HANNOVER. Die Anzeige versprach Diskretion. Gesucht wurde eine „schlanke, junge Dame mit eleganten Toiletten zu Kostumesitzungen“. Der Maler Philipp Klein hielt so vor über hundert Jahren Ausschau nach neuen Modellen für seine Bilder. Mit einem vergrößerten Abdruck dieser Annonce beginnt im Landesmuseum der Ausflug zu Philipp Klein im Kreis der Impressionisten. Und es musste, wie Kleins Aktdarstellungen zeigen, auch nicht unbedingt bei Kostümsitzungen bleiben.
Von seinen Zeitgenossen gefeiert, von der Nachwelt nahezu vergessen: Das Werk des 1907 im Alter von nur 36 Jahren früh verstorbenen Malers Philipp Klein wartet darauf, wiederentdeckt zu werden. Das Niedersächsische Landesmuseum: „Der Mannheimer Autodidakt begeisterte schon zu Lebzeiten mit seinem unverkennbaren Gefühl für Licht und Farbe. In seinen atmosphärischen Momentaufnahmen scheint die Welt im flirrenden Wechselspiel von Helligkeit und Bewegung aufzugehen.“
Wiederentdeckt wurde der heute nahezu unbekannte Maler vom Reiss-Engelholm-Museum in Mannheim. Ein einziges Gemälde befand sich dort in der Sammlung. Eva-Maria-Günther, Direktorin der rem gGmbH Stiftungsmuseen Mannheim: „Klein wurde 1871 in der Nähe des heutigen Museums geboren.“ Weil der Künstler aus der Stadt am Rhein und Neckar stammt, wurde das Interesse des Museums geweckt. Inzwischen konnte aus den Beständen des Niedersächsischen Landesmuseums und mit vielen Leihgaben aus dem Privatbesitz die große umfangreiche Sonderschau mit 55 Werken von Klein selbst und weiteren Bildern von Künstlern aus seinem Umfeld zusammengetragen werden. Nach Mannheim ist diese prächtige Schau nun ab Freitag, 24. April, für rund ein halbes Jahr in Hannover zu sehen. Weil Klein damit aus dem Dunkel des Vergessens gerissen wird, lautet der Titel dann auch „Aufgetaucht“. Dazu passend das Bild auf den Werbeplakatenn für die Sonderschau: 1899 malte Klein mit Öl auf der Leinwand einem Mann beim Bade, der gerade prustend aus dem Wasser auftaucht. Dargestellt ist übrigens ein berühmtet Kollege von Klein, der Maler Lovis Corinth.
Viele der ausgestellten Gemälde gehören dem Landesmuseum. „Wir haben die weltweit bedeutendste Sammlung des impressionistischen Künstlers“, berichtet Museumsdirektorin Prof. Dr. Katja Lembke. „Mit dieser Ausstellung taucht nicht nur der zu Unrecht in Vergessenheit geratene Maler Philipp Klein auf, denn das Titelbild zeigt seinen berühmten Kollegen Lovis Corinth beim Baden. Innovationsfreude prägte Kleins Werke auch bei der Darstellung von Frauen zwischen Bieder-Bürgerlich und Femme fatale. Wir freuen uns sehr über diese temporäre Bereicherung unserer Sammlung deutscher Impressionisten, die sicher viele Besucherinnen und Besucher in unser Haus ziehen wird.“
Oliver Rasper vom Vorstand der NORD/LB Kulturstiftung, die diese Sonderausstellung in Hannover fördert, fand den Begriff „Sonnenlicht-Malerei“ besonders passend für Philipp Klein. „In den Räumen ist es dunkel, in den Bildern leuchtet die Sonne.“
Kuratorin der Bilderschau ist Leonie Appl. Sie erzählt, viele Werke seit über 100 Jahren zum ersten Male nun wieder öffentlich zu sehen sind. Appl: „Das Werk Philipp Kleins steckt voller Überraschungen, die sich erst bei dem genauen Betrachten erschließen. Kleins Frauenbilder sind dabei besonders hervorzuheben: Die Frauen zeigen und entziehen sich zugleich in einem Spiel, das sie mitgestalten und dem sie doch ausgesetzt sind. In vielen von Kleins Frauenbildern offenbart sich bei näherem Hinsehen eine Spannungsebene und ein geheimnisvoller Funke.“
Der Besuch der Ausstellung, die noch bis zum 25. Oktober läuft, ist im regulären Museumseintritt inbegriffen. Der Katalog dazu ist im Nünnerich-Asmus Verlag & Media erschienen und für 25 € im Museumsshop sowie im Buchhandel erhältlich.
