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Donnerstag, November 5, 2026

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Kundgebung gegen AfD und Rechtsextremismus

Mehr als 35.00 Menschen demonstrierten in Hannover gegen die AfD, Rechtsextremismus und Antisemitismus
Mehr als 35.00 Menschen demonstrierten in Hannover gegen die AfD, Rechtsextremismus und Antisemitismus - © Fotos: Lothar Schulz 2024

Mehr als 35.000 Demonstrierende in Hannover

HANNOVER. Überall bundesweit gehen in diesen Tagen die Menschen auf die Straßen und Plätze um gegen die AfD, Rechtsextremismus und Antisemitismus zu demonstrieren. Ausgelöst wurde diese Protestwelle durch die Berichte über ein Treffen von AfD- und CDU-Politikern mit Rechtsextremen und deren Überlegungen zur „Remigration“. Die bislang größte Kundgebung niedersachsenweit gab es am Sonnabend (20.01.) in Hannover mit mehr als 35.000 Teilnehmenden auf dem Opernplatz und drum herum. Viele Prominente aus der Politik und anderen gesellschaftlichen Bereichen waren anwesend. In der Menschenmenge wurden auch der ehemalige langjährige Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg und der ehemalige Oberbürgermeister Stefan Schostok gesichtet. Auf der Bühne vor dem Opernhaus sprachen u.a. der Niedersächsische Minisiterpräsident Stephan Weil (auch mal Oberbürgermeister in Hannover), der amtierende Oberbürgermeister Belit Onay, Alt-Bundespräsident Christian Wulff, der Landesbischof der Evanglisch-lutherischen Landeskirche Hannovers Ralf Meister, die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi und Regionspräsident Steffen Krach. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) rief bei der Versammlung auf dem Opernplatz dazu auf, „klare Kante“ gegen Rechtsextremismus zu zeigen. Das gelte auch bei der Arbeit und in der Familie. „Das, was wir hier zeigen, ist gelebter Verfassungsschutz.“ Die AfD und die Rechtsextremen verschöben die Grenzen des Sag- und Denkbaren nach rechts, wenn sie zum Beispiel von „Remigration“ sprächen. „Migrantinnen und Migranten, seien sie kurz hier oder auch in der vierten Generation, sie alle sind Teil unserer Gemeinschaft.“ Alt-Bundespräsident Christian Wulff sagte in Hannover, er sehe, dass die Menschen ihre Verantwortung gegenüber ihrem Land wahrnehmen. „Ich hätte mir das Aufstehen gegen Rechtsradikalismus schon früher gewünscht. Aber es ist nie zu spät.“ Landesbischof Ralf Meister hob in seiner Rede auf der Kundgebung hervor, dass die Demokratie viel verlange. „Weil es Menschen gibt, die diese beste Staatsform der Welt nutzen, um sie zu missbrauchen. Sie nutzen die Freiheit in verächtlicher Weise, um damit die Vielfalt der Lebensmöglichkeiten, ja sogar den Lebenswert anderer Menschen zu beschädigen.“

Reporter müssen objektiv berichten können – Gericht hebt Zugangsbeschränkungen auf

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Urteil zur Rundfreiheit

HANNOVER. Die Räumung des Aktivistencamps „Tümpeltown“ am Südschnellweg in der Döhrener Leineaue hat erste juristische Folgen. Die 6. Kammer des Verwaltungsgerichts Hannover hat heute in einem Eilverfahren entschieden, dass die Polizei nicht so einfach Medienvertreter fernhalten dürfen. Weil sich ein Rundfunkjournalist an die Verwaltungsrichter um Hilfe gewandt hatte, prüften die Richter konkret eine Verletzung der Rundfunkfreiheit.

