HANNOVER. Neue Gesichter im Stadtbezirksrat Döhren-Wülfel: Für den am ersten Weihnachtstag 2025 verstorbenen Dirk Battke rückte nun der frühere IT-Administrator und jetzige Betriebsratsvorsitzende Carsten Sawosch (Jahrgang 1968) nach und füllt die Reihen der SPD-Fraktion wieder auf. Vize-Bezirksbürgermeisterin verpflichtete im Rahmen der Februar-Sitzung des Gremiums den neuen Bezirksratspolitiker mit Handschlag und einen Blumenstrauß. Einen zweiten Blumenstrauß gab es für Juana Steberl. Sie übernahm das Mandat von der überraschend aus persönlichen Gründen zurückgetreten früheren Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen im Bezirksrat. Sie arbeitet als Büroleiterin im für den Grünen-Landtagsabgeordneten Evrim Camuz.
Zu Beginn der Sitzung am vergangenen Donnerstag (5. Februar) im großen Saal des Freizeitheims Döhren erhoben sich alle Bezirksratsmitglieder und Zuhörer zu einer Schweigeminute für den verstorbenen SPD-Politiker Dirk Battke. Der Platz mit seinem Namensschild blieb unbesetzt, eine (elektrische) Kerze flackerte feierlich zu seinem Gedenken.
Eigentlich sollte an diesem Abend ursprünglich im Bezirksrat abschließend über die Pläne zum Bau einer Landesaufnahmeeinrichtung an der früheren Radrennbahn in Wülfel diskutiert und abgestimmt werden. Doch die Stadtverwaltung zog ihre entsprechende Beschlussvorlag kurzfristig wieder zurück. Offizieller Grund: Die Einwohnerversammlung für den Stadtbezirk mit dem Oberbürgermeister solle abgewartet werden. Gleichwohl dürfte die Entscheidung indessen faktisch schon gefallen sein, denn es gibt keine politische Mehrheit für diesen Vorschlag. Sowohl die CDU- als auch die SPD-Bezirksratsfraktion sprachen sie in zwei getrennten Pressemitteilungen gegen das Vorhaben aus. Am selben Abend wurde auch eine gemeinsame Pressemitteilung der drei großen Ratsfraktionen von SPD, CDU und FDP bekannt, in der ebenfalls die Pläne für Wülfel abgelehnt wurden.
„Aus Sicht der SPD-Bezirksratsfraktion sprechen gewichtige Gründe gegen eine weitere Verfolgung der Planungen. Insbesondere ist mit weitreichenden ökologischen Auswirkungen zu rechnen aufgrund der Nähe zum Landschafts- und Naturschutzgebiet. Darüber hinaus liegt das Gebiet in einem wassersensiblen Bereich der Leinemasch. Aspekte des Hochwasserschutzes sowie Risiken für eine dauerhafte bauliche Nutzung und eine belastbare Zuwegung sind daher besonders kritisch zu bewerten. Hinzu kommen Nutzungskonflikte durch bestehende Lärmbelastungen aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Schießsport-Bundesstützpunkt“, heißt es etwa in der Pressemitteilung der Sozialdemokraten im Bezirksrat Döhren-Wülfel. „Wenn Natur- und Hochwasserschutz, Nutzungskonflikte und die Anforderungen an eine sensible Nutzung gleichermaßen dagegensprechen, bleibt nur eine klare Konsequenz: Der Standort Radrennbahn ist insgesamt ungeeignet und wird von uns abgelehnt“, so Jens Schade, Fraktionsvorsitzender der SPD-Bezirksratsfraktion.
Die CDU im Bezirksrat verweist in ihrer Stellungnahme darüber hinaus auf ein weiteres Problem: „Besonders kritisch sieht die CDU das Missverhältnis zwischen der Größe des Stadtteils und dem Umfang der geplanten Einrichtung. Wülfel zählt rund 4.400 Einwohnerinnen und Einwohner“, schreiben die Christdemokraten. „750 zusätzliche Bewohnerinnen und Bewohner auf einen Stadtteil ohne ausreichende soziale Infrastruktur zu verteilen, ist schlicht unverantwortlich. Der Stadtteil wird damit überfordert“, so ihre Fraktionsvorsitzende Natascha Erdmann. Auch eine Mehrheit im Rat der Stadt Hannover steht den Plänen von OB Belit Onay ablehnend gegenüber: „„Die Ratsfraktionen von SPD, CDU und FDP lehnen den geplanten Standort zur Errichtung einer Landesaufnahmebehörde Niedersachsen auf den Flächen der ehemaligen Radrennbahn sowie den angrenzenden Flächen an der Wilkenburger Straße in Wülfel ab“, ist in der gemeinsamen Stellungnahme der drei Ratsfraktionen nachzulesen.
Möglicherweise war die ganze Aufregung aber eh für die Katz. Denn das Land Niedersachsen verhandelte wohl parallel auch mit anderen Städten. Nach einem Bericht auf Sat1/Regional scheint die Entscheidung für Langenhagen inzwischen längst gefallen zu sein. Dort soll eine Erstaufnahmeeinrichtung für 500 Flüchtlinge entstehen,die Verträge sind laut dem Bericht bereits abgeschlossen und es gibt auch schon einen positiven Bauvorbescheid für Langenhagen.
