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"Mumien der Welt" vom 12.02 bis 28.08 2016 im Roemer-und Pelizaeusmuseum in Hildesheim

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"Mumien der Welt" vom 12.02 bis 28.08 2016 im Roemer-und Pelizaeusmuseum in Hildesheim Südamerikanische Mumie (C) Univerisät Göttingen / K.Pietzner
"Mumien der Welt" vom 12.02 bis 28.08 2016 im Roemer-und Pelizaeusmuseum in Hildesheim

Vier Mumien aus Südamerika, Ägypten und von der Insel Teneriffa haben am 09.12.2015 neue Erkenntnisse gebracht, die die kommenden Sonderausstellung „Mumien der Welt“ im Roemer- und Pelizaeus-Museum vom 12.02. bis 28.08.2016 präsentieren wird.

Eine so genannte Guanchen-Mumie von der Insel Teneriffa gab besonders spannende Geheimnisse preis: Die Mumie aus der Anthropologischen Sammlung der Universität Göttingen gehört zu nur wenigen weltweit bekannten Mumien der Guanchen-Kultur. Diese Kultur existierte ca. vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis zum frühen 16. Jahrhundert n. Chr. auf den Kanarischen Inseln und wurde speziell auf Teneriffa „Guanchen“ genannt. Bisher vermuteten die Wissenschaftler, dass es sich bei der Göttinger Mumie um eine ältere Frau handelt, die ursprünglich in ein Ziegenleder eingewickelt war, das jedoch bereits um 1803 an der Göttinger Universität zu Untersuchungszwecken geöffnet wurde. Die ausgestreckt liegende Mumie weist im Bauchbereich eine größere Öffnung auf, deren Ursprung und Zweck bisher nicht geklärt werden konnte. Es ist bekannt, dass es in der Guanchen-Kultur gebräuchlich war, Leichen durch Mumifizierung zu konservieren und in Grabhöhlen zu bewahren, wo sie von den Angehörigen besucht werden konnten. Dieses wurde allerdings nur bei der Oberschicht praktiziert. Darüber hinaus wurden die Menschen aufgrund ihrer Ernährung durchschnittlich nur 30 bis 40 Jahre alt und ihre Skelette weisen in vielen Fällen Knochendefekte auf. Das Skelett der heute untersuchten Mumie weist jedoch keinerlei Spuren von Verletzungen auf, so dass ein Tod z.B. durch einen Unfall ausgeschlossen werden kann. Bei der heutigen CT-Untersuchung konnte bestätigt werden, dass es sich hier um eine Frau von ca. 50 bis 60 Jahren handelte. Zudem zeigten sich Spuren von inneren Organen, die bei dieser Art der Mumifizierung im Körper belassen worden waren. Aufgrund all dieser Erkenntnisse scheint es sicher, dass es sich bei dieser Mumie um eine Frau aus der Oberschicht handelt. 

Um den Zeitraum, in dem die Frau lebte, weiter einzugrenzen, wird am Montag, 14.12.2015, ab 10.00 Uhr im Roemer- und Pelizaeus-Museum eine Gewebeprobe für eine so genannte Radio-Carbon-Untersuchung entnommen. Die Ergebnisse werden voraussichtlich in einigen Wochen vorliegen.  

Die Untersuchung einer weiteren Mumie aus der Anthropologischen Sammlung der Universität Göttingen erbrachte zunächst keine weiteren Ergebnisse. Es zeigte sich lediglich, dass das Gehirn erstaunlich gut erhalten ist und nachträglich eine Stabilisierungshalterung angebracht wurde. Bei der in Hockerstellung mit angezogenen Armen und Beinen sitzenden und mit einer Art Leinensack umwickelten Mumie handelt es sich wohl ebenfalls um eine Frau aus Südamerika bzw. Peru. Die heute erstellten CT-Bilder werden deshalb in Zusammenarbeit mit Medizinern detailliert ausgewertet, um neue Erkenntnisse zu gewinnen.

Der Kopf einer ägyptischen Mumie eines hohen Beamten namens Idu aus dem Alten Reich (6. Dynastie, um 2.200 v. Chr.) aus den Sammlungen des Roemer- und Pelizaeus-Museums wurde ebenfalls einer CT-Untersuchung unterzogen, um eine Gesichtsrekonstruktion zu ermöglichen, die in der Sonderausstellung präsentiert werden soll. Kopf und Körper (bereits getrennt) sowie ein Zedernholzsarg und diverse Grabbeigaben wurden in einem Grab auf dem Westfriedhof bei Gizeh gefunden und gelangten 1914 durch Fundteilung nach Hildesheim. Der Körper war ursprünglich mumifiziert, ist heute jedoch weitestgehend skelettiert. Der Kopf ist vollständig mit Balsamierungssubstanzen und Leinenresten bedeckt. 1998 wurde an dieser Mumie zum ersten Mal eine Balsamierung mit Harzen nachgewiesen, so dass es sich hier um die weltweit älteste ägyptische Mumie handelt, die in dieser Form mumifiziert wurde. Da wir über diese Mumie bereits sehr viel wissen und die vollständige Grabausstattung erhalten ist, soll die Gesichtsrekonstruktion als letztes Mosaikteil die Biographie des Idu vervollständigen und den Besuchern der Sonderausstellung die Lebensgeschichte dieses Mannes erzählen. 

Bei der letzten heute untersuchten Mumie aus den Sammlungen des RPM handelte es sich ebenfalls um eine so genannte „Hockermumie“ aus Peru, die vollständig in ein sackartiges Gewebe eingehüllt ist. Auch hier konnten jedoch noch keine neuen Erkenntnisse gewonnen werden, so dass weitere Auswertungen der CT-Bilder erfolgen werden. 

Die Sonderausstellung "Mumien der Welt", die größte jemals in Deutschland gezeigte Mumienausstellung, gibt vom 12.02. bis 28.08.2016 einen Einblick in die weltweite Praxis der Konservierung Verstorbener - vom Totenkult der alten Ägypter über Moorleichen und südamerikanische Mumienbündel bis hin zum asiatischen Phänomen der Selbstmumifizierung.

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