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SICHER.THEATER.ERLEBEN - Eine deutschlandweite Kampagne #füreuchfüruns

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Auch die Freilichtbühne Polle an der Poller Burg ist von den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie betroffen -Luftbild © Ulrich Stamm Auch die Freilichtbühne Polle an der Poller Burg ist von den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie betroffen -Luftbild © Ulrich Stamm

HAMM/POLLE.  Unter dem Motto SICHER.THEATER.ERLEBEN  startet der Verband Deutscher Freilichtbühnen e.V. (VDF) eine deutschlandweite Kampagne. In Verbindung mit dem Hashtag #füreuchfüruns  macht er auf die momentanen Zustände an den Amateurfreilichtbühnen aufmerksam.

 

Auch die Freilichtbühne Polle an der Poller Burg ist von den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie betroffen -Luftbild © Ulrich Stamm

 

Mit dem erneuten Lockdown im Dezember mussten die Freilichtbühnen alle Vorbereitungen für ihre Sommersaison 2021 zurückstellen. Seit diesem Zeitpunkt warten die Verantwortlichen auf eine politische Entscheidung, ob und wann Proben für die Theaterstücke wieder möglich sind. Bereits seit letztem Jahr liegen nicht nur für die Besucher der Freilichtbühnenveranstaltungen, sondern auch für die Aktiven bei den Proben entsprechende Hygienekonzepte an den Bühnen vor. Vielerorts dürfen diese jedoch an den VDF-Bühnen nicht umgesetzt werden, obwohl die Proben ab März/April im Freien durchgeführt werden.

 

Stattdessen werden den Amateuren die jeweils im privaten Bereich gültigen Haushalts-Regelungen oder Abstände der Schauspieler von bis zu sechs Metern auf der Spielfläche vorgeschrieben. Beides lässt sich schlecht oder gar nicht umsetzen. Bei Outdoor-Proben wäre jedoch mit einer Ansammlung von Aerosolen bei Einhaltung der allgemein vorgeschriebenen Abstands- und Hygieneregelungen nicht zu rechnen.

Das Märchen von Aschenputtel konnte coronabedingt schon im Jahr 2020 nicht mehr auf der Freilichtbühne Polle aufgeführt werden © Ulrich Stamm

 

SICHER.THEATER.ERLEBEN  soll auf die zum Teil prekäre Situation der Freilichtbühnen aufmerksam machen. In Form eines kurzen Videos melden sich Vertreter von acht Freilichtbühnen sowie Präsident und Vizepräsident des Verbandes, Wolfgang Schiffelholz und Heribert Knecht, zu Wort. Das Video wird über die Webseite des Verbandes und die sozialen Medien verbreitet.

 

Durch die Covid-19-Pandemie und die daraus resultierenden Maßnahmen mussten bereits im Jahr 2020 alle Proben und Saisonvorbereitungen ab März eingestellt werden. Dies hatte zur Folge, dass im vergangenen Jahr so gut wie keines der ursprünglich geplanten Stücke aufgeführt werden konnte. Trotz teilweise verhältnismäßig geringfügiger Fördermittel des Bundes und der Länder waren die Freilichtbühnen des VDF darauf angewiesen, die Rücklagen für notwendige Instandhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen für die anfallenden Fixkosten aufzulösen. Alle für 2020 geplanten Stücke wurden vorerst auf das Jahr 2021 verschoben.

 

Letztendlich können diese Stücke aufgrund der Ensemblegröße von bis zu 100 Personen auch in diesem Sommer nicht aufgeführt werden, wenn keine Proben möglich sind. Gänzlich neue Konzepte müssen erarbeitet werden.

Viele Amateurtheater zeigen ihre Produktionen in geschlossenen Räumen (Saaltheater). In der Regel beginnt deren Saison im Herbst. Sie könn(t)en eigentlich hier ganzjährig spielen. Den Freilichtbühnen bleiben aber nur die wenigen Sommermonate, also von Mai bis September, um ihre Inszenierungen dem Publikum zu präsentieren.

 

Sollten die Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung den Verbandsbühnen im Laufe des März keine Lockerungen für die Proben in Aussicht stellen, wird an den Freilichtbühnen erneut keine Theatersaison stattfinden können. Im Amateurtheaterbereich spielt der Zeitfaktor eine große Rolle. Fast alle Mitglieder an den Bühnen gehen ihrem kulturellen Engagement neben dem Beruf nach. Anders als im Profibereich können die Proben und Vorbereitungen nicht in sechs Wochen durchgeführt werden.

 

Also nochmal: Spätestens Anfang April müssen die Bühnenvereine (Vorstände und Mitglieder) wissen, woran sie sind. Ansonsten kann eine Saison zeitlich nicht vorbereitet, geprobt und anschließend mit Qualität durchgeführt werden.

Das Märchen von Aschenputtel konnte coronabedingt schon im Jahr 2020 nicht mehr auf der Freilichtbühne Polle aufgeführt werden © Ulrich Stamm

 

Infos zum Verband Deutscher Freilichtbühnen e.V.

Im Oktober 1974 schlossen sich die beiden weiterhin eigenständigen Regionalverbände Nord und Süd der Freilichtbühnen, die sehr eng zusammenarbeiten, in Horn-Bad Meinberg zum Bundesverband „Verband Deutscher Freilichtbühnen e.V.“ zusammen. Das Gründungsmotto „Gemeinsam sind wir stärker“ ist heute genauso aktuell, wie vor fast fünfzig Jahren. Der Bundesverband zählt mittlerweile insgesamt 89 Amateurfreilichttheater aus sieben Bundesländern zu seinen Mitgliedern (Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Saarland, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern).

 

Jährlich bringen die Mitgliedsbühnen etwa 1.500 Vorstellungen auf die Bühne, die von rund 1 Million Zuschauern besucht werden, was ein Gesamteinnahmevolumen von 15 Millionen Euro bedeutet. Nebeneinnahmen aus den Bereichen Merchandising oder Bewirtung sind dabei noch nicht eingerechnet.

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