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Die Prinzen verzaubern Hannover: Ausverkaufter Kuppelsaal wird bei „Symphonica“ zum größten Chor der Tour

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35 Jahre Bandgeschichte mit der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach neu erzählt

Der Kuppelsaal im Hannover Congress Centrum hat am Sonnabend, 17. Januar 2026, einen dieser Abende erlebt, die man nicht einfach „Konzert“ nennt und dann zur Tagesordnung übergeht. Es war ausverkauft, es war eng getaktet, es war winterkalt vor der Tür – und es wurde im Saal dennoch überraschend schnell warm. Schon vor dem Einlass zeigte sich, wie hoch die Erwartung war. Die Besucherschlange zog sich von beiden Seiten fast einmal um das HCC mit dem Kuppelsaal herum. Geduld war gefragt, dicke Jacken ebenso. Aber wer dort stand, stand nicht aus Zufall: Viele Fans waren von weit her angereist, aus allen Himmelsrichtungen, manche mit der ersten Bahn, manche mit langen Autofahrten im Rücken. Das Warten in der Kälte war spürbar, doch die Stimmung blieb freundlich – weil alle wussten: Heute passiert etwas Besonderes.

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Die Prinzen auf SYMPHONICA-Tour 2026 – Alle Hits mit der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach /im Kuppelsaal in Hannover am 17.01.2026 © Ulrich Stamm

Als die Türen endlich aufgingen, war es, als würde sich ein Knoten lösen. Drinnen tauschten sich die letzten Gespräche in ein erwartungsvolles Summen, dann in gespannte Ruhe. Und als das Licht aufging, war sofort klar: Dieser Abend lebt nicht nur von dem, was oben auf der Bühne passiert. Die Band wollte es ausdrücklich – und das Publikum lieferte es vom ersten Ton an. Die Prinzen hatten ihre Fans als „größten Backgroundchor“ der Tour angekündigt. Hannover nahm das wörtlich. Schon beim Opener sang der gesamte Saal mit, klatschte, bewegte sich, als hätte man sich auf ein gemeinsames Versprechen verständigt: Wir machen das heute zusammen.

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Die Prinzen auf SYMPHONICA-Tour 2026 – Alle Hits mit der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach /im Kuppelsaal in Hannover am 17.01.2026 © Ulrich Stamm

Musikalisch war das Konzert eine Kraftdemonstration – aber eine, die nicht laut schreit, sondern souverän wirkt. Die sieben Prinzen, Sebastian Krumbiegel, Tobias Künzel, Wolfgang Lenk, Jens Sembdner, Henri Schmidt, Mathias Dietrich und Alexander „Ali“ Zieme, standen gemeinsam mit der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach auf der Bühne und zündeten ein Hitfeuerwerk, das über rund zweieinhalb Stunden kaum Luft holte. Dieses „Symphonica“-Projekt ist nicht die übliche Pop-Idee „wir stellen ein paar Streicher dazu“. Es war spürbar eine eigenständige Produktion, mit Arrangements, die die bekannten Stücke größer, weiter und in vielen Momenten auch berührender machten. Das Orchester hob die Songs in einen neuen Klangraum – und damit tatsächlich auch die Band: Die Prinzen wirkten an diesem Abend wie in einen Königsstand gesetzt, ohne dass sie ihren typischen Charme, ihren Witz oder ihre Pop-Energie verloren.

Das Publikum reagierte auf diese Mischung so, wie es selten passiert: nicht nur im „Hit-Mitsing-Modus“, sondern mit echter Aufmerksamkeit. Natürlich gab es die großen kollektiven Momente, wenn Refrains den Saal übernahmen und man eher fühlte als hörte, wie viele Stimmen da gleichzeitig mitsingen. Aber genauso prägend waren die leiseren Passagen. Bei ruhigeren Titeln wurden im Kuppelsaal zahllose Handyleuchten aktiviert – kein flackernder Event-Schnickschnack, sondern dieses ruhige, fast zärtliche Funkeln, das einen Raum verändert. Plötzlich steht man in einem Meer aus kleinen Lichtern, und die Musik bekommt eine zweite Ebene: Gänsehaut nicht, weil es „dramatisch inszeniert“ ist, sondern weil es echt ist. Solche Momente haben Hannover den besonderen Stempel aufgedrückt.

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Die Prinzen auf SYMPHONICA-Tour 2026 – Alle Hits mit der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach /im Kuppelsaal in Hannover am 17.01.2026 © Ulrich Stamm

Dabei blieb der Abend trotz großer Emotionen konsequent „Prinzen“. Tobias Künzel und Sebastian Krumbiegel führten mit vielen kleinen Anekdoten durch das Programm – nicht ausufernd, nicht als Comedy-Block, sondern genau richtig dosiert. Diese kurzen Geschichten und Seitenhiebe sorgten immer wieder für Lächeln und lockerten die Übergänge auf. Und sie taten noch etwas: Sie bauten Nähe. In einem Konzert, das mit Orchester und großer Produktion leicht distanziert wirken könnte, fühlte sich Hannover erstaunlich direkt an. Die Band sprach mit dem Publikum, nicht über es – und die Fans antworteten. Mit Gesang, mit Rhythmus, mit Bewegung. In den schnelleren Nummern wurde getanzt, in den Refrains wurde geklatscht, und selbst in den Momenten, in denen es ruhiger wurde, blieb der Saal wach und präsent.

