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In dubio pro reo: SPD stimmte wohldurchdacht gegen Namensänderung

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Namensstreit wegen August Marahrens Jens Schade Namensstreit wegen August Marahrens

HANNOVER. Namensstreit um Pontenhof und Marahrensweg. Angesichts einer ziemlichen unfairen Berichterstattung in der lokalen Presse macht die SPD-Fraktion im Stadtbezirksrat Döhren-Wülfel nun noch einmal in einer Pressemitteilung ihre Überlegungen deutlich. Erläutert wird da, weshalb sie statt einer Umbennung kritische Legenschilder bevorzugte und sich mit FDP und CDU auf einen gemeinsamen Änderungsantrag einigte (der allerdings zum größen Teil auf den zuvor von den Sozialdemokraten eingebrachten Änderungsantrag beruhte). Man habe ausführlich disktutiert und die Entscheidung sei wohldurchdacht, heißt es. Die Pressemitteilung im Wortlaut:

In dubio pro reo: SPD stimmte wohldurchdacht gegen Namensänderung

Leicht hatten die Sozialdemokraten es sich nicht gemacht, mit Ihrem Votum zu den vom Beirat „Wissenschaftliche Betrachtung von namensgebenden Persönlichkeiten in Hannover“ empfohlenen Namensumbenennungen von Pontenhof und Marahrensweg. Nach langen Diskussionen und einer hochkarätig besetzten öffentlichen Diskussionsveranstaltung zum Thema im Döhrener Freizeitheim waren sie aber letztlich zu dem Schluss gekommen, dass das durchaus kritikwürdige Verhalten der Namensgeber während der NS Zeit die Belastung der betroffenen Anwohner mit einer Namensänderung nicht zwingend rechtfertige.

„Beide Personen waren niemals Mitglieder der Nationalsozialistischen Partei und auch keine aktiven Nazis“, hielt die SPD-Fraktion im Bezirksrat den von den Grünen, PARTEI und Linken eingebrachten Antrag entgegen. Diese beiden Kriterien waren jedoch laut den vom Rat selbst vorgegebenen Richtlinien ausschlaggebend für eine mögliche Namensumbenennung.  August Marahrens habe die gleichgeschalteten sogenannten „Deutschen Christen“ immer bekämpft und Schriftsteller Josef Ponten habe zumindest ab 1936 in einem immer kritischeren Verhältnis zur Nazi-Ideologie gestanden. Zwar meinte die SPD zugleich: „Würde sich heute die Frage stellen, ob Straßen nach Bischof Marahrens und nach Ponton benannt werden sollten, wäre dies sicherlich mit einem „Nein“ zu beantworten.“ Aber, so SPD-Fraktionsvorsitzender Jens Schade zur Begründung eines gemeinsamen Änderungsvorschlages von CDU, SPD und FDP: „Heute stellt sich lediglich die Frage, ob eine Beibehaltung der Namen nur schwer hinnehmbar oder gar unerträglich wäre." Und das verneinten sowohl CDU, SPD als auch FDP. Sie wiesen nochmals darauf hin, dass selbst nach den Richtlinien des Rates eine Straßenumbenennung nicht zwingend in Betracht kommen würde, da beide Personen – sowohl Marahrens und auch Ponten - nie Mitglieder der NSDAP gewesen seien. Außerdem, argumentierten sie weiter, sei man im Bezirksrat Vertreter der Bürger und sollte daher auch deren Argumente bei der Entscheidung mitberücksichtigen.

So konnten die Anwohner vom Pontenhof (Seelhorst) und Marahrensweg (Wülfel) an diesem Donnerstagabend Mitte März zufrieden und erleichtert von der Bezirksratssitzung nach Hause fahren. CDU, SPD und der Einzelvertreter der FDP lehnten einen Antrag auf Umbenennung der beiden Straßen ab. Sie votierten stattdessen für ausführliche Zusatztexte – sogenannte Legendenschilder – unter den Straßennamen, auf denen sich kritisch mit dem Verhalten der Namenspaten auseinandergesetzt wird. Nachdem aber ihr Antrag auf Namensänderung abgelehnt worden war, mochten Grüne, Linke und der PARTEI-Vertreter auch nicht mehr für diese Legendenschilder stimmen. Sie wurden daher lediglich mit der Mehrheit von SPD, CDU und dem FDP-Vertreter beschlossen.

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