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Langenhagener Feuerwehren sind gut auf Flächenbrände vorbereitet

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Übungseinsatz zu einem Flächenbrand auf einem Stoppelfeld © Carl-Marcus Müller Übungseinsatz zu einem Flächenbrand auf einem Stoppelfeld

LANGENHAGEN. Gestern, Dienstag 30.07.2019 – 18.00 Uhr, noch gut erträgliche 25 Grad, jeder von uns freut sich auf seinen Feierabend. Bei diesem schönen Sommerwetter ab zu einem Badesee, an den Strand, Füße hoch und nur noch genießen.

Und dann passiert es: Rauchwolken über einem nahe gelegenen Getreide- oder Stoppelfeld. Feuer !

Gut wenn man dann die 112 anrufen kann und die Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr dann schnell zur Stelle sind um zu löschen oder zu helfen. Aufatmen !

Was viele nicht Wissen: Fast alle dieser Feuerwehrleute, männlich wie weiblich, sind ehrenamtlich tätig. Sie kommen direkt von ihrem Arbeitsplatz oder aus ihrem Feierabend zum Einsatz geeilt. Jeder Handgriff muss sitzen, alles muss reibungslos ablaufen. Und das muss natürlich alles geübt werden und wann wird das wohl gemacht? Natürlich auch in ihrer Freizeit.

Unter dem Thema „Vegetationsbrand“, z.B. Feuer auf einem Getreide- oder Stoppelfeld, hatte Ortsbrandmeister Kai Jüttner aus Krähenwinkel am gestrigen Dienstag zu einem Sonder-Übungsabend eingeladen.

Auch ich hatte hier gestern spontan und unangemeldet die Möglichkeit einmal direkt dabei zu sein und über viele tatkräftige Schultern zu schauen. Und……. ich war beeindruckt.

Mehr als fünfzig (!) ehrenamtliche Feuerwehrleute aus Langenhagen, Krähenwinkel und Kaltenweide sind der Einladung des Krähenwinkeler Ortsbrandmeisters gefolgt. Mit 8 Fahrzeugen, einer Drehleiter und den Leitungsfahrzeugen kam eine wirklich beachtliche Truppe zusammen.

Zu Beginn der Übung erfolgte im Feuerwehrhaus Krähenwinkel ein umfangreicher Theorieteil. An erster Stelle stand hier der Eigenschutz. Angefangen bei der zu tragenden Schutzausrüstung bis hin zu einer möglichen Hitzeerschöpfung und deren Ursachen gibt es bei diesen nicht ungefährlichen Einsätzen viel mehr Dinge zu beachten, wie mir bisher selbst bewusst war. Fortfolgend wurde dann noch auf die unterschiedlichen Brände, deren Entstehungsmöglichkeiten und die Vorgehensweisen zur Brandbekämpfung eingegangen.

Dann ging es in den Praxisteil. Hier sollten die unterschiedlichen Brandbekämpfungsmöglichkeiten einmal selbst ausprobiert werden können.

Etwas außerhalb von Kaltenweide hatte der Landwirt Edgar Schmidt-Nordmeier sein Stoppelfeld für diese umfangreiche Übung zur Verfügung gestellt. Im Gespräch erläuterte er: „Normalerweise liegt die durchschnittliche Getreidefeuchte bei ca. 14-16%. Derzeit, aufgrund der heißen und trockenen Witterung, ist diese Feuchtigkeit im Getreide teils auf 7% zurückgegangen. Da ist die Brandgefahr schon deutlich höher wie normalerweise.“

Nach einer kurzen Einweisung auf dem Feld schlüpften die Ehrenamtlichen in ihre Schutzkleidung. Bestimmt kein Vergnügen bei diesem Wetter, aber Sicherheit geht vor.


Treffen zum Sonder-Übungsabend in der Feuerwache Krähenwinkel © Carl-Marcus Müller

Vorbesprechung des praktischen Übungseinsatzes auf einem Stoppelfeld © Carl-Marcus Müller

Das Feuer wird gelegt © Carl-Marcus Müller

Landwirt Edgar Schmidt-Nordmeier unterstützt die Feuerwehr und zieht Schneisen mit einer Scheibenegge um die Ausbreitung des Feuers zu verhindern © Carl-Marcus Müller

Die Ausbreitung des Feuers wird beobachtet. © Carl-Marcus Müller

Einsatzvorbereitung mit entsprechender Schutzkleidung © Carl-Marcus Müller

Feuerpatschen und Schaufeln kommen zum Einsatz © Carl-Marcus Müller

Neben der Brandbekämpfung wird die Umgebung beobachtet um Gefahren für die Einsatzkräfte zu vermeiden © Carl-Marcus Müller

Es wird an mehreren Spots auf dem Feld geübt. © Carl-Marcus Müller

„Pump and Roll“ – während der langsamen Fahrt wird entlang der Feuerschneise gelöscht © Carl-Marcus Müller

Strahlrohreinsatz vom Löschfahrzeug aus © Carl-Marcus Müller

Unterschiedliche Brandbekämpfungsmethoden konnten gleichzeitig ausprobiert und geübt werden © Carl-Marcus Müller

Strahlrohreinsatz unter Anleitung © Carl-Marcus Müller

Verschiedene Übungsspots waren über das Feld verteilt © Carl-Marcus Müller

Gemeinsame Bekämpfung mit unterschiedlichen Methoden © Carl-Marcus Müller

Zum Ende hin dann ein fast anmutig erscheinendes Bild eines gemeinsamen Übungsabends © Carl-Marcus Müller

Übungsende – einräumen – durchgeschwitzt – ausgepowert © Carl-Marcus Müller

Keine richtige Übung ohne richtiges Feuer!

