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Modellprojekt bietet Wohnplätze, soziale Beratung und Anschlussperspektiven

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Thomas Vielhaber, Dr. Andrea Hanke, Uwe Thomas Carstensen, Ricarda und Udo Niedergerke sowie Belit Onay (v. l.) © Carl-Marcus Müller Thomas Vielhaber, Dr. Andrea Hanke, Uwe Thomas Carstensen, Ricarda und Udo Niedergerke sowie Belit Onay (v. l.)

Hannover (pm). Am Mittwoch (20. Januar) startet das von Stadt und Region Hannover initiierte und finanzierte neue Vorhaben „Plan B – OK“. Es sieht eine befristete Unterbringung wohnungsloser Menschen kombiniert mit intensivierter sozialpädagogischer Beratung und Unterstützung vor. Ziel ist es, die Wohn- und Lebenssituation Wohnungsloser dauerhaft zu verbessern.

Das Projekt „Plan B – OK“ (OK steht für Orientierung und Klärung) richtet sich zunächst an alle Personen im Stadtgebiet Hannover ohne eigene Wohnung, die aufgrund von sozialen Schwierigkeiten nicht aus eigener Kraft aus ihrer Wohnungslosigkeit herausfinden können. Dazu werden die Menschen bis zu drei Monate untergebracht und in dieser Zeit intensiv persönlich betreut und von einer sozialpädagogischen Fachkraft dabei unterstützt, eine neue Lebensperspektive zu entwickeln.

„Mit dem neuen Vorhaben „Plan B – OK“ können wir gemeinsam mit der Region Hannover die Situation obdachloser Menschen in Hannover nachhaltig verbessern. Wir freuen uns, dass sich mit den Familien Niedergerke und Carstensen im Rahmen ihrer Stiftungen zudem Personen aus der Stadtgesellschaft engagieren und das Vorhaben mit einem Anteil finanziell unterstützen“, so Oberbürgermeister Belit Onay.

Unterbringung in Wohngemeinschaften mit Einzelzimmern

Für den Start des Modellprojektes stellt die Landeshauptstadt Hannover (LHH) zunächst 21 Plätze in einem Mehrparteienhaus in Döhren zur Verfügung.  Die sozialpädagogische Beratung und Unterstützung der Bewohner*innen übernimmt aufgrund einer Leistungsvereinbarung mit der Region Hannover das Deutsche Rote Kreuz, Soziale Dienste in der Region Hannover gem. GmbH (DRK). Das Gebäude verfügt über insgesamt acht Wohnungen. Hiervon werden sieben Wohnungen für die Unterbringung genutzt, eine weitere Wohnung bietet Raum für die soziale Beratung und Unterstützung durch das DRK. Die Wohnungen verfügen über je drei Einzelzimmer und gemeinschaftlich zu nutzende Bäder und Küchen.

Die besondere Situation wohnungsloser Frauen wird berücksichtigt: Sie sollen einen gleichberechtigten Zugang zum Angebot und der Platzvergabe sowie einen abgetrennten Wohnbereich bekommen. Auch für Menschen mit einem ungeklärten Leistungs- oder Aufenthaltsstatus sind Plätze vorgesehen: Diese Menschen haben zunächst 30 Tage Zeit, gemeinsam mit den Sozialarbeiter*innen vor Ort ihren ausländer- und sozialrechtlichen Status zu klären und weitere Schritte zu planen.

 „Mit dem Modellprojekt „Plan B – OK“ schaffen wir eine sinnvolle Ergänzung zu dem bereits bestehenden städtischen Angebot in der Obdachlosenunterbringung. Die Bewohner*innen erhalten neben der Unterbringung in Wohnungen zudem die Möglichkeit, mit sozialer Unterstützung, den Weg weg von der Straße hinein in eine geregelte Wohn- und Lebenssituation zu finden. Eine Besonderheit ist, dass auch Plätze für Personen mit einem ungeklärten Leistungs- und Aufenthaltsstatus vorgesehen sind“, so Thomas Vielhaber, Baudezernent der Landeshauptstadt Hannover.

