StartHannoverIn der GAF: Jan Banning verfolgte fotografisch die Spuren eines Kriminalfalles

In der GAF: Jan Banning verfolgte fotografisch die Spuren eines Kriminalfalles

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HANNOVER. Christine Boyer war 22 Jahre alt, als sie am 14. April 1992 verhaftet wurde. Seitdem sitzt sie in einem US-Gefängnis hinter Gittern. Lebenslänglich und dazu 20 Jahre. Der Vorwurf: sie soll ihre kleine Tochter Amber getötet haben. In einem Deal mit der Staatsanwaltschaft legte sie ein Geständnis ab, dafür wurde nicht auf die Todesstrafe plädiert. Doch bis heute beteuert Christine Boyer ihre Unschuld. Ein Justizskandal? Der niederländische Fotokünstler Jan Banning ging dieser Frage nach und rollte fotografisch den Fall wieder auf.

In der Galerie für Fotografie (GAF) in der Südstädter Seilerstraße ist seit heute Abend seine Auseinandersetzung mit dem Kriminalfall in Bildern und Texten zu sehen. Der Titel: „The Verdict: The Christina Boyer Case“.

Jan Banning unternahm extra zur Vernissage seiner Ausstellung die weite Anreise aus den Niederlanden, um den vielen Besuchern seine Eindrücke und Intentionen zu schildern. Banning erzählte in Deutsch: diese Sprache hatte er sich mit der Lektüre von Heinrich Heine selbst beigebracht. Mittlerweile ist er von der Unschuld von Christine überzeugt, hat aber nach eigenem Bekunden wenig Hoffnung für eine Begnadigung.

„Die Ausstellung und das begleitende Buch präsentieren die Ergebnisse seiner jahrelangen und umfangreichen Recherchen. Indem Jan Banning dokumentarische und inszenierte Fotos mit ausführlichen Texten kombiniert, bietet er eine detaillierte Rekonstruktion der Ereignisse rund um die Verurteilung von Christina Boyer nach dem Tod ihrer kleinen Tochter. Jan Banning beschreibt ausführlich die kritischen Einschätzungen renommierter medizinischer Experten, übt heftige Kritik an der Rolle der Medien und zeigt seine eigene visuelle Interpretation einzelner Bestandteile der Geschichte. Jan Bannings eigene Fotografien und Texte werden ergänzt um Tagebucheinträge und Fotografien aus dem Familienalbum von Christina Boyer, wodurch ein Dialog entsteht. Außerdem beschreibt Christina Boyer in eigenen Texten die Assoziationen, die Jan Bannings Fotos des amerikanischen Südens bei ihr hervorrufen. Dadurch erhalten die Besucher einen Einblick in die innere Gedankenwelt von Christina Boyer und erfahren, wie die lebenslange Gefangenschaft die Wahrnehmung der visuellen Welt beeinflusst.“ So heißt es in der Einladung zu dieser Ausstellungseröffnung.

Die fotografische Fallstudie ist bis zum 28. April, jeweils donnerstags bis sonntags zwischen 12 bis 18 Uhr zu sehen.

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Prof Rolf Nobel (rechts) eröffnet die neue Fotoausstellung in der GAF
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