Die Polizei wollte bei der Räumung des Protestlagerns Journalisten den Zugang zum abgesperrten Gebiet nur in Begleitung, nur in Fahrzeugen der Polizei und nur zu festgelegten Zeiten ermöglichen. Grund: Gefahr für Leib und Leben durch die vorgesehenen Baumrodungen. Doch die Verwaltungsrichter meinte, das geht so nicht. Art. 5 Abs. 1 Satz 2 des Grundgesetzes zum Schutz der Rundfunkfreiheit sei verletzt. Durch die Zugangsbeschränkungen sei es nicht gewährleistet, dass Medienvertreter allen relevanten Begegnungen von Sicherheitskräften und Aktivisten beiwohnen können, entschieden sie. „Angesichts des großen Interesses der Öffentlichkeit an der Besetzung und der Räumung sowie den möglichen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Aktivisten kommt einer ungehinderten Berichterstattung auch wegen der damit verbundenen Kontrollfunktion der Medien gegenüber staatlichem Handeln ein besonders hoher Stellenwert zu. Angesichts der Größe des genannten Gebietes rechtfertigen punktuelle, wenn auch mobile Gefahrenquellen nicht die Unterbindung des Zugangs zum gesamten Bereich“, so die Gründe des Eilbeschlusses zum Az. 6 B 201/24.

Die Entscheidung ist aber noch nicht rechtskräftig. Gegen den Beschluss kann die Polizeibehörde Beschwerde beim Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht in Lüneburg einlegen.

Finissage im aufhof: Die „Wilden Zeiten“ sind vorbei

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DJ Roger Lang alias Rüdiger Lange (l.) mit Fotograf Burghard ED Rum (r.).

HANNOVER. Finissage: Jetzt sind die „Wilden Zeiten“ im aufhof (dem ehemaligen Kaufhof neben der Marktkirche) vorbei. Heute Nachmittag beendete der hannoversche Fotograf Burkhardt ED Rump seine Fotoausstellung über die hannoversche Party- und Clubszene in den achtziger Jahren. Eine Reihe von Freunden des Fotografen kam zur Finissage, zum Teil wurde da noch über die „alten Zeiten“ vor vier Jahrzehnten geplaudert. Rüdiger Lange alias Roger Lang, einst Mitinhaber des „Sugar“ in der Herschelstraße sowie vom „Depot“, derzeit als DJ und Sänger unterwegs, stimmte spontan ein Lied an, begeisterte damit die Gäste.

Die Bilderschau ist nun vorbei, doch wer Interesse an Fotos aus Hannovers „Wilden Zeiten“ hat, für den hält Fotograf Rump noch ein großformatiges und schwergewichtiges Buch mit vielen, vielen Bildern aus der Zeit vor 40 Jahren bereit. Kontakt: burkhardt.rump@googlemail.com.

Feuer greift auf Dachisolierung über

Brand in einer Dachgeschosswohnung in Linden-Nord - Feuer greift auf Dachisolierung über
Brand in einer Dachgeschosswohnung in Linden-Nord - Feuer greift auf Dachisolierung über - © Fotos: Lothar Schulz 2024

Brand in einer Dachgeschosswohnung in Hannover Linden-Nord

HANNOVER. Am heutigen Dienstagvormittag nahmen Mitarbeitende der Kindertagesstätte Pfarrlandplatz in Linden-Nord um 09:35 Uhr eine Rauchentwicklung am Schornstein eines benachbarten Mehrfamilienhauses wahr und wählten den Notruf. Die Einsatzkräfte des daraufhin alarmierten Löschzugs der Berufsfeuerwehr verschafften sich Zugang zum Gebäude und stellten fest, dass es sich, entgegen der ersten Annahme, nicht um einen Schornsteinbrand handelte, sondern um einen Brand in einer Dachgeschosswohnung, welcher auf die Dachisolierung übergegriffen hatte. Der Einsatzleiter der Feuerwehr erhöhte daraufhin die Alarmstufe und ein weiterer Löschzug der Berufsfeuerwehr wurde zum Brandort entsandt. Mit Hilfe von zwei Drehleitern und mit mehreren Atemschutztrupps bekämpften die Brandschützer die Flammen. Zeitgleich geleiteten Feuerwehrleute mehrere HausbewohnerInnen des Gebäudes ins Freie. Die Löschmaßnahmen zeigten schnell Wirkung und das Feuer konnte rasch unter Kontrolle gebracht werden. Die Nachlöscharbeiten zogen sich aber noch etwa eine Stunde hin. Aufgrund der winterlichen Außentemperaturen brachte die Feuerwehr die HausbewohnerInnen des Gebäudes temporär in einem Feuerwehrbus unter und betreute sie dort. Alle blieben unverletzt. Zur Brandursache und zur Höhe des Sachschadens konnte die Feuerwehr zunächst keine Angaben machen. Die Polizei hat die Ermittlungen zur Klärung der Brandursache aufgenommen. Die Feuerwehr und der Rettungsdienst waren mit 32 Einsatzkräften und 14 Fahrzeugen vor Ort.

