Großer Andrang im Tropenhaus des Berggartens in Herrenhausen
HANNOVER. Im Tropenhaus des Berggartens in Herrenhausen gab am gestrigen Donnerstag (02.07.) ein sehr seltenes botanisches Ereignis zu bestaunen. Zum dritten Mal kam hier eine Titanenwurz zur Blüte. Dabei handelt es sich um Nachwuchs der von Hand bestäubten Pflanze, die 2014 erstmalig im Berggarten geblüht hat. Die tropische (auf Sumatra heimische) Pflanze mit dem botanischen Namen Amorphophallus titanum bildet nur alle paar Jahre einen Blütenstand. Die größte Blume der Welt wird bis zu drei Meter hoch. Das Aufblühen einer Titanenwurz ist nur von kurzer Dauer. In der Regel öffnet der Blütenstand am Nachmittag und beginnt meist bereits am nächsten Tag zu welken. Es sollen aber auch schon Blütenstände für zwei Tage geöffnet gewesen sein. Der Blütenstand verströmt am ersten Tag einen starken Aasgeruch. Zeitgleich zur Geruchsentwicklung erhitzt sich der Spadix (Kolben) auf circa 36° Grad Celsius, was die Diffusion der Duftstoffe erleichtert. Am Naturstandort werden damit Aas-Käfer und Fliegen angelockt. Auf der Suche nach einem Eiablageplatz kriechen diese Insekten in die Tiefe des Blütenstands und führen so die Bestäubung der Pflanze durch. Die Knospe der Pflanze wird täglich gemessen – am 24. Juni ragte sie schon 122 Zentimeter in die Höhe. Ihre Vorgängerin hatte 2021 insgesamt eine Höhe von 200 Zentimeter erreicht. Der aktuelle Weltrekord einer Titanenwurz: Der wissenschaftlich dokumentierte Blütenstand erreichte am 21. Juni 2013 in den Botanischen Gärten Bonn eine Höhe von 320 cm. Anlässlich des Aufblühens der Titanenwurz hatte der Berggarten am Donnerstag eine Sonderöffnung bis 23 Uhr ermöglicht. Zahlreiche Menschen auch aus der weiteren Umgebung wollten sich das seltene Naturschauspiel nicht entgehen lassen, so dass sich am Zugang zum Tropenhaus eine lange Menschenschlange bildete.