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HANNOVER. Wir haben einmal den Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, Detlef Haffke, gebeten uns kurz einmal die derzeit gültigen Vorgehensweise und Regelungen zusammen zu fassen. Die Verfahren sind vom Robert Koch-Institut teilweise der Lage nach angepasst worden. Zur Zeit dauern die Ergebnisse bei den Testverfahren wegen der eingeschränkten Laborkapazitäten bis zu 72 Stunden. Betroffene Personen müssen sich auch bei der Erreichbarkeit des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes wegen der Überlastungen auf Wartezeiten einstellen.

Grundsätzlich gilt: Patienten mit Corona-Verdacht sollen sich telefonisch bei ihrem Hausarzt melden (in den Abendstunden und am Wochenende beim kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117). Um eine Weiterverbreitung des Virus zu verhindern, ist es wichtig, Erkrankungsfälle früh zu erkennen, sie zu isolieren und Hygienemaßnahmen konsequent einzuhalten. Möglicherweise betroffene Patienten sollen nicht ohne vorherige telefonische Absprache in die Hausarzt-​Praxis fahren.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat am 24. März 2020 seine Kriterien zur Verdachtsabklärung angepasst. Danach sollen nur Personen mit Symptomen auf das Coronavirus getestet werden, insbesondere solche, die zu einer Risikogruppe gehören.

Nach den aktuellen Kriterien  sollte eine Testung nur bei Vorliegen von Krankheitssymptomen erfolgen und zwar in diesen Fällen:

  1. Akute respiratorische (die Atmung betreffend) Symptome und Kontakt zu einer infizierten Person in den letzten 14 Tagen
  2. Klinische oder radiologische Hinweise auf eine Lungenentzündung bei Patienten in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern.
  3. Klinische oder radiologische Hinweisen auf eine virale Pneumonie ohne Hinweis auf eine andere Ursache
  4. Akute respiratorische (die Atmung betreffend) Symptome bei Risikogruppen (Alter über 60, immunsupprimiert, onkologische Behandlung etc.) oder Beschäftigten im Pflegebereich, in Arztpraxen oder Krankenhäusern

Ärzte müssen alle begründeten Verdachtsfälle an das Gesundheitsamt melden sowie alle bestätigten Infektionen.

Die letztendliche Entscheidung, ob getestet werden sollte, muss immer eine Ärztin oder ein Arzt treffen.

Falls Patienten in der Arztpraxis oder beim kassenärztlichen Bereitschaftsdienst niemanden ad hoc erreichen, sollten Patienten bitte im Moment Verständnis haben, denn der Ansturm auf die Tests ist riesig. Wenn Patienten durchkommen, werden sie gefragt, welche Symptome vorliegen und ob es Kontakt zu einem bestätigten Corona-Fall gab. Diese Frage werden die meisten Menschen mit Nein beantworten. Nur diejenigen, die Symptome haben und direkten Kontakt zu einem bestätigten Fall hatten, gelten laut Robert-Koch-Institut als begründete Verdachtsfälle. Bei allen anderen kann der Verdacht abgeklärt werden, ohne dass dieser Verdacht sofort dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet werden muss.

Regeln:

  • Der Hausarzt ist immer der erste Ansprechpartner. Wichtig ist die telefonische Anmeldung. Beschreiben Sie Ihre Symptome und Ihren Verdacht unbedingt direkt am Telefon!
  • Sollte der Hausarzt nicht erreichbar sein: Rufen Sie den kassenärztlichen Notdienst unter 116 117 an! Beschreiben Sie Ihre Symptome und Ihren Verdacht unbedingt direkt am Telefon!
  • Nur, wenn Sie schwere Symptome wie starke Luftnot oder schwere Herz-Kreislauf-Probleme haben, müssen Sie in die Notaufnahme des Krankenhauses.
  • Wichtig: Rufen Sie dann bitte in jedem Fall vorher in der Notaufnahme an und äußern Sie Ihren Verdacht.
  • Sollten Sie sich schon draußen vor der Notaufnahme befinden: Auch da vorher anrufen und Ihren Verdacht äußern und/oder klingeln und durch die Gegensprechanlage Ihren Verdacht äußern! Treten Sie nicht einfach so ein, denn so können Sie im positiven Fall andere Patienten und das Personal gefährden!
  • Müssen Sie mit einem Rettungswagen transportiert werden? Auch hier gilt: Bitte beim Anruf des Rettungsdienstes (Telefon 112) direkt den Verdacht mitteilen, denn nur so kann das Personal sich entsprechend mit Schutzkleidung vorbereiten.

