Hilfebedarf ist sehr groß besonders im Hinblick auf die zunehmenden Flüchtlingszahlen in Hannover und der Region.

Das "Wortfinder"-Projekt hat einen sehr wertvollen, ersten Schritt mit der Sprachförderung der Flüchtlingskinder begonnen, der noch sehr ausbaufähig ist. 

 

Wenn Sie mit helfen möchten, können Sie das Projekt "Wortfinder" mit einer Spende unterstützen:

 

 

Caritasverband Hannover e.V

Bank für Sozialwirtschaft AG

IBAN: DE92251205100001414206

BIC: BFSWDE33HAN

Konto : 1414206

BLZ: 25120510

Kennwort : Wortfinder

 

 

 

 

 

 

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