Jubiläum 50 Jahre Rettungsleitstelle

Bildquelle Feuerwehr Hannover – Regionsleitstelle Hannover 2024
© Foto: Bildquelle Feuerwehr Hannover – Regionsleitstelle Hannover 2024

Deutschlandweit erste gemeinsame Rettungsleitstelle in Hannover

HANNOVER. Am 01.01.2024 jährte sich die Gründung der deutschlandweit ersten gemeinsamen Rettungsleitstelle in Hannover zum 50. Mal. Die Einrichtung der Leitstelle Hannover war für die damalige Zeit revolutionär und zugleich der Beginn einer bis heute andauernden Erfolgsgeschichte, die auch weiterhin Zukunft hat. Anläßlich des Jubiläums veröffentlichte die Feuerwehr der Landeshauptstadt Hannover nachfolgende Pressemitteilung (auszugsweise):

„Heute nicht mehr denkbar, aber 1973 noch Realität: Verschiedene Notrufnummern und verschiedene Leitstellen bei den in Hannover am Rettungs- und Krankentransportdienst beteiligten Organisationen. Eine rechtliche Regelung, die eine verpflichtende Zusammenarbeit aller Beteiligten vorschrieb, gab es damals noch nicht. Dennoch wurde erkannt, dass in einer einheitlichen und zentralen Koordination der eingehenden Hilfeersuchen der hannoverschen Bürger*nnen ein erheblicher Vorteil liegt. Es kann insbesondere bei zeitkritischen Einsätzen das nächstgelegene freie Fahrzeug entsendet werden, da zentral jederzeit Zugriff auf die Rettungsfahrzeuge aller Organisationen besteht. Dieses Ziel vor Augen waren dennoch langwierige Verhandlungen erforderlich, bis am 20.12.1973 der Gründungsvertrag zwischen der Landeshauptstadt Hannover, dem Deutschen Roten Kreuz, der Johanniter Unfall Hilfe, dem Malteser Hilfsdienst und dem Arbeiter Samariter Bund zur Einrichtung der Rettungsleitstelle unterzeichnet werden konnte. So entstand die erste gemeinsame Rettungsleitstelle in Deutschland.

In den vergangenen 50 Jahren hat sich viel verändert und weiterentwickelt, aber der damalige Grundgedanke einer schnelleren Hilfeleistung durch gute Zusammenarbeit lebt auch heute noch unverändert.

Heute ist die Regionsleitstelle für ca. 1,2 Millionen Bürger*innen in der Region und der Landeshauptstadt Hannover zuständig. Nach mehreren internen Umzügen innerhalb der Feuer- und Rettungswache 1 (FRW 1) am alten Standort in der Feuerwehrstraße am Goetheplatz ist die Leitstelle nunmehr in hochmodernen Räumen am neuen Standort der FRW 1 am Weidendamm in der hannoverschen Nordstadt untergebracht. Die enorme Entwicklung zwischen den damaligen und heutigen Räumlichkeiten ist eindrucksvoll … Auch in der Zukunft wird es Veränderungen in der Regionsleitstelle geben. Es ist davon auszugehen, dass man in 50 Jahren erneut einen signifikanten Unterschied zu heute sehen wird. Wir wünschen unserer „alten Dame“ weitere 50 erfolgreiche Dienstjahre.“

