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Die Verleihung der Stadtplakette in Gold an Oberstadtdirektor Dr. Wolfgang Hesse

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Die Verleihung der Stadtplakette in Gold an Oberstadtdirektor Dr. Wolfgang Hesse Dr. Wolfgang Hesse (C) Stadt Wolfsburg
Die Verleihung der Stadtplakette in Gold an Oberstadtdirektor Dr. Wolfgang Hesse

 

Archivalie des Monats August

Kurz vor Ablauf seiner Amtszeit folgte Dr. Wolfgang Hesse 1964 dem Ruf nach Bonn, um in der Regierungshauptstadt Oberstadtdirektor zu werden. Am 1. Oktober 1953 hatte er sein Amt als Oberstadtdirektor in Wolfsburg angetreten und maßgeblich Impulse beim Aufbau der jungen Stadt gesetzt. Aufgrund seiner außerordentlichen Verdienste um die Entwicklung der Stadt Wolfsburg verlieh ihm der Rat der Stadt mit einem Beschluss vom 14. Oktober 1964 als erstem Bürger die Stadtplakette in Gold.

Als Hesse 1953 als knapp 40-jähriger Beamter sein Amt als Oberstadtdirektor in Wolfsburg antrat, lebte ein Teil der damals 30.000 Einwohner noch in Baracken. Das nach dem Krieg wieder aufgebaute Volkswagenwerk hatte 18.000 Beschäftigte, die auch im weiteren und näheren Umland wohnten und täglich einpendelten. Die notwendigen öffentlichen Einrichtungen waren in Baracken untergebracht, die überwiegend ihrem Verfall entgegen sahen.

Als Kardinalproblem zu Beginn seiner Amtszeit sah Hesse die Ausstattung der Stadt mit Grundeigentum und Aufbaumitteln. Nicht zuletzt basierend auf dem Verhandlungsgeschick von Oberstadtdirektor Dr. Hesse, war der im Jahre 1955 abgeschlossene Erstausstattungsvergleich die Initialzündung für den Wohnungsbau und den Infrastrukturausbau. Es folgte der Aufbau von zahlreichen neuen Stadtteilen, da der Arbeitskräftebedarf des Volkswagenwerkes stetig anstieg. Mit dem Rathaus (1958) und dem Kulturzentrum (1962) erhielt die Stadt ihre Mitte an der sich zur Geschäftsmeile entwickelnden Porschestraße. Das von Alvar Aalto errichtete Kulturzentrum (heute Alvar-Aalto-Kulturhaus) war nach eigener Einschätzung Hesses das schwierigste Projekt seiner Wolfsburger Amtszeit.

Große Verdienste erwarb sich Oberstadtdirektor Dr. Hesse auf kulturellem Gebiet. So stellte er Kontakte zu Künstlern her, die in das von der Stadt zurückerworbene Schloss zogen und die Künstlergruppe „Schlossstraße 8“ gründeten. Der Theaterring wuchs auf 2.000 Abonnenten. Neben der Mitgründung der städtischen Kunstsammlung war er einer der Initiatoren des im Jahre 1958 erstmals stattfindenden Kunstpreis-Wettbewerbes „Junge Stadt sieht junge Kunst“, der die zeitgenössische Kunst in den Blickpunkt rückte. Die Bilanz des von Hesse geprägten und dynamischsten Zeitabschnitts der Wolfsburger Stadtentwicklung konnte sich sehen lassen: für am Ende 80.000 Einwohner entstanden u.a. acht neue Stadtteile mit 19.000 Wohnungen, 19 Schulen, Rathaus, Stadthalle und Kulturzentrum. Auch die Errichtung zahlreicher Sportstätten und sozialer Einrichtungen gehörten dazu.

In einer Feierstunde überreichte Oberbürgermeister Hugo Bork am 30. Oktober 1964 die goldene Stadtplakette an den scheidenden Oberstadtdirektor Dr. Wolfgang Hesse. Die bei der Bildgießerei Noack in Berlin-Friedenau in Auftrag gegebene Stadtplakette bestand aus 1.000er Gold und wog 530 Gramm. Als Archivalie des Monats dient die Textfassung der Ehrenurkunde für Dr. Hesse (HA 15727). Darin heißt es unter anderem: „Seiner Energie und seiner schöpferischen Initiative auf allen Gebieten des kommunalen Lebens verdankt die Stadt Wolfsburg entscheidende Impulse ihrer Entwicklung.“ In seiner Dankrede ging Hesse auf die erfolgreiche Integration von Neubürgern mit den folgenden Worten ein: „Jedem neuen Arbeitsbürger öffnete sich diese Stadt.

Keine Gruppe Alteingesessener stand im Wege, keine überlebten gesellschaftlichen Schranken hinderten das Zusammenwachsen. Fehlende Tradition hat hier im Mitmenschlichen, begünstigt durch die Atmosphäre dieser jungen Stadt, segensreich gewirkt. Damit ist Wolfsburg der Entwicklung in der Bundesrepublik schon heute vorausgeeilt.“ Die Wertschätzung seiner Mitarbeiter im Wolfsburger Rathaus kam darin zum Ausdruck, dass Hesse von Stockwerk zu Stockwerk und von Büro zu Büro ging, um sich von jedem Mitarbeiter persönlich zu verabschieden.

Der Stadt Bonn diente Hesse als Verwaltungschef bis zum Eintritt in den Ruhestand 1975. Er wurde auch dort hoch geehrt und erhielt das Große Bundesverdienstkreuz und die Ehrenbürgerschaft Bonns. Es gab in den Bonner Jahren immer wieder Kontakte zu den Repräsentanten der Stadt Wolfsburg, zumal er auch familiäre Bindungen in der Stadt unterhielt. Im Alter von 85 Jahren starb Dr. Hesse am 18. April 1999 in Bonn.

 


Text der Urkunde (C) Stadt Wolfsburg

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