HANNOVER. Das Ereignis lockte viele Menschen am heutigen Mittwochabend (13. Mai) in die Fotogalerie GAF in der Eisfabrik an der Südstädter Seilerstraße. Dichtes Gedränge herrschte in dem Raum und wer sich kurz vor den offiziellen Reden noch schnell einmal die Fotos an der Wand anschauen wollte, hatte so Probleme, zwischen all den vielen Menschen an die Bilderrahmen heranzukommen. Unter dem Titel »Menschenbilder | Zeitgeschichte. Der Fotograf Joachim Giesel« wird jetzt bis 14. Juni in der GAF das Lebenswerk des hannoverschen Fotografen vorgestellt.
Petar Beres begrüßte für die GAF die zahlreichen Besucher zur Vernissage. „Joachim Giesel ist ein Urgestein der hannoverschen Fotoszene!“ betonte er. Die eigentliche Laudatio hielt aber die Kunsthistorikerin und Enkeltochter Rickie Lynne Giesel. Sie betreut das äußerst umfangreiche „Joachim Giesel Archiv“ und hat zusammen mit Prof. Martin Schieder (Universität Leipzig) und 14 Studentinnen und Studenten des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Leipzig diese Ausstellung konzipiert.
„Seit über fünfzig Jahren hält der hannoversche Fotograf Joachim Giesel (*1940 in Breslau) mit seinen Dokumentationen, Serien, Porträts und Werbeaufnahmen die politische, soziale, ökonomische und kulturelle Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland fest. In ihren historischen Zäsuren und sozialen Transformationen. In ihrem Wohlstand und in ihrer Spießigkeit. In ihrer Schönheit und Diversität“, heißt es in der Ankündigung zur Vernissage. Und weiter: „Im Mittelpunkt steht dabei stets der Mensch. Giesel begleitet Queen Elisabeth II. 1965 bei ihrem Besuch in Hannover, mischt sich 1967 unter die Trauergäste der Beerdigung von Benno Ohnesorg, ist 1974 bei dem legendären Fußballspiel zwischen der DDR und Brasilien im Niedersachsenstadion dabei, schafft eine Kanzlergalerie von Konrad Adenauer bis Helmut Kohl, fotografiert eine Serie mit psychisch kranken Menschen, inszeniert bestechende Porträts von Franz Beckenbauer bis Udo Jürgens, von Max Frisch bis Doris Dörrie, von Louis Armstrong bis Rudolf Augstein. In der Tradition eines August Sanders stehend, geben seine Fotografien uns heute generationsübergreifend faszinierende Einblicke in die westdeutsche Gesellschaft zwischen Plattenbau und Einfamilienhaus, zwischen Fließbandarbeitern und Drag Queens, zwischen Schwanensee und FKK. Sie sind somit Zeitdokumente deutscher Geschichte. Indem Giesel nach dem »Bild hinter dem Bild« sucht, faszinieren seine Menschenbilder zugleich durch ihre ästhetische Vielfalt, technische Brillanz und unverwechselbare Präsenz und machen den Fotografen zu einer bedeutenden Figur der deutschen Fotogeschichte nach 1945.“
Joachim Giesel wurde aber nicht nur hinter der Kamera in Sachen Fotografie tätig. Er engagierte sich in verschiedenen Funktionen als Kurator, Lehrer, Publizist und Funktionär für die Verbreitung der Fotografie in der Bundesrepublik und nahm bisher an über 75 Ausstellungen im In- und Ausland teil. Für Hannover besonders bedeutsam: Giesel gründete im Jahr 1972 mit einigen befreundeten Fotografinnen und Fotografen in der Leinemetropole die „spectrum Photogalerie“, eine der ersten Fotogalerien Europas, welche annähernd 100 Ausstellungen realisierte.
Zu dieser Retrospektive von Giesels Œuvre werden Führungen angeboten und es besteht zudem die Möglichkeit, mit dem Künstler selbst ins Gespräch zu kommen. Die Termine:
Öffentliche Führungen
Do-So 11 und 18 Uhr (ohne Voranmeldung)
Gruppenführungen
für 1- 20 Personen (mit Voranmeldung: office@gieselarchiv.de)
Meet the artist
Jeden Samstag von 15-17 Uhr wird der Fotograf Joachim Giesel persönlich in der Ausstellung anwesend sein und freut sich auf Ihre Fragen.
Künstlergespräch
Donnerstag, 4. Juni, 19 Uhr: Podiumsgespräch mit Joachim Giesel
Zu dieser Retrospektive wird Giesels Œuvre
Lange Nacht der Museen
Sonnabend, 6. Juni, 18-23 Uhr: verlängerte Öffnungszeiten
18 Uhr: Führung durch die Ausstellung
19 Uhr: Führung im Dialog mit Joachim Giesel
20 Uhr: Meet and Greet mit dem Fotografen Joachim Giesel bei einem Getränk
Petar Beres begrüßt die zahlreichen Besucher der Vernissage