Darüber hinaus gelten  folgenden Verhaltens- und Hygieneregeln für Betroffene und deren Angehörige:

  • Vermeiden Sie unnötige Kontakte und halten Sie Abstand zu anderen Menschen!
  • Bleiben Sie nach Möglichkeit zu Hause!
  • Halten Sie beim Husten und Niesen Abstand zu anderen und drehen Sie sich weg; halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase oder benutzen Sie ein Taschentuch, das Sie sofort entsorgen (Husten-und Niesetiquette)!
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife für mindestens 30 Sekunden, vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund (Händehygiene)!

 

HANNOVER. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil besuchte heute eine große Teststation in der Messehalle 13 auf dem hannoverschen Messegelände. In der Halle betreibt das DRK-Region Hannover im Auftrag der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) eines der Probeentnahmezentren für Personen mit Verdacht auf Coronavirus.

Hier werden nachmittags in einem Drive-In Verfahren Probenentnahmen direkt aus dem Auto heraus von ehrenamtlichen Einsatzkräften des Deutschen Roten Kreuzes und Ärzten der KVN durchgeführt. Insgesamt 39 weitere Testzentren sind im Land Niedersachsen aufgebaut worden. Dabei zählt das Zentrum in Hannover zu den am meisten frequentierten Entnahmestationen.

Ministerpräsident Weil dankte den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer für ihre engagierte Hilfe in diesen schwierigen Tagen. Der stellvertretende Regionsbereitschaftsleiter Christian Niemüller erläuterte Stephan Weil den Ablauf und die Vorgehensweise. Am Wochenende hatte man wieder schwerpunktmäßig auf den Einsatz von mobilen Einsatzteams zur Probenentnahme in Wohnungen gesetzt. Auch heute waren wieder 4 Teams zusätzlich zur Teststation auf dem Messegelände unterwegs.

Insgesamt 32 ehrenamtliche Einsatzkräfte aus mehreren Bereitschaften des DRK-Region Hannover befanden sich am Dienstag im Einsatz. Die Arbeit im Drive-In und bei den mobilen Teams ist für die Helfer langsam Routine geworden und der Ablauf läuft reibungslos. Insgesamt 867 Personen haben sich in der Region Hannover seit Ausbruch mit dem Coronavirus infiziert. 143 Patienten müssen derzeit in Krankenhäusern der Region behandelt werden. Dabei sind dabei 48 von ihnen auf Intensivstationen und müssen dort aufwendig versorgt werden. Die Landeshauptstadt Hannover ist mit ihren 471 Infektionsfällen ein Schwerpunkt.

Das Land Niedersachsen hat am (heutigen) Dienstag eine Teillieferung von 150.000 medizinischen Schutzmasken erhalten. Die Bestellung war am 1. März aufgegeben worden. Ursprünglich sollten es 320.000 Masken sein. Der Gesundheits-Staatssekretär Heiger Scholz erklärte in einer Presseerklärung, dass es den Bedarf aber bei weitem nicht deckt. Auf eine weitere Lieferung von 1,4 Millionen bestellter medizinischer Schutzmasken wartet das Land noch. Die Masken sind für die Notfallreserve des Landes für medizinische Einrichtungen reserviert.


Das Testzenturm auf dem Messegelände in Hannover © Bernd Günther

Ministerpräsident Stephan Weil beim Besuch im Testzentrum in der Messehalle 13 © Bernd Günther

Der stellvertretende Regionsbereitschaftsleiter Christian Niemüller erläutert Stephan Weil den Ablauf © Bernd Günther

In den einzelnen Fahrspuren werden die Proben direkt am Autofenster entnommen © Bernd Günther

Enge Zusammenarbeit zwischen den Einsatzkräften ist wichtig © Bernd Günther

Der DRK-Einsatzleiter Alan Orant koordiniert die DRK-Helfer © Bernd Günther

Jeder Helfer muss wissen, was seine Aufgaben im Testzentrum sind © Bernd Günther

Abstand halten bei der Unterweisung ist wichtig © Bernd Günther

DRK-Helfer machen sich einsatzbereit © Bernd Günther

Der Kontrollpunkt und die Einweiserinnen vom DRK an der Halleneinfahrt © Bernd Günther

Der Vorstand vom DRK Carolin Lindinger (li.) und Christian Niemüller von den Bereitschaften © Bernd Günther

Wichtige Funktionen sind mit Westen beim DRK gekennzeichnet © Bernd Günther

HANNOVER. Den etwas abgeschwächte Anstieg der Infektionszahlen in der Region zum Vortag muss man mit Vorsicht genießen. Zum einen wurden über das Wochenende weniger Testungen durchgeführt, zum anderen dauert die Auswertung zur Zeit im Bereich Hannover bis zu 72 Stunden.

