HANNOVER. Die Stolpersteine für Kurt Schwitters und seinen Sohn haben Gesellschaft bekommen. Heute Vormittag (30. Juni) wurde vor dem Haus Waldhausenstraße 5 ein weiterer dieser goldglänzenden Gedenksteine im Gehwegpflaster versenkt. Er erinnert an Hedwig Mahlstedt, geb. Bodenheim.
Hedwig wurde am 9. Juli 1876 in Hannover als Tochter des jüdischen Fabrikanten Benjamin Bodenstein geboren. Sie heiratete später den aus einer nichtjüdischen Familie stammenden Karl Mahlstedt. Im April 1837 zog das Ehepaar in eine Wohnung im Erdgeschoss einer Villa in Waldhausen ein. Das Gebäude gehörte der Mutter des bekannten Künstlers Kurt Schwitters. Hier in der Waldhausenstraße Nummer 5 hatte Schwitters seinen ersten „Merz-Bau“ – eine raumfüllende begehbare Plastik – erschaffen. Weil die Nazis seine Kunst als „entartet“ einstuften, war er schon im Januar 1937 nach Norwegen emigriert. Hedwig Mahlstedt und Kurt Schwitters dürften sich also wohl nicht mehr begegnet sein.
In der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 1943 zerstörten Bomben die Schwittersvilla in Waldhausen. Das Ehepaar Mahlstedt wurde obdachlos. „Als wir beiden da saßen“, schrieb später Hedwig Mahlstedt, „unter einem großen Tür- oder Fensterrahmen, Carls Kopf auf meinen Schoß und rings herum alles kochte, bebte, zischte und brannte, haben wir gebetet, sofort getötet zu werden, aber nicht lebendig verschüttet oder langsam verbrannt.“ Das Ehepaar überlebte den Bombenangriff, doch Karl Mahlstedt war schwer erkrankt. Als er im Dezember 1943 starb, verlor Hedwig den Schutz ihrer „Mischehe“. Auf bislang unbekannten Weg wurde Hedwig Mahlstedt zuerst in ein „Judenhaus“ nach Berlin gebracht und am 5. September 1944 dann nach Theresienstadt deportiert. Wenigen Wochen später starb sie dort am 5. November 1944.
Initiiert hatte den neuen Stolperstein Uwe Plaß, ein Ortspolitiker (Ortsbürgermeister) aus Melle und dort auch in der Heimatforschung tätig. Bei seiner Recherche über Verwandte der Bodensteins stieß er auf Hedwig Mahlstedt und seine Spur führte nach Hannover-Waldhausen.
Bevor zum Abschluss der kleinen Feierstunde Blumen am neuen Stolperstein für Hedwig Mahlstedt niedergelegt wurde, betonte Bezirksbürgermeister Willi Lindenberg, die Bedeutung der Stolpersteine. „Sie sind wichtige Erinnerungen an die damalige schreckliche Zeit“, sagte er.