Log in

Stadtarchiv Hannover bekommt 16 Filminterviews der außerparlamentarischen Opposition.

Gelesen 317
(0 Stimmen)
Stadtarchiv Hannover bekommt 16 Filminterviews. Wilfred Feege Stadtarchiv Hannover bekommt 16 Filminterviews.
Stadtarchiv Hannover bekommt 16 Filminterviews der außerparlamentarischen Opposition.

2018 hat der Verein zur Förderung der politischen Kultur Hannovers e.V. ein umfangreiches Erinnerungs- und Diskussionsprojekt initiiert, um die Jahre 1967 bis 1969 in Hannover zu dokumentieren. Daraus ist unter dem Titel „Ansichten der Revolte. Hannover 1967 bis 1969“ ein Aufsatzband mit 35 Beiträgen von 26 Autoren entstanden, eine Ausstellung auf 300 Quadratmetern in der Ada- und Theodor-Lessing-Volkshochschule Hannover gezeigt und ein parallel laufendes Veranstaltungsprogramm mit Filmen, Lesungen, Theater, Vorträgen und Diskussionen auf die Beine gestellt worden. Mit einigen Zeitzeug*innen der bewegten 1968er-Jahre haben die beiden Kuratoren des Projekts, Dr. Gerd Weiberg und Dr. Wolf-Dieter Mechler, längere lebensgeschichtliche und politische Interviews geführt und professionell auf Film aufzeichnen lassen. Die insgesamt 16 Filminterviews mit 18 Zeitzeug*innen der außerparlamentarischen Opposition der Jahre 1967 – 1969 haben Weiberg und Mechler heute (29. Oktober) dem Stadtarchiv übergeben, wo sie interessierten Bürger*innen nun zur Ansicht vorliegen. Die Länge der Interviews reicht von 33 Minuten bis 2 Stunden 33 Minuten, insgesamt ist ein einzigartiger Fundus von persönlichen Zeugnissen aus dem sozialistisch-revolutionären Spektrum der Aktiven entstanden. 50 Jahre nach den Ereignissen blicken sie zurück, erinnern sich, ordnen ein, kritisieren und schauen in die Zukunft. Die Filminterviews bilden die visuelle Ergänzung zu der seit 1993 im Stadtarchiv Hannover entstandenen und seitdem kontinuierlich aufgebauten, vor allem schriftlichen Sammlung zur Außerparlamentarischen Opposition der 68er-Jahre und den politisch-sozialen Bewegungen der Folgezeit. Das Stadtarchiv verfügt damit insgesamt über einen vielschichtigen und bedeutenden Sammlungsbestand zur außerparlamentarischen Politik nach 1945.

 Die Interviewten

Hassan Araghchini, geb. 1940 in Isfahan, 1961 Studium der Geodäsie erst in Aachen, dann in Hannover. Mitglied der Förderation iranischer Studenten (CISNU), Gründungsmitglied des hannoverschen SDS im Juli 1967. 1975 Rückkehr in den Iran. Dort Arbeit als Geodät. Lebt in Teheran und Hannover.

Birgit Battmer-Holz, geb. 1949, Abitur 1967, Studium der Geschichte, Politische Wissenschaften und Germanistik der TH Hannover. Mitarbeit in der studentischen Selbstverwaltung (Fachschaftsrat Fakultät V und Kammermitglied). Aktiv in der Studentenbewegung. Mitgliedschaft erst im SHB, dann im SDS. Arbeit als Lehrerin an einem hannoverschen Gymnasium, Personalrätin. Seit 1973 Mitglied der GEW. Lebt in Hannover.

Bertram Börner, Jura-Studium in Heidelberg, Bonn und Göttingen. 1968 Zulassung als Rechtsanwalt, Fachanwalt für Strafrecht. Verteidiger von angeklagten Demonstranten in Hannover. 1976 Mitbegründer der Vereinigung Niedersächsischer Strafverteidiger, deren Vorsitzender bis 1980. 1977 Initiator des ersten bundesweiten Strafverteidigertages in Hannover, 1990 Mitbegründer des Alternativen Juristentages, 2009 Initiator des Arbeitskreises „Die Strafjustiz in Niedersachsen“. Lebt in Hannover.

Klaus-Peter Börtzler, geb. 1948, Studium der Politologie, Geschichte, Sportwissenschaft und Philosophie. Mitherausgeber des SDS-Infos. Lehrer, Personalrat und Mitglied des FC Internationale Berlin. Lebt in Berlin.

Wolfgang Borchardt, geb. 1949, Mitglied der Info-Redaktion und frei assoziertes Mitglied des hannoverschen SDS, nach dem Studium Politik und Geschichte im höheren Lehramt. Einige Jahre in der Erwachsenenbildung tätig (VHS), danach Softwareentwickler in verschiedenen Unternehmen. Lebt in Hannover.

Gerd Förch, geb. 1943, promovierter Bauingenieur und Wasserwirtschaftler, aktiv in der Studentenbewegung u.a. als AStA-Vorsitzender der TH Hannover, Senatsmitglied, VDS Landesvorsitzender. Teilnahme an mehreren Rote Punkt und Bürger Aktionen. Wissenschaftlicher Mitarbeiter an verschiedenen Instituten der TH Hannover. Diverse Lehrtätigkeiten als Gastdozent an Universitäten in Entwicklungsländern. Professur für Wasserwirtschaft an der Universität Siegen. Forschung- und Beratungstätigkeiten in Entwicklungsländern, vornehmlich in Ostafrika. Lebt in Mecklenburg.