Das besagte Stoppelfeld wurde nun mit einem Brenner an verschiedenen Stellen angezündet. So gab es mehrere Spots um die verschiedenen Arten der Brandbekämpfung auszuprobieren und zu üben. Um ein unkontrolliertes Übergreifen des Feuers auf die Umgebung zu verhindern wurde durch den Landwirt Schmidt-Nordmeier mit einem Traktor und einer dahinter befindlichen Scheibenegge eine ca. 4 Meter breite Schneise rings um das Übungsgebiet gezogen.

Was macht einen Flächenbrand eigentlich so gefährlich?

Vegetationsbrände werden insbesondere von drei Faktoren beeinflusst. Die Eigenschaften der Vegetation, das Wetter und das Gelände. Da wir hier vor Ort eher nur flächige Brände auf den Feldern haben wurden die unterschiedlichen Einsatztaktiken für diese Brandbekämpfung entsprechend ausprobiert. Dazu gehören neben der einfachen Feuerpatsche und einer Schaufel auch der Einsatz mit einem Strahlrohr. Besonders wichtig ist bei diesen Einsätzen das Personal, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht zu verheizen. Es wurde untereinander getauscht und pausiert. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist bei derartigen Einsätzen unabdingbar.

Besonders interessant war es dabei einmal live zu sehen wie schnell sich so ein entzündetes Feuer tatsächlich ausbreitet. Gestern war es nun relativ windstill, trotzdem entwickelte sich die Flammenfront teils mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit.

Ortsbrandmeister Jüttner erklärte dazu: „Bei auftretenden Windböen kann sich eine Feuerfront durchaus mit 20 Metern pro Sekunde ausbreiten. Umso wichtiger ist es daher unsere Kameradinnen und Kameraden theoretisch und auch praktisch auf diese Situationen vorzubereiten und die richtige Vorgehensweise zu trainieren. In der Realität werden diese Einsätze oftmals von einer Vielzahl von Landwirten unterstützt. Sie ziehen dann Schneisen in das Getreidefeld, wodurch das Feuer schneller zum Erliegen kommt. Ohne diesen Einsatz von landwirtschaftlichen Geräten lassen sich solche Brände nur schwer beherrschen.“

Unter praktischer Anleitung der „alten Hasen“ konnte nun jeder der Feuerwehrleute einmal selbst ausprobieren und erfahren worauf es bei der jeweiligen Brandbekämpfungsmethode ankommt. Insbesondere wurde auch die Vorgehensweise des „Pump and Roll“ ausprobiert.

Als „Pump and Roll“ wird das Löschen während der langsamen Fahrt bezeichnet. Hierbei wird der Schlauch ca. 5 m abgerollt und von zwei Feuerwehrleuten geführt. Mit laufender Pumpe fährt das Tanklöschfahrzeug mit Schrittgeschwindigkeit im „schwarzen Bereich“, so wird der bereits verbrannte Bereich bezeichnet, am Feuersaum entlang, dabei wird dann dieser Bereich gelöscht. Dieses gleichzeitige Pumpen und Fahren ist nicht mit allen Feuerwehrfahrzeugen technisch möglich, viele Fahrzeuge können entweder nur fahren oder nur die Fahrzeugpumpe betreiben. Jüttner dazu. „Allein die Fahrt auf einem Feld kann mit unserem schweren Gerät schon zu einer Herausforderung für die Fahrer werden. Das ist etwas ganz anderes wie auf einer befestigten Straße. Gut, dass wir das hier üben können.“

Nach fast zweieinhalb Stunden Übungseinsatz, in dem man sich natürlich untereinander abgewechselt hatte, konnte man dann dennoch die Erschöpfung in einigen Gesichtern deutlich erkennen.

Nach einer kurzen Abschlussbesprechung wurde dann wieder eingerückt.

Und wer meint dann es wäre endlich Feierabend……nein……die Gerätschaften mussten dann noch gereinigt und für einen eventuellen nächsten Einsatz vorbereitet werden. Auch hierfür wurde dann noch eine weitere Stunde Freizeit geopfert.

 

Mein Fazit:

Die Motivation und der Einsatz aller Feuerwehrleute bei dieser Übung war für mich persönlich wirklich sehr beeindruckend. Besonders die weiblichen Feuerwehrkameradinnen standen ihren männlichen Kollegen in nichts nach.

Allen Feuerwehrleuten gebührt der Dank der Bevölkerung für ihren ehrenamtlichen Einsatz.

Es gibt keine öffentliche Feuerwehr ohne ehrenamtliche, beziehungsweise freiwilligen Feuerwehrleute.

 

Mehr über die Langenhagener Feuerwehren gibt es hier:

https://www.stadtfeuerwehr-langenhagen.de/

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