+ + +  Die Region Hannover hat aktuell insgesamt 867 Menschen registriert, die sich mit dem Coronavirusinfiziert haben. Zudem hat die Region Hannover 149 Personen als genesen registriert. Basis für die ermittelte Schätzzahl der Genesenen ist das Meldedatum des Falles, wenn es länger als 14 Tage zurückliegt. Die in dieser Kategorie aufgezählten Patientinnen und Patienten sind außerdem weder in Behandlung in einem Krankenhaus noch verstorben. Diese Kriterien legen auch das Land Niedersachsen sowie das RKI an.

+ + + Leider hat es abermals einen neuen Todesfall gegeben: Eine 78-jährige Frau ist an den Folgen des Coronavirus gestorben. Damit gibt es nun 6 Corona-Todesfälle in der Region Hannover – der Altersdurchschnitt der Verstorbenen liegt bei 82 Jahren.

Verteilung nach Geschlecht:

Zum gegenwärtigen Stand sind zu rund 52 Prozent Männer betroffen, zu rund 48 Prozent Frauen.

Verteilung nach Alter:

Bis 14 Jahre: 30 Fälle

15 bis 34 Jahre: 236 Fälle

35 bis 49 Jahre: 231 Fälle

50 bis 59 Jahre: 190 Fälle

Über 60 Jahre: 174 Fälle

Keine Angaben: 6 Fälle

 

Verteilung nach Kommunen:

Barsinghausen: 22 Fälle

Burgdorf: 14 Fälle

Burgwedel: 26 Fälle

Garbsen: 32 Fälle

Gehrden: 5 Fälle

Hemmingen: 21 Fälle

Isernhagen: 26 Fälle

Laatzen: 22 Fälle

Landeshauptstadt Hannover: 471 Fälle

Langenhagen: 42 Fälle

Lehrte: 21 Fälle

Neustadt: 14 Fälle

Pattensen: 11 Fälle

Ronnenberg: 24 Fälle

Seelze: 26 Fälle

Sehnde: 10 Fälle

Springe: 16 Fälle

Uetze: 18 Fälle

Wedemark: 20 Fälle

Wennigsen: 11 Fälle

Wunstorf: 15 Fälle

+++ Derzeit werden in Krankenhäusern in der Region Hannover 143 Patientinnen und Patienten behandelt, die nachweislich oder mutmaßlich mit Corona infiziert sind. 48 befinden sich davon auf der Intensivstation.

+++ Alle Informationen rund um das Coronavirus finden Sie fortlaufend aktualisiert auf www.hannover.de/alleszucorona

 

HANNOVER. Die Corona-Pandemie löst bei vielen Menschen derzeit Sorgen und Ängste aus. Völlig normal für eine unbekannte, nie dagewesene Situation. Der professionelle Umgang mit schwierigen Situationen – wie etwa der Ausbruch einer Pandemie – steht an der Johanniter-Akademie Niedersachsen/Bremen am Campus Hannover im Lehrplan von angehenden Rettungskräften und ehrenamtlichen Helfern im Katastrophenschutz. Teil der Ausbildung ist nicht nur die medizinische Erstversorgung von Patienten, sondern auch die Berücksichtigung von verschiedenen Lebenssituationen und interkulturellen Besonderheiten sowie die jeweilige Lebensphase der zu versorgenden Personen. So lernen etwa Notfallsanitäter auch die psychische Verfassung der Betroffenen zu analysieren und die psychische Belastung aller Beteiligten in der Notfallsituation, u.a. von Feuerwehr und Polizei, einzuschätzen.

An der Johanniter-Akademie ist Psychologe B.Sc. und Notfallsanitäter Alexander Stötefalke für die Ausbildung im Bereich Notfall- & Katastrophenpsychologie verantwortlich. Zudem ist er Landeskoordinator für die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) der Johanniter im Landesverband Niedersachsen/Bremen. PSNV ist der Sammelbegriff für die psychische Akuthilfe und Einsatznachsorgearbeit und umfasst alle Aufgaben und Tätigkeiten, die mit der Betreuung und Versorgung von Menschen in akuten seelischen Notlagen oder Krisen zu tun haben.

