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„Die Zuckerfabrik an der Ilseder Straße“

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„Die Zuckerfabrik an der Ilseder Straße“ „Die Zuckerfabrik an der Ilseder Straße“ 1967 (C) Stadt Peine
„Die Zuckerfabrik an der Ilseder Straße“ von Michael Utecht

 

Drei bedeutende Projekte bewegten die Stadt Peine im Jahre 1866 – vor genau 150 Jahren: Die Inbetriebnahme des ersten städtischen Gaswerkes an der Glockenstraße, die Grundsteinlegung für die neue katholische Kirche und der Bau der Zuckerfabrik an der Ilseder Straße.

Am 17. Januar 1866 erfolgte der Startschuss für die Rübenverarbeitung in Peine: Dem Aufruf, Aktien für die zu gründende Fabrik zu zeichnen folgten zahlreiche Landwirte, so dass die angestrebte Summe von 80.000 Talern noch um 5.700 Taler übertroffen wurde. Am 23. April 1866 wurde das Vorhaben vom Innenministerium genehmigt. 150.000 Taler kostete der Bau der Fabrik. Die Verkehrslage erwies sich als ausgesprochen günstig. Der Anschluss an die 1844 eröffnete Bahnlinie Hannover–Braunschweig war dabei ebenso wichtig, wie der spätere Bau des Mittellandkanals. Bereits für die zweite Rübenkampagne 1867/68 wurden die Aktionäre mit einer Dividende in Höhe von 10 Prozent belohnt, die in den Folgejahren weiter anstieg – 1871 sogar auf 40 Prozent.


„Die Zuckerfabrik an der Ilseder Straße“ 1966 (C) Stadtarchiv Peine

Neues Archiv-Sonderblatt Nr. 3/2016 (C) Stadt Peine

Neues Archiv-Sonderblatt Nr. 3/2016 (C) Stadt Peine

Die Fabrik wurde stetig erweitert, mit neuen technischen Anlagen ausgestattet und der Vertrieb ausgeweitet. In der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg war die Peiner Zuckerfabrik die größte im Bereich der Industrie- und Handelskammer Hildesheim. 1941, während des Zweiten Weltkriegs, wurden der Zuckerfabrik 139 Kriegsgefangene zugeteilt und ein Großlager für Zwangsarbeiter eingerichtet. Im folgenden Jahr errichtete man ein „Arbeiterwohnlager für Ausländer“ und eine Mannschaftsbaracke für 50 Ostarbeiter.

Am 1. Januar 1969 verlor die Peiner Gesellschaft ihre rechtliche Selbständigkeit und war nun lediglich Standort der Lehrter Zucker Aktiengesellschaft. Die letzte „Kampagne“ wurde 1984/85 gefahren – als Rübenannahmestelle blieb das Gelände aber vorübergehend noch erhalten. 

1991 kaufte die Spedition Bente einen Teil des insgesamt 60.000 Quadratmeter großen Areals und die Abrissarbeiten an den Gebäuden begannen. Es folgten weitere Gewerbeansiedlungen: u. a. eröffnete auf dem südlichen Teil der Fläche 1997 die ALDI-Lebensmittelkette eine Filiale und Auto-Teile-Unger im selben Jahr eine Kfz-Werkstatt.

Weitere aufschlussreiche Details sind nachzulesen im aktuellen Sonderblatt des Stadtarchivs, das ab sofort in folgenden Einrichtungen kostenlos erhältlich ist:

  • Stadtarchiv
  • Stadtbücherei
  • Rathaus (Bürgerbüro)
  • Kreismuseum

sowie im Internet als Pdf-Datei zum Download unter http://www.peine-online.de/   

 

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