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Arbeitskreises Wirtschaft besuchten Laatzener Firma Aventics

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Arbeitskreises Wirtschaft besuchten Laatzener Firma Aventics Ausgewählte Aventics-Produkte in Miniatur werden in der Eingangshalle der Firma ausgestellt. Die Abgeordneten trafen sich mit der Geschäftsführung und dem Betriebsrat (v.l.): Ronald Schminke, Sabine Tippelt, Betriebsratsvorsitzender Michael Brozy, Dr. Gab

Unternehmen ist stolz auf seine Produkte, der Betriebsrat macht sich Sorgen

LAATZEN / HANNOVER. 2000 Mitarbeiter, rund 20.000 Produkte und ein Vertrieb, der 90 Länder umfasst – die Firma Aventics ist eines der größten Unternehmen in Laatzen. Um sich über die Firma zu informieren, haben Abgeordnete des Arbeitskreises Wirtschaft der SPD-Landtagsfraktion die Firma an der Ulmer Straße heute (Dienstag) auf Einladung der örtlichen SPD-Landtagsabgeordneten Dr. Silke Lesemann besucht.  „It’s that easy“ – auf Deutsch: So leicht ist das – lautet das Motto der Firma, die Pneumatikprodukte entwickelt und herstellt und rund 700 Mitarbeiter am Standort Laatzen beschäftigt. Das Unternehmen hat eine lange Firmengeschichte, die bis ins Jahr 1869 zurückreicht, erläuterte Dr. Thomas Brückner, der Chief Operating Officer, den Landtagsabgeordneten. Nach mehreren Fusionen und Umfirmierungen wurde die Pneumatikabteilung der Bosch Rexroth AG im Jahr 2013 von der Beteiligungsgesellschaft Triton herausgekauft und firmiert seit 2014 unter dem jetzigen Namen Aventics. Auf die Produkte, die Lösungen von der Medizintechnik bis hin zur Automobilindustrie umfasst, sei man sehr stolz. So fertige man Teile für die größten Lackieranlagen in der Autoindustrie. Und das bereits in der achten Generation“, betonte Brückner. 

Berge eine solche Diversifikation mit vielen verschiedenen Produkten nicht die Gefahr, sich zu verzetteln – und ob es nicht sinnvoller sei, sich auf die Herstellung einiger weniger Produkte zu konzentrieren, wollte Lesemann wissen. Die Diversifizierung sei eine wichtige Unternehmensstrategie, die die Firma in Zeiten von Umsatzflauten in einzelnen Bereichen der Wirtschaft  stütze. „Derzeit ist der Ölpreis viel zu niedrig, wodurch dieser Bereich schwächelt, was aber von anderen Bereichen aufgefangen wird, in denen es gut läuft“, erklärte Brückner.

Ob die Firma und deren leistungsstarke Entwicklungsabteilung am Standort unter einem Fachkräftemangel leidet, wollten die Landtagsabgeordneten wissen. Ingenieure und IT-Spezialisten seien stark nachgefragt, sie könnten sich ihren Arbeitgeber derzeit aussuchen, erläuterte Yvonne Comolli, die Leiterin der Personalabteilung. Deshalb sei es wichtig, dass sich die Region Hannover weiterhin attraktiv entwickle. „Potenzielle Mitarbeiter entscheiden sich nicht nur für eine Firma, sondern vielmehr für eine Stadt oder eine Region“, so Comolli. Sehr gut laufe es bei der Einstellung von Auszubildenden. Aventics bilde im kaufmännischen und technischen Bereich aus und habe wegen der hohen Bewerberzahlen „die Qual der Wahl“. Eine Herausforderung sei die Digitalisierung, Stichwort Industrie 4.0. Hier begleite Aventics die Digitalisierungsoffensive des Niedersächsischen Wirtschaftsministeriums.

Im Anschluss trafen sich die Abgeordneten mit dem Betriebsrat der Firma. Dessen Vorsitzender, Michael Brozy, macht sich Sorgen. Obwohl die Firma finanziell „kerngesund“ sei, befürchtet Brozy die weitere Verlagerung der Produktion nach Ungarn, wo die Firma bereits fertigen lässt und 500 Mitarbeiter beschäftigt. Für die Triton-Finanzinvestoren seien die Arbeitnehmer ein reiner Kostenfaktor, kritisierte Brozy. Ein ungarischer Arbeitnehmer in der Produktion koste weniger als ein Drittel im Vergleich mit einem deutschen Arbeitnehmer – da könne man einfach nicht mithalten. „Wir sind der Unternehmensleitung bereits entgegen gekommen und haben beim Gehalt auf einen Betrag im zweistelligen Prozentbereich verzichtet. Dies galt für die von der Verlagerung bedrohten Bereiche“, erklärte Brozy. Derzeit arbeite der Betriebsrat daran, einen europäischen Betriebsrat zu gründen, der die Mitarbeiter aller europäischen Standorte vertreten könnte. Eine Standortsicherung für das Unternehmen gebe es lediglich bis zum Jahr 2019. Der Betriebsratsvorsitzende kritisierte, dass die Geschäftsführung bisher kein Zukunftskonzept für den Standort und speziell für die Produktion vorgelegt habe.

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