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„Schweigen ist auch Handeln“ – Diskussion um Straßennamen im Bezirksrat Döhren-Wülfel

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Umstrittener Namenspate: Der Marahensweg ist nach einem evangelischen Bischoff benannt. Jens Schade Umstrittener Namenspate: Der Marahensweg ist nach einem evangelischen Bischoff benannt.

HANNOVER. August Marahrens starb zwar schon im Mai 1950, doch er stand gestern (7. November)  im Mittelpunkt der Diskussionen im Stadtbezirksrat Döhren-Wülfel. Denn nach ihm wurde eine Straße im Stadtteil Wülfel benannt. Weil eine vom Rat eingesetzte Expertenkommission nun einen anderen Straßennamen forderte, setzte der Bezirksrat eine Anhörung zum Thema auf die Tagesordnung.

 Marahens war Bischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover während der Zeit des Drittes Reiches. Zwar engagierte er sich gegen die sogenannten „Deutschen Christen“, schwieg jedoch zu den Deportationen und Morden an den Mitbürgern jüdischen Glaubens. Der ehemalige Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann und der Historiker Dr. Karljosef Kreter, beide gehörten der vom Rat eingesetzten Expertenkommission an, plädierten deshalb dafür, den früheren Kirchenmann nicht mehr länger mit einer Straße zu ehren. „Schweigen ist auch eine Art Handeln, wenn man etwas sagen müsste“, hieß es zur Begründung.

 Der 1883 nahe Eupen (damals noch Deutschland, heute Belgien) geborene Schriftsteller Josef Ponton soll nach Ansicht von Hans-Martin Heinemann und Dr. Karljosef Kreter ebenfalls nicht mehr länger Namenspate vom Pontonhof (Seelhorst) sein. Obwohl sich Ponten selbst wohl laut Wikipedia auch als Kosmopolit, „Anti-Nationalist“ und Pazifist verstand, suchte er die Nähe zum Nationalsozialismus, freilich, ohne jemals Mitglied der Partei zu werden.

 Die Zuhörerreihen im Saal des Freizeitheims Döhren waren stark gefüllt: Die Anwohner der beiden Straßen kamen zur Sitzung und plädierten dafür, ihre gewohnte Adresse behalten zu dürfen. Der Bezirksrat informierte sich indes lediglich zum Thema. Bezirksbürgermeisterin Antje Kellner: „Bislang hat noch niemand im Bezirksrat eine Umbenennung beantragt und es ist völlig offen, ob dies noch geschieht.“

 Informationen ganz anderer Art lieferte Polizeidirektorin Ilka Kreye im Anschluss den Bezirksratspolitikern. Die Chefin der Polizeiinspektion Süd stellte den gemeinsamen Sicherheitsbericht von Stadt Hannover und Polizei vor. Gegen den gesamtstädtischen  Trend sei zwar im Stadtbezirk Döhren-Wülfel ein leichter Anstieg der Straftaten im öffentlichen Raum zu verzeichnen, sagte sie, aber es bestehe „kein Grund zur Sorge.“

 Auch im Anfragenteil zeigten sich die örtlichen Bürgervertreter wissensbegierig. Die Sozialdemokraten wollten wissen, ob am Ampelübergang  in der Hildesheimer Straße, Ecke Am Mittelfelde, nördliche Seite, auf der Mittelinsel auch ein weiterer Druckknopf für Fußgänger installiert werden könnte. „Es gelingt nicht, die Fahrspuren stadteinwärts, die Stadtbahngleise und die stadtauswärts führenden Fahrspuren bei einer Grünphase zu überqueren“, meinte Brigitta Miskovic. Doch die Stadt lehnt dies ab. Die Mittelinsel sei als Wartefläche gar nicht geeignet, die Menschen sollten die Straße in einem Rutsch überqueren. Immerhin wurde laut Verwaltungsantwort die Grünphase für Fußgänger aufgrund der SPD-Anfrage nun auf 14 Sekunden verlängert.

In einer weiteren Anfrage erkundigte sich die SPD-Fraktion, wie es mit der gesperrten Holzbrücke über der Leine in der Wülfeler Masch weitergeht. „Die Verwaltung prüft zurzeit, ob eine Sanierung der Brücke möglich ist oder ob ein Ersatzbau erforderlich wird“, sagte Verwaltungssprecherin Gundula Ohlhorst.

 Hätte die CDU-Fraktion nicht nach der Zukunft der Außenstelle der Dietrich-Bonhoeffer-Realschule an der Loccumer Straße gefragt, wer weiß, wann der Bezirksrat von den Beamten im Rathaus informiert worden wäre. So aber gab es Neuigkeiten von der Sitzung mit nach Hause zu nehmen. Die Stadt will die Lehranstalt am Stammsitz  in der Helmstedter Straße erweitern, Planungen dazu sind in Vorbereitung. Aber erst im „Frühjahr 2020 können belastbare Aussagen zu voraussichtlichen Baubeginn und geplanter Baufertigstellung gemacht werden“, hieß es zu der Anfrage der Christdemokraten.

 Aufgrund einer Nachfrage der Fraktion der Grünen wurde nun bekannt, dass auch die Hochbahnsteige an der Peiner Straße und am Seelhorster Friedhof saniert werden sollen. Im Gegensatz zu den inzwischen wieder freigegebenen Bahnsteigen an der Haltestelle Fiedelerstraße und Bothmerstraße können die Hochbahnsteige aber weiter genutzt werden; hier ist eine Vollsperrung nicht vorgesehen

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