Alfred Krovoza, geb. 1940, Sprecher des hannoverschen SDS. Hochschuldozent und Professor am Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Leibniz-Universität Hannover. Lebt in Mainz.

Egon Kuhn, geb. 1927 in Osnabrück, Ausbildung als Technischer Zeichner. Aktiv in der Bündischen Jugend und Gewerkschaftsjugend. 1958 Eintritt in die SPD. Von 1965 bis 1992 Leiter des Freizeitheims Linden, das durch ihn zu einem bundesweit bekannten Kulturzentrum und einem Versammlungsort der hannoverschen Linken und Gewerkschaften wurde. Er starb am 23. Januar 2019, drei Tage nach seinem 92. Geburtstag.






Manfred Lauermann, geb. 1947, Soziologe und Ideenhistoriker. Kader Studentenbewegung 1966-1970. Dissertation zu Hegel an der Uni Hannover 1978. Zahlreiche Hochschultätigkeiten, Schwerpunkt DFG: Spinoza politicus. DAAD Professor Brasilien. Lebt in Hannover.

Rainer Lichte, geb. 1943, promovierter Arbeits- und Betriebssoziologe, war in der hannoverschen Studentenbewegung engagiert. Hat in verschiedenen Organisationen mit Gewerkschaften und Unternehmen als Arbeitsforscher und Berater gearbeitet. Lebt in Dortmund.

Thomas Lichte, geb. 1948, Abitur 1987 und Beginn des Studiums an der TH Hannover. Eher tätig in außerparlamentarischen Zusammenhängen; zeitweise Mitglied in der SDS-INFO Kommune. Bis zur Verrentung als Lehrer und Sozialarbeiter in der STEPSchule tätig - einer sozialen Einrichtung für junge drogengefährdete Menschen. Lebt nach wie vor in Hannover.

Oskar Negt, geb. 1934 nahe Königsberg, Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen, dort 1956 Eintritt in den SDS.  Studium der Soziologie und Philosophie bei Horkheimer und Adorno in Frankfurt a.M., engagiert in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit und aktiv in der Studentenbewegung. Von 1962 bis 1970 Assistent von Habermas, 1970 Lehrstuhl für Soziologie in Hannover. 1972 maßgeblich beteiligt an der Gründung der Glockseeschule. Lebt in Hannover.

Detlef Roßmann, geb. 1946, promovierter Kulturwissenschaftler, aktiv in der Studentenbewegung. Wissenschaftlicher Assistent an der Universität Oldenburg, Betreiber eines Programmkinos, aktiv in der Filmpolitik. Lebt in Oldenburg.

Beate Schmidt, geb. 1945, politisch aktiv seit 1961, Mitgründerin des hannoverschen SDS. Schaufensterdekorateurin, Studium der freien Malerei & freien Graphik, Studium der Sozialwissenschaften. Lebt in Hannover.

Hermann Treusch, geb. 1937, leidenschaftlicher Hesse, ausgebildet in Berlin, Schauspieler und Regisseur, engagiert an vielen Staatstheatern, von 1965 bis 1969 in Hannover. Hobby: Vom Sohn verordnete Gartenarbeit. Lebt in Berlin.

Timm Ulrichs, geb. 1940 in Berlin, 1959 bis 1966 Architekturstudium in Hannover. Freier Künstler, nennt sich selbst „Totalkünstler“. 1961 gründete Ulrichs eine „Werbezentrale für Totalkunst & Banalismus“. Geprägt von Dadaismus und Konstruktivismus aktiv in verschiedenen Sujets: Fotografie, Plastik, Konkrete Poesie, Grafik, Installation, Performance, Konzeptkunst. Documenta-Teilnehmer, Einzelausstellungen u.a. in Madrid, Antwerpen und Hannover, viele Kunstwerke im öffentlichen Raum. 1972 bis 2005 Professor in Münster. Lebt in Berlin und Hannover.

Michael Vester, geb. 1939, ab 1957 aktiv in der Schüler- und Studentenbewegung, 1960/61 stellv. Bundesvorsitzender des SDS, 1961/62 Mitarbeit am Port Huron-Manifest der amerikanischen Protestbewegung, Vorsitzender des SDS Frankfurt und Redakteur der SDS-Zeitschrift „neue kritik“; Soziologe, Mitarbeiter von Peter von Oertzen, ab 1971 Professor für Politische Wissenschaft. Aktiv in sozialen Bewegungen. Lebt in Hannover.

Gerd Weiberg, geb. 1943, Maschinenschlosser und promovierter Soziologe. War aktiv an der hannoverschen Studentenbewegung beteiligt. Hat am Institut fu¨r Soziologie an der Universität Hannover und in der Niedersächsischen Staatskanzlei gearbeitet. Lebt in Berlin und Hannover.

 

Interviewer

Wolf-Dieter Mechler, geb. 1953, promovierter Politologe und Historiker. Politisiert durch die Rote-Punkt-Aktion 1969. Ehemaliger Mitarbeiter des Stadtarchivs und des Historischen Museums Hannover, 2004/05 Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte Berlin, zahlreiche Publikationen und Ausstellungen zur hannoverschen Stadtgeschichte. Lebt in Hannover.

Gerd Weiberg, geb. 1943, Maschinenschlosser und promovierter Soziologe. War aktiv an der hannoverschen Studentenbewegung beteiligt. Hat am Institut fu¨r Soziologie an der Universität Hannover und in der Niedersächsischen Staatskanzlei gearbeitet. Lebt in Berlin und Hannover.

 

Schreibe einen Kommentar