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StartKulturViel Nostalgie, wenig Schnickschnack: No Angels feiern 25 Jahre in Hannover

Viel Nostalgie, wenig Schnickschnack: No Angels feiern 25 Jahre in Hannover

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1300 Fans erleben auf der Gilde Parkbühne einen gut gelaunten Jubiläumsabend

Es hätte ein ausgesprochen ungemütlicher Konzertabend werden können. Stundenlang hatte der Wind am Freitag über Hannover gepfiffen, immer wieder war kräftiger Regen niedergegangen. Doch ausgerechnet als die No Angels am Abend auf der Gilde Parkbühne ihr 25-jähriges Bandjubiläum feiern, hat das Wetter ein Einsehen. Der Regen ist verschwunden, der Wind deutlich schwächer geworden. Rund 1300 Fans sind gekommen, um mit Jessica Wahls, Lucy Diakovska, Sandy Mölling und Nadja Benaissa eine Reise durch ein Vierteljahrhundert deutsche Popgeschichte anzutreten.

No Angels auf TwentyFive Live 2026-Tour
Die No Angels auf
TwentyFive Live 2026-Tour auf der Gilde Parkbühne in Hannover am 04.09.2026 © Ulrich Stamm

Und auch das Timing passt. Um 20.20 Uhr beginnt das Konzert. Wenige hundert Meter entfernt ist gerade das Heimspiel von Hannover 96 gegen den Karlsruher SC mit einem 2:2 zu Ende gegangen. Aus dem benachbarten Stadion dringen keine störenden Geräusche mehr zur Parkbühne herüber. Jetzt gehört der Abend den No Angels.

Eigentlich hätte Hannover bereits am 25. Juni an der Reihe sein sollen. Das Konzert wurde jedoch auf den 4. September verschoben. Aus dem geplanten Frühsommertermin ist so beinahe ein Abschluss der Open-Air-Saison geworden.

Silberweiß statt großer Bühnenshow

Wer angesichts des 25-jährigen Jubiläums eine aufwendige Inszenierung erwartet hat, wird zunächst überrascht. Die Bühne ist eher nüchtern gehalten. Keine Materialschlacht, keine überbordende Jubiläumskulisse. Die Band spielt im Hintergrund, der Fokus liegt eindeutig auf den vier Sängerinnen.

Optisch setzen die No Angels dafür auf einen gemeinsamen Look: silberweiße Stiefel, sportliche Hosen und schulterfreie Oberteile. Ein wenig futuristischer Pop-Glamour, ohne dass daraus eine Kostümshow wird.

Mit dem verkürzten „Welcome to the Dance“ beginnt die musikalische Zeitreise. „Rivers of Joy“ und „Let’s Go to Bed“ folgen, bevor mit „No Angel (It’s All in Your Mind)“ einer jener Titel erklingt, bei denen nur wenige Takte nötig sind, um das Publikum zurück in die frühen 2000er-Jahre zu versetzen.

No Angels auf TwentyFive Live 2026-Tour
Die No Angels auf
TwentyFive Live 2026-Tour auf der Gilde Parkbühne in Hannover am 04.09.2026 © Ulrich Stamm

Und dieses Publikum kennt seine No Angels.

Vor der Bühne stehen auffallend viele Frauen, allerdings keineswegs nur aus einer Altersgruppe. Hier feiern Fans, die die Karriere der Band von Beginn an begleitet haben, neben deutlich jüngeren Besucherinnen. Selbstgebastelte Plakate und persönliche Fangrüße werden hochgehalten. Vor allem aber zeigt sich schnell: Die Texte sitzen.

Bei vielen Songs müssen die vier Sängerinnen kaum um Unterstützung bitten. Die Refrains kommen zuverlässig aus dem Publikum zurück.

Die Hits haben ein erstaunlich langes Gedächtnis

Nach „All Cried Out“ und „Goodbye to Yesterday“ geht es mit einem Medley aus „Down Boy“, „Three Words“ und „Send Me Flowers“ tiefer hinein in den Katalog. „Someday“ folgt – und dann natürlich „Still in Love With You“.

Es ist einer dieser Songs, die exemplarisch zeigen, warum dieser Abend funktioniert. Man muss nicht jedes Album der No Angels im Regal stehen haben, um plötzlich festzustellen, wie vertraut viele dieser Melodien noch immer sind.

Das ist die eigentliche Stärke dieses Jubiläumskonzerts.

No Angels auf TwentyFive Live 2026-Tour
Die No Angels auf
TwentyFive Live 2026-Tour auf der Gilde Parkbühne in Hannover am 04.09.2026 © Ulrich Stamm

Denn 25 Jahre nach dem Beginn ihrer Karriere müssen die No Angels nicht mehr beweisen, dass sie mehr waren als das Ergebnis einer Castingshow. Als die Gruppe 2000 aus der ersten deutschen Staffel von „Popstars“ hervorging und 2001 mit „Daylight in Your Eyes“ durchstartete, wurden Jessica, Lucy, Sandy, Nadja und ihre damalige Mitstreiterin Vanessa Petruo innerhalb kürzester Zeit zu einem der größten Pop-Phänomene des Landes.

