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Mittelalterlicher Vorgänger der Stederdorfer Straße in Peine in großer Tiefe nachgewiesen

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Mittelalterlicher Vorgänger der Stederdorfer Straße in Peine in großer Tiefe nachgewiesen Ein Teil der Funde aus dem 14. Jahrhundert wurde gleich gewaschen: Ein Zapfen eines Mönch-Nonne-Dachziegels aus rotem Zieglerton, zwei Tonscherben aus grauer Irdenware, darunter oben ein typischer profilierter Schalenrand, zwei gut erhaltene zertrümmerte
Mittelalterlicher Vorgänger der Stederdorfer Straße in Peine in großer Tiefe nachgewiesen

Von Thomas Budde

Aufgrund eines Leitungsschadens mussten die Stadtwerke Peine am Westrand der Stederdorfer Straße vor Haus-Nr. 8 – 9 ( Kreisvolkshochschule) eine tiefe Reparaturgrube anlegen. Da bei solchen Maßnahmen in der Peiner Altstadt fast immer auch die Archäologie betroffen ist, fand am Ende der vergangenen Woche eine begleitende archäologische Untersuchung statt. Die Reparaturarbeiten wurden dabei nicht behindert. Die Grube ist inzwischen wieder geschlossen.

 


Blick in die Reparatur-Baugrube in der Stededorfer Straße vor HausNr. 8-9 (KVHS): Kleiner, aber aussagekräftige Profilausschnitt als die Oberfläche der ersten Stederdorfer Straße in 1,93 m Tiefe erreicht war. Darüber die dunkle fundreiche Kulturschicht des 14. Jahrhunderts. (C) Thomas Budde

 

Der Einsatz hat sich sehr gelohnt, denn die westliche (hausseitige) Profilwand war im unteren Bereich  noch ungestört. Es konnte dabei eine ganz wichtige Frage der Stadtgeschichtsforschung gelöst werden, nämlich die Frage nach der Entstehung der Stederdorfer Straße. In 1,93 m bis 2,16 m Tiefe konnte direkt auf dem natürlichen anstehenden Sand eine dicke Lage von quer zur Straße verlegten Ästen und kleinen Stämmen erfasst werden, ein so genannter Knüppeldamm. Hierbei handelt es sich zweifellos um die ursprüngliche Stederdorfer Straße der Stadtgründungszeit, wenn  man so will die „Ur-Stederdorfer Straße“.  Die Wegkonstruktion ist vollkommen identisch mit Teilabschnitten der 2008/09 unter dem Rosenhagen auf dem Niedermoor der Hagenriede nachgewiesenen Heerstraße nach Celle, die Peine bekanntlich über das Stederdorfer Tor nach Norden verlässt. Beide Straßen dürften somit gleichzeitig sein – und die Heerstraße konnte dendrochronologisch in den Bereichen, wo Eichenbohlen verwendet waren, in die Zeit um 1240 datiert werden. 

Der Knüppeldamm war in dem kleinen, in der Reparaturgrube erfassten Wegausschnitt erkennbar am Ende der Nutzung mit Bruch- und Feldsteinen ausgebessert worden. Es folgte bis 1,70 m Tiefe eine dunkle graue, im oberen Teil schwarze humose Kulturschicht. Die Bodenfeuchte zeigte, dass der Grundwasserspiegel nicht weit entfernt sein dürfte, somit auch, dass die erste Stederdorfer Straße wie auch die Celler Heerstraße gelegentlich überschwemmt gewesen sein dürfte. Die als Auffüllung zu deutende Schicht war erstaunlich fundreich. Sie enthielt vor allem gut erhaltene Knochenabfälle vom Schlachtvieh (Rind und Schwein). Wenige Keramikscherben der graunen Irdenware datieren die Schicht  in das 14. Jahrhundert. Hinzu kommen Fragmente  von  Mönch-Nonne-Dachziegeln, der typischen spätmittelalterlichen Dachdeckung. Dieselbe fundreiche Schicht ist bereits 2013 unweit de jetzigen Fundstelle vor der Stederdorfer Straße 35 – 36 bei einer Abwasserrohrerneuerung erfasst worden, nur reichte die damalige Notgrabung nur bis 1,85 m Tiefe, also nicht bis auf die erste Straße, die somit damals noch nicht entdeckt werden konnte. Ein Teil der damaligen, ebenfalls aus dem 14. Jh. stammenden  Funde konnte einer Knochenschnitzerwerkstatt zugewiesen werden.  

Die ursprüngliche Stederdorfer Straße muss somit im 14. Jahrhundert aufgegeben und das Oberflächenniveau erhöht worden sein.  Die Ursache ist unbekannt, möglicherweise lag eine Neuplanung nach einem Stadtbrand zugrunde. Dass die Stadt in dieser Zeit von mehreren Feuersbrünsten und nachfolgenden Neuplanungen betroffen war, zeigten unter anderem die Grabungen Echternstraße 18 bis 21 (2004) und Weißer Schwan (2002/03 u. 2005). Aber auch in den hinteren Bereichen der nördlichen Marktplatzbebauung deutet sich dies an, leider aber nur in Form alter Fundberichte ohne Grabungsdokumentation. Die zweite Stederdorfer Straße – folglich des 14. Jahrhunderts – konnte aufgrund späterer Bodeneingriffe an dieser Stelle nicht mehr nachgewiesen werden. Es  werden neue Gelegenheiten kommen.  

Hier deuten sich also interessante Zusammenhänge an, die das Bild vom mittelalterlichen Peine einmal mehr bereichern. Die Funddichte zeigt,  wie reich das Bodenarchiv allein schon unter der Stederdorfer Straße immer noch ist. 

 

 

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