Angesichts der aktuellen Situation gibt Alexander Stötefalke Tipps zum Umgang mit der Angst. Wie sollten wir mit ihr umgehen und was können wir alle tun, um uns auch über längere Zeit hinweg nicht entmutigen zu lassen?

„Wenn Sie sich in den letzten Wochen umgesehen haben, werden Sie jede Menge Verhaltensweisen bei ihren Mitmenschen finden, welche schlussendlich der Bewältigung dieser Angst dienen.“ Einige davon seien ganz nützlich und funktional, wie etwa intuitiv etwas mehr Abstand zu halten oder sich öfter die Hände zu desinfizieren. Andere weniger nützlich, aber weitestgehend schadlos, wie Unmengen an Toilettenpapier zu horten. „Und noch andere sind tatsächlich sogar gefährlich, wie etwa jene Menschen, die sich gegen das Gefühl von Angst und Ungewissheit stemmen, indem sie sich absichtlich nicht an Hygieneregeln oder Einschränkungen halten,“ unterstreicht Stötefalke. Auch solches Verhalten diene schlussendlich der individuellen Angstbewältigung. Wenn es schon keinen Einfluss auf die Situation gebe, dann doch wenigstens Kontrolle über die eigene Reaktion ausüben.

Angst reduzieren in fünf Schritten

Alexander Stötefalke hat verschiedene Ideen zusammengestellt, wie wir mit dieser völlig neuen Situation positiv umgehen und die Krise sogar als Chance nutzen können.

Schritt Eins – Teilen Sie ihre Angst mit anderen

Sprechen Sie mit den Menschen, denen Sie vertrauen, über ihre Sorgen und Ängste in der aktuellen Situation.  Wir Menschen sind extrem soziale Lebewesen.  Zu sehen, dass es den anderen um uns herum ähnlich geht, beruhigt uns und zeigt uns auf, dass unsere Einschätzung der Situation weder absurd noch auf eine Fehleinschätzung zurückzuführen ist.

Schritt Zwei – Werden Sie sozial aktiv

Suchen Sie sich Aktivitäten, mit denen Sie in ihrem Umfeld einen positiven Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Lage leisten können. Gehen Sie für die ältere Person in Ihrem Haus mit einkaufen! Erklären Sie anderen Menschen wie gute Händedesinfektion funktioniert oder schreiben Sie eine Liste der zehn besten Kinderspiele für die Quarantäne in ihrer Facebook-Gruppe. Positive Aktivitäten helfen gegen die eigenen Ängste, weil sie konkret etwas zur Verbesserung der Situation beitragen und sie helfen anderen Menschen dabei, deren Ängste durch soziale Unterstützung zu reduzieren.

Schritt Drei – Informieren Sie sich

Hochwertige Informationen in dosierten Mengen, helfen ein gutes Stück weiter, um Angst ab- und Handlungsfähigkeit wiederaufzubauen. Beginnen Sie ihre Informationssuche dabei immer mit einer konkreten und für Sie nützlichen Frage, etwa: “Was bedeuten Ausgehbeschränkungen für mich und meine Familie?” oder “Was genau ist ein Virus?” Informationen sind nämlich ein bisschen wie ein starkes Medikament. Zu wenig nützt Ihnen nichts, zu viel davon vergiftet: Ohne konkretes Problem sollte man es schon mal gar nicht einnehmen! Und beziehen sollte man es nur aus der qualifizierten Apotheke und nicht vom „Typen“ an der Ecke.

Schritt Vier – Aktivieren Sie positive Werte

Angst führt häufig zu Vermeidung und damit leider auch zu Ignoranz tatsächlicher Gefahren. Wir alle tun das gelegentlich, weil wir so den Eindruck haben, der Angst und den damit verbundenen unangenehmen Gefühlen aus dem Weg gehen zu können. Das ist verständlich, aber selten wirklich nützlich und führt meist zur Zunahme von Angst. Zielführender ist es, diejenigen Werte und Persönlichkeitseigenschaften zu aktivieren, die Ihnen wichtig sind und die es Ihnen ermöglichen, auch in anstrengenden Zeiten zu bestehen. Waschen Sie sich die Hände nicht, weil Sie Angst vor dem Corona-Virus haben, sondern weil Ihnen die Gesundheit ihrer Familie und ihrer Mitmenschen wichtig ist. Bleiben Sie nicht zu Hause, weil Sie Angst vor Infektion oder Strafe haben, sondern weil es Ihnen wichtig ist, dass Ihre Gemeinde diese Krise schnell überwindet. Diese Vorgehensweise motiviert und gibt auf Dauer Kraft.