Damals gehörte das Etikett „Castingband“ fast automatisch dazu. Heute lässt sich die Geschichte entspannter betrachten. Denn während zahllose Popprojekte jener Jahre längst vergessen sind, stehen vier No Angels ein Vierteljahrhundert später noch immer gemeinsam auf der Bühne – vor Fans, die ihre Songs Wort für Wort mitsingen.

Das ist durchaus bemerkenswert.

Auch die zweite Reihe bekommt ihren Platz

Dabei beschränkt sich das Programm keineswegs auf eine bloße Greatest-Hits-Parade. „Too Old“ und „Make a Change“ bekommen ebenso ihren Platz wie das Medley aus „100% Emotional“, „So What“ und „Lost In You“.

Mit „Mad Wild“, „A New Day“ und „Cold as Ice“ geht es weiter. „Feelgood Lies“ und „One Life“ führen schließlich in die Schlussphase des regulären Sets.

Gerade diese Mischung tut dem Konzert gut. Die großen Singles liefern die erwartbaren Höhepunkte, während die weniger offensichtlichen Titel verhindern, dass der Abend zu einer reinen 2000er-Jahre-Party mit vier prominenten Vorsängerinnen wird.

Die Bühne selbst bleibt dabei über weite Strecken zweckmäßig. Spektakuläre Effekte braucht es offenbar auch nicht. Die vier Frauen stehen im Mittelpunkt, hinter ihnen sorgt die Band für das musikalische Fundament.

Und vor ihnen feiern 1300 Menschen.

Natürlich ist die Gilde Parkbühne damit nicht annähernd ausgelastet. Auf dem weitläufigen Gelände fällt die überschaubare Besucherzahl durchaus auf. Doch Konzertatmosphäre lässt sich eben nicht ausschließlich in verkauften Eintrittskarten messen. Vor der Bühne herrscht gute Stimmung. Es wird getanzt, mitgesungen, Plakate werden hochgehalten und Fangrüße in Richtung Bühne geschickt.

Was an Masse fehlt, macht dieses Publikum mit Begeisterung wett.

Zwei Songs müssen noch kommen

Mit „There Must Be an Angel (Playing With My Heart)“ endet schließlich das reguläre Programm. Der Eurythmics-Klassiker gehört in der Version der No Angels längst so selbstverständlich zur Bandgeschichte, dass man beinahe vergisst, dass es sich um eine Coverversion handelt.

Doch natürlich können sie Hannover so nicht verlassen.

Zwei Lieder fehlen.

Zur Zugabe gibt es zunächst „Something About Us“. Rückblickend ist es einer der interessantesten Songs der Bandgeschichte: ein selbstbewusstes Stück Pop aus einer Zeit, in der die No Angels nicht nur mit ihrem enormen Erfolg, sondern ebenso mit öffentlicher Kritik und dem Image der gecasteten Retortenband umgehen mussten.

25 Jahre später hat sich diese Diskussion weitgehend erledigt.

No Angels auf TwentyFive Live 2026-Tour
Die No Angels auf
TwentyFive Live 2026-Tour auf der Gilde Parkbühne in Hannover am 04.09.2026 © Ulrich Stamm

Und dann kommt er.

„Daylight in Your Eyes“.

Der Song, mit dem 2001 alles explodierte. Jene Single, bei der wahrscheinlich auch Menschen den Refrain kennen, die sich selbst nie als No-Angels-Fans bezeichnet hätten.

Noch einmal zeigt sich, wie textsicher das Publikum an diesem Abend ist. Noch einmal werden die Arme hochgenommen, wird mitgesungen und gefeiert. Die selbstgebastelten Fanplakate sind noch einmal zu sehen.

Kurz vor 22 Uhr ist Schluss.

Knapp zwei Stunden zuvor hatte das Wetter noch als größter Unsicherheitsfaktor dieses Open-Air-Abends gegolten. Nun gehen 1300 Fans trockenen Fußes nach Hause. Der Regen hat während des Konzerts Pause gemacht, der Wind sich zurückgehalten und auch das Fußballstadion nebenan hat die Musik nicht gestört.

Was bleibt, ist ein Abend ohne übertriebene Inszenierung, aber mit erstaunlich vielen Songs, die ein Vierteljahrhundert überdauert haben.

Die No Angels müssen 2026 niemandem mehr beweisen, dass sie einmal Deutschlands erfolgreichste Girlgroup waren. Interessanter ist ohnehin etwas anderes: dass diese vier Frauen nach Erfolgen, Trennungen, Comebacks und persönlichen Umwegen wieder gemeinsam auf einer Bühne stehen – und dass vor ihnen Menschen verschiedener Generationen noch immer jedes Wort mitsingen können.

1300 Besucher sind für die Gilde Parkbühne keine beeindruckende Zahl. 1300 Menschen, die nach 25 Jahren mit selbstgebastelten Plakaten vor einer Bühne stehen, alte Songtexte auswendig kennen und knapp zwei Stunden lang ihre Band feiern, erzählen allerdings eine andere Geschichte.

Vielleicht ist das die passendere Bilanz dieses Abends. Die No Angels sind älter geworden. Ihre Fans auch.

Nur „Daylight in Your Eyes“ scheint sich hartnäckig zu weigern.

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