Die Setlist zeigte, wie dicht dieses Jubiläumsprogramm gebaut ist. Aus rund 120 Songs, die Die Prinzen im Laufe ihrer Karriere veröffentlicht haben, präsentierten sie in Hannover nahezu 30 Titel – eine Reise durch 35 Jahre Bandgeschichte, die nicht wie eine nüchterne „Best-of-Abhakliste“ wirkte, sondern wie ein bewusst komponierter Abend. Der Start machte sofort klar, wohin die Reise geht: „Krone der Schöpfung“ eröffnete, danach folgten „Mann im Mond“, „Millionär“ und „Königin“ – also frühe Ankerpunkte, die das Publikum sofort auf Betriebstemperatur brachten. Und Hannover war da: nicht abwartend, sondern schon nach wenigen Minuten voll im Geschehen, als wäre der Saal selbst ein Teil der Band.

Im ersten Teil des Abends lagen Energie und Atmosphäre dicht beieinander. Titel wie „Wo bin ich, wenn ich schlafe“ bekamen im symphonischen Gewand eine zusätzliche Tiefe, während „Blaue Augen“ und „Ich will dich haben“ wieder stärker in die direkte, poppige Schlagseite gingen. Auch „Immer auf mich zählen (Alpaka Song)“ war so ein Moment, in dem der Kuppelsaal spürbar mitging: kein distanziertes Zuhören, sondern ein gemeinsamer, sehr lebendiger Chor. Genau hier zeigte sich die Stärke dieser Tour: Das Orchester machte es nicht „brav“, sondern dynamischer. Wenn der Song Tempo wollte, gab es Tempo. Wenn er Raum wollte, gab es Raum.

Bis zur Pause führte die Setlist durch 14 Titel: 1. Krone der Schöpfung, 2. Mann im Mond, 3. Millionär, 4. Königin, 5. Wo bin ich, wenn ich schlafe, 6. Blaue Augen, 7. Ich will dich haben, 8. Immer auf mich zählen (Alpaka Song), 9. Es war nicht alles schlecht, 10. Geliebte Zukunft, 11. Der Mann im Mond ist ein Mädchen, 12. Dürfen darf man alles, 13. Überall, 14. Ganz oben. Schon in diesem Block wurde klar, wie sehr Hannover als Publikum „arbeitet“: Da wurde nicht nur am Ende applaudiert, da wurde permanent mitgestaltet. Und genau das passte zu der Ansage der Band, Hannover als größten Backgroundchor der Tour erleben zu wollen.

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Die Prinzen auf SYMPHONICA-Tour 2026 – Alle Hits mit der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach /im Kuppelsaal in Hannover am 17.01.2026 © Ulrich Stamm

Nach der Pause zog der Abend noch einmal an. Der zweite Teil wirkte wie das bewusste Aufdrehen einer Schraube: 15. Suleimann, 16. Alles mit’m Mund, 17. Vergammelte Speisen, 18. Abgehau’n, 19. Gabi und Klaus, 20. Dumme Ideen, 21. Leben strengt an, 22. Küssen verboten, 23. Deutschland. Hier war der Kuppelsaal endgültig in dieser besonderen Mischung aus Konzert und gemeinsamer Feier. Es wurde geklatscht, getanzt, mitgesungen – und gleichzeitig hörte man, wie präzise das Orchester die Songs trägt. Die Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach spielte nicht „hinten“ oder „dazu“, sondern als gleichwertiger Motor. Gerade in den dynamischen Momenten wirkte das wie ein großer, atmender Klangkörper: Band und Orchester als Einheit, der Saal als achtes Element.

Dass es am Ende Zugaben geben würde, war spätestens nach den letzten Takten des regulären Sets keine Frage mehr. Die Fans wollten nicht, dass dieser Abend endet. Und die Band ließ sich die Freude daran anmerken. Hannover hatte sie nicht nur gehört, sondern ihnen etwas zurückgegeben: ein Saal, der vom ersten Song an mitsang; ein Publikum, das im schnellen Teil Party kann und im leisen Teil diese stillen Lichter hochhält, die einem den berühmten Kloß im Hals machen.

Auch als Tourmoment ist Hannover bemerkenswert. Es war das sechste Konzert der „Symphonica“-Tour, und nach Eindruck aus dem Umfeld der Veranstaltungsreihe zugleich der bislang größte Konzertsaal. Gerade deshalb ist die Leistung an diesem Abend so eindrucksvoll: Große Räume können Energie schlucken, wenn die Verbindung zwischen Bühne und Publikum nicht steht. Im Kuppelsaal war es umgekehrt. Die Größe machte die Momente größer – die Chorpassagen, die Handyleuchten, das gemeinsame Klatschen. Man hatte das Gefühl, dass dieses Format genau dafür gemacht ist: Prinzen-Songs, die ohnehin seit Jahrzehnten Teil der deutschen Pop-DNA sind, in einem symphonischen Gewand, das nicht nur Glanz liefert, sondern Emotion verstärkt.

So wurde dieser Abend zu einem musikalischen Startschuss für das Konzertjahr 2026, der im Gedächtnis bleibt. Nicht wegen Pathos, sondern weil es ehrlich war: Das geduldige Warten draußen, die gespannte Vorfreude drinnen, dann zweieinhalb Stunden Musik, Humor, Erinnerungen und neue Klangfarben – und ein Publikum, das sich nicht bedienen ließ, sondern mitmachte. Der ausverkaufte Kuppelsaal war nicht nur Kulisse, sondern Teil der Show. Und genau deshalb fühlte sich „Symphonica“ in Hannover nicht wie ein Jubiläum an, das zurückschaut, sondern wie eine Band, die nach 35 Jahren immer noch weiß, wie man einen Saal in Bewegung bringt – und wie man ihn im nächsten Moment zum Funkeln bringt.

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