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Die Regionsleitstelle ist heute in hochmodernen Räumen am Standort der Feuer- und Rettungswache 1 am Weidendamm in der hannoverschen Nordstadt untergebracht. – © Foto/Archiv: Lothar Schulz 2020

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Noch im Bau befindliche Leitstelle im Jahr 2020 – v.l.: Oberbürgermeister Belit Onay und der seinerzeitige Feuerwehrchef in Hannover Dieter Rohrberg (jetzt Landesbranddirektor) – © Foto/Archiv: Lothar Schulz 2020

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Lage der Leitstelle innerhalb des Gebäudkomplexes der Feuer- und Rettungswache 1 – © Foto/Archiv: Lothar Schulz 2020

Der Protest rollt weiter

Am Tag nach der großen Bauerndemonstration bewegte sich der LKW/Traktor/Pkw-Mittelstands-Korso durch Hannover angeführt vom Assange-Truck der Spedition Barth
Am Tag nach der großen Bauerndemonstration bewegte sich der LKW/Traktor/Pkw-Mittelstands-Korso durch Hannover angeführt vom Assange-Truck der Spedition Barth - © Fotos: Lothar Schulz 2024

Mittelstands-Korso führt zu Verkehrsbehinderungen

HANNOVER. Nach der großen Demonstration von Landwirtinnen und Landwirten am Donnerstag (11.01.) mit ca. 2.000 Traktoren in Hannovers Innenstadt bewegte sich am nächsten Tag der Mittelstands-Korso durch Hannover. Bei seiner Abfahrt soll er eine Länge von sieben Kilometern erreicht haben. Angeführt wurde der LKW/Traktor/Pkw-Korso durch den Assange-Truck der Spedition Barth. Hier und da bildeten sich Staus und die VerkehrsteilnehmerInnen mussten mehr oder weniger lange Wartezeiten an den Absperrungen in Kauf nehmen.

Niedersachsens Kultusministerin predigte in Döhren

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Kultusministerin und stellv. Ministerpräsidentin Julia Willie Hamburg auf der Kanzel der ev.-luth. Auferstehungskirche

HANNOVER. Hoher Besuch in Döhren: Niedersachsens stellvertretende Ministerpräsident und Kultusministerin Julia Willie Hamburg predigte am heutigen Sonntagvormittag (14. Januar) in der ev.-luth. Auferstehungskirche. Die Gemeinde hatte die Grünen-Politikerin zu einem Gottesdienst mit anschließendem Neujahrsempfang eingeladen. Thema des Gottesdienstes war die Hochzeit zu Kana, wo laut dem Johannesevangelium Jesus sein erstes Wunder vollbrachte, in dem er Wasser in Wein verwandelte.

Sie sei keine Theologin, bekannte Julia Hamburg, und habe deshalb einen weltlichen Zugang zu der Erzählung gesucht. „Wir können nicht Wasser zu Wein verwandeln“, so die Kultusministerin „aber wir können im Kleinen dazu beitragen, die Welt besser zu machen.“ Die Ministerin und Mitglied des Niedersächsischen Landtages führte als Beispiel das Engagement der vielen Helfer bei der Abwehr des Hochwassers an. Solidarität und Nächstenliebe seien nicht mehr selbstverständlich, sagte sie.

Julia Willie Hamburg würdigte daneben, dass die Döhrener Auferstehungsgemeinde verschiedenen anderem Gemeinden ein Heim unter dem Kirchendach geboten hat, etwa der eritreisch-orthodoxen Gemeinde St. Giorgis oder der Multikulturellen Christlichen Gemeinde Bethanien.