Schritt Fünf – Lachen Sie!

Humor und Lachen nehmen jeder Angst den Stachel. Suchen und sehen Sie auch in der laufenden Krise das Absurde, das Komische, das Lächerliche. Die Psychologie dahinter ist simpel. Um über etwas zu lachen, müssen wir es mental umdeuten und aus etwas Mächtigem und Bedrohlichem etwas Lustiges und Komisches machen. Situationen über die Sie lachen können, sind Situationen in denen Sie die Bedeutung der Situation festlegen und verändern können. Achten Sie bitte nur darauf, dass Sie ihren Spaß nicht auf Kosten anderer haben. Lachen Sie über Corona, darüber, dass die Pizzalieferanten und Netflix vermutlich gerade das Geschäft ihres Lebens machen, lachen Sie über sich selbst, aber lachen Sie bitte nicht über die Menschen, die es aktuell hart trifft oder noch treffen wird.

HANNOVER. Das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung hat am heutigen Montag einen Aufnahmestopp für Alten- und Pflegeheime in Niedersachsen erlassen. Hintergrund ist der Fall einer Einrichtung in Wolfsburg, in der innerhalb kürzester Zeit 15 Bewohnerinnen und Bewohner an COVID-19 verstorben sind (Stand Sonntagabend). Zahlreiche weitere Heimbewohner haben sich mit dem Corona-Virus infiziert. „Die Entwicklungen lassen uns keine andere Wahl als noch härtere Bandagen anzulegen und weitere Maßnahmen anzuordnen“, sagte Gesundheitsministerin Carola Reimann vor Journalisten in Hannover.

Ausnahmen vom Aufnahmestopp gibt es nur, wenn

  1. die Einrichtung eine zweiwöchige Quarantäne der neuen Bewohnerin/des neuen Bewohners gewährleisten kann oder
  2. wenn die Neuaufnahme in einer singulären Kurzzeitpflegeeinrichtung oder Reha-Einrichtung erfolgt, die gezielt für diese Funktion hergerichtet wurde.

„Bereits zu Beginn der Ausbreitung des Virus war schnell klar, dass besonders alte und gesundheitlich beeinträchtige Menschen besonders gefährdet sind. Wir haben dem frühzeitig mit restriktiven Maßnahmen Rechnung getragen“, erläuterte Ministerin Reimann.

Am 10. März war ein Betretungsverbot unter anderem für Alten- und Pflegeheime ausgesprochen worden für Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Am 16. März wurde das Besuchs- und Betretungsverbot auf alle einrichtungsfremden Personen ausgeweitet. Parallel hierzu wurden fortlaufend die Spitzenverbände der Heimbetreiber darüber unterrichtet, wie der Schutz sowohl von Bewohnerinnen und Bewohnern als von auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu gewährleisten ist. Reimann: „Doch trotz aller Beschränkungen, Bitten und Auflagen haben uns leider zahlreiche Hinweise erreicht, dass das Besuchs- und Betretungsverbot nicht überall befolgt wurde.“

Als besonders unverantwortlich bezeichnete die Ministerin die mehrfach berichtete Praxis, wonach Familienangehörige mit Heimbewohnern die Einrichtung verließen, um gemeinsam mit ihnen im Kreis der Familie Zeit zu verbringen. Dabei setzten sie ihre Angehörigen einer erheblichen Infektionsgefahr aus.

„Auch wenn es schwer ist für die Angehörigen, bitte besuchen Sie Ihre Lieben nicht! Damit schützen Sie nicht nur Ihre eigene Mutter und Ihren eigenen Vater, sondern Alle – auch die anderen Bewohnerinnen und Bewohner der Einrichtung und nicht zuletzt auch die dort tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, appellierte Ministerin Reimann an die Bevölkerung. „Die Einschränkung von sozialen Kontakten, Besuchsverbote und die konsequente und frühzeitig Isolierung von Erkrankten ist das einzige Mittel, was uns derzeit im Kampf gegen Corona zur Verfügung steht. Solang es keine Therapie, keine Impfung gibt, hilft nur Distanz.“

Das Gesundheitsministerium wird den entsprechenden Erlass noch im Laufe des Montags den Landkreisen, kreisfreien Städten und der Region Hannover übermitteln

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