HANNOVER. Es war die archäologische Überraschung des Jahres 2011. Die geplante Trasse der Nordeuropäischen Erdgasleitung wurde auf Artefakte aus vergangenen Tagen untersucht. Kurz vor dem Ende der Mission geschah am 7. April 2011 nahe Syke jedoch etwas völlig Unerwartetes. Jan Stammler suchte mit seinem Metalldetektor noch eine Fläche ab, als er plötzlich ein starkes Signal erhielt. Vorsichtig grub er etwas in die Erde und stieß in 60 Zentimeter Tiefe auf vorgeschichtliches Metall. Die Fundstelle entpuppte sich als Lagerplatz eines 3300 Jahren alten Goldschatzes.
Nun nach weit über einem Jahrzehnt wird dieser sensationelle Goldhortfund nun eingehend untersucht, wie es in einer Pressemitteilung des Niedersächsischen Landesmuseums heißt.
Damals ließen die Archäologen den Fundkomplex im Block abtransportiert und mit einem leistungsstarken Computertomographen durchleuchten. Landesarchäologie Henning Haßmann erinnert sich in der Pressemitteilung: „Das CT-Bild ließ keinen Zweifel, dass in dem Block zahlreiche Goldobjekte dicht beieinanderlagen.“ Die Goldfunde – darunter zahlreiche Spiralringe – konnten nach und nach freigelegt werden. Mit einem Gewicht von 1,7 kg gehört die aus 117 Teilen bestehende Entdeckung zu den größten jemals gefundenen Goldhorten der Bronzezeit in Europa. Heute werden die prächtigen Goldfunde im Landesmuseum Hannover und im Kreismuseum Syke präsentiert.
Die dicht liegenden und teilweise miteinander verbundenen Ringe sprachen für eine gleichzeitige Deponierung. Bereits in der Bronzezeit war Gold ein sehr wertvolles und gefragtes Material. Stoffreste an den Bronzenadeln erlaubten mit Hilfe der Radiokarbonmethode die Niederlegung in die Zeit um 1300 v. Chr. zu datieren. Zwar beschäftigten sich die Wissenschaftler gleich nach dem Auffinden mit dem sensationellen Schatz, doch erst jetzt – 15 Jahre später – werden die Forscher mit finanzieller Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft von einem interdisziplinären Team des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege (NLD), des Landesmuseums Hannover sowie der Universitäten Göttingen und Kiel umfassend den Fund und sein Umfeld näher untersuchen.
Bislang fehlt eine detaillierte Analyse der Funde, um Fragen zur Herstellungsweise, der Verwendung der Goldobjekte und ihrer Herkunft zu klären. Selbst das Gebiet um den Fundort ist noch nicht näher untersucht. Es sei, zu heißt es, kaum vorstellbar, dass eine so wertvolle Deponierung ohne Bezug zu einer prosperierenden Siedlung und Gemeinschaft in den Boden gelangte.
Ein wichtiges Anliegen des auf drei Jahre angelegten Forschungsprojektes ist es, die regionalen und überregionalen Beziehungen während der Bronzezeit sichtbar zu machen. Christina Krafczyk, Präsidentin des NLD, und Museumsdirektorin Katja Lembke sind hoch erfreut: „Wir sind sehr dankbar, dass wir mit finanzieller Hilfe der Deutschen Forschungsgemeinschaft den einmaligen Goldhortfund und sein Umfeld nun mit neuesten Methoden untersuchen und diesen herausragenden Teil des niedersächsischen Kulturerbes noch besser sichtbar machen können.“
Das neue Forschungsprojekt vereint verschiedene Perspektiven auf den Goldhort: Am Landesmuseum werden Rohmaterial und die Objekte eingehender analysiert, das NLD untersucht den Fundplatz und die archäologischen Denkmäler in seinem Umfeld. Die Universität Kiel geht mit botanischen Untersuchungsmethoden den wirtschaftlichen Grundlagen der bronzezeitlichen Bevölkerung nach und erforscht die lokale Landschaftsentwicklung, während die Universität Göttingen sich mit Lehrgrabungen nahe der Fundstelle einbringen wird. Der bronzezeitliche Handel ist ein Forschungsschwerpunkt am Göttinger Seminar für Vor- und Frühgeschichte und daher soll die Bedeutung von Gold als Handelsgut auf einer Tagung diskutiert werden.
Archäologisch Interessierte Laien dürfen sich auf das Jahr 2028 freuen. „Mit einer großen Abschlusstagung und einer Ausstellung sollen 2028 die Projektergebnisse und die „goldenen Zeiten“ vor 3300 Jahren der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden“, verspricht die Mitteilung des Landesmuseums.
Das Foto ist der Pressemitteilung des Landesmuseums entnommen und stammt von V. Minkus (NLD).