Als Dank für ihren Besuch überreichte Hubertus Lueder, der Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Ministerin Hamburg einen bunten Blumenstrauß. Der Gottesdienst selbst wurde von Pastor Dr. Michael Wohlers und Moritz Backhaus an der Orgel gestaltet. Im Anschluss trafen sich die Kirchenbesucher noch zu lockeren Gesprächen bei einem kleinen Neujahrsempfang. Wein gab es zwar nicht, aber sie konnten mit einem Gläschen Sekt oder Orangensaft auf das junge Jahr 2024 anstoßen

Happy Birthday Charlotte, Caroline und Sophie

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Seit 50 Jahren am Leineufer: die Nanas Charlotte, Caroline und Sophie – Pressetermin mit v.l.: Direktor Sprengelmuseum Hannover Dr. Reinhard Spieler, Kuratorin für Kunst im öffentlichen Raum Nora Brünger und Kulturdezernentin Konstanze Beckedorf - © Fotos: Lothar Schulz 2024

Nanas werden 50 – Stadt Hannover plant Jubiläumsfest

HANNOVER. Die Nanas (Charlotte, Caroline, Sophie) werden 50. Die Aufstellung der drei bunten, voluminösen Figuren aus Polyester am hannoverschen Leineufer am 14. Januar 1974 hatte Proteststürme bei vielen HannoveranerInnen ausgelöst. Die Wellen der Empörung schlugen hoch: Rund 20.000 Unterschriften sammelte eine Bürgerinitiative gegen „die Schnapsidee einer besoffenen Ratsherren-Stammtischrunde“ (HAZ-Leserbrief), sie nannten die Nanas eine obszöne Geldverschwendung und gar „Umweltverschmutzung“. Es gab aber auch BefürworterInnen, die Nana-Feten veranstalteten. Damit brachten die Nanas eine – die erste – lebhafte und tiefgreifende Diskussion über Kunst im öffentlichen Straßenraum. Mit Happy End: Den HannoveranerInnen sind ihre Nanas ans Herz gewachsen. Sie sind am Hohen Ufer das unumstrittene Lieblingskunstwerk der Stadt. Im Jahr 2000 wurde die Künstlerin Niki de Saint Phalle zur Ehrenbürgerin der Stadt ernannt. Mit den Nana-Skulpturen antizipierte Niki de Saint Phalle Mitte der 1960er Jahre die aufkeimende Frauenbewegung. Durch die Signifikanz der Skulpturen und die schlüssige Legierung von Form und Inhalt gelangte sie gleichzeitig weit über den Feminismus hinaus zu einer ganzheitlichen Lebens- und Kunstauffassung. Die Nanas bildeten den Auftakt zur Skulpturenmeile, die bis zum Königsworther Platz reicht. Für Hannovers Bedeutung als Kulturstadt ist die Kunst im öffentlichen Raum seit dem bundesweit beispielgebenden Straßenkunstprogramm „Experiment Straßenkunst“ der frühen 1970er Jahre prägend. Die Landeshauptstadt besitzt mit mehr als 180 Kunstwerken einen umfangreichen Bestand und versammelt eine bedeutende Anzahl renommierter KünstlerInnen, darunter internationale Größen von Alexander Calder über Niki de Saint Phalle bis hin zu Daniel Knorr sowie auch regionale Namen wie Kurt Lehmann, Emil Cimiotti oder Siegfried Neuenhausen. Der Auftrag für die Nanas am Leineufer war der Beginn einer langen, einzigartigen Beziehung zwischen Hannover und der Künstlerin Niki de Saint Phalle , die sich unter anderem im Auftrag für die Grotte in den Herrenhäuser Gärten fortsetzte und schließlich in der großartigen Schenkung von 300 ihrer Werke an das Sprengel Museum Hannover im Jahr 2000 mündete. Ausladende Rundungen, leuchtende Farben: Seit 1974 gehören die Nanas am Leineufer zu den begehrtesten Motiven im Straßenbild Hannovers. Die Nanas stehen bis heute für eine gelebte, sinnliche Weiblichkeit und sind Sinnbild des Feminismus. Aus diesem Grund feiert die Stadt Hannover 50 Jahre Nanas am Leineufer in diesem Jahr mit einem Fest am 8. März, dem Internationalen Frauentag, abends und am 