“Gemeinsam haben die Sozialverwaltungen der Landeshauptstadt und der Region das Konzept ‚Plan B – OK‘ entwickelt mit dem Ziel, wohnungslosen Menschen einen Weg aus ihrer Situation zu eröffnen. „Plan B – OK“ ist ganz bewusst kein Angebot, das darauf ausgelegt ist, Menschen dauerhaft aufzunehmen, sondern hat den Charakter einer Clearingstelle, die gemeinsam mit den Menschen daran arbeitet, die Situation der einzelnen dauerhaft zu verbessern und entsprechende Hilfsangebote macht. Mein Dank gilt der Landeshauptstadt, die hier in Döhren nun eine Immobilie zur Verfügung stellt, um das Konzept starten zu lassen“, sagt Dr. Andrea Hanke, Dezernentin für Soziale Infrastruktur der Region Hannover.

Finanzielle Unterstützung durch Niedergerke- und MUT-Stiftung

Die Landeshauptstadt Hannover plant für das Projekt – für die Immobilien und den Betrieb – Kosten in Höhe von rund 2,25 Millionen Euro für drei Jahre ein. Die Region Hannover finanziert das sozialpädagogische Beratungs- und Unterstützungsangebot und übernimmt einen Teil der Unterbringungskosten. Insgesamt hat die Region dafür rund 600.000 Euro für die nächsten drei Jahre eingeplant.

Zudem unterstützen die Niedergerke-Stiftung des Ehepaars Ricarda und Udo Niedergerke sowie die MUT-Stiftung des Ehepaars Maria und Uwe Thomas Carstensen das Projekt mit einer Spende von 50.000 Euro.


Die sieben Wohnungen verfügen über je drei Einzelzimmer und gemeinschaftlich zu nutzende Bäder und Küchen. - © Carl-Marcus Müller

Insgesamt sind 21 Plätze vorhanden, jede untergebrachte Person bekommt ein Einzelzimmer. - © Carl-Marcus Müller

„Hocherfreut sind wir über das bürgerschaftliche Engagement der Stadtgesellschaft, deren Spendenbereitschaft bis zur Stunde anhält und uns erst die Möglichkeit gibt, uns in dieses tolle Projekt einzubringen mit stolzen 50.000 Euro“, so Ricarda Niedergerke. Udo Niedergerke ergänzt: „Menschen, die auf der Straße leben, sind vielfältig krank, körperlich und seelisch. Deshalb ist es unverzichtbar, dass sie betreut, begleitet und beschützt werden, wie es in diesem Projekt vorbildlich geschieht. Das ist für uns Ärzte eine Herzensangelegenheit.“

„Wir freuen uns, gemeinsam mit der Stadt und der Region ein weiteres Angebot für Obdachlose zu realisieren. Damit verbinden wir die nachdrückliche Hoffnung, dass sich die prekäre Situation für Obdachlose vom Herbst 2020 nicht wiederholt, sondern von den politischen Gremien ein ganzjähriges Konzept der Unterbringung vorbereitet und umgesetzt wird: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!“, so Maria und Uwe Thomas Carstens von der MUT-Stiftung.

Ausweitung des Projektes in Planung

Perspektivisch ist eine Ausweitung auf 70 Plätze in einer größeren Immobilie geplant. Hierzu hat die Landeshauptstadt, die für die Unterbringung von Obdachlosen zuständig ist, eine geeignete Immobilie in Aussicht. Der Anmietungsprozess läuft derzeit. Das Konzept soll in einer Erprobungsphase und mit einer Laufzeit von drei Jahren in der Landeshauptstadt Hannover umgesetzt werden. Ziel ist die Umsetzung als Regelangebot für wohnungslose Menschen in der gesamten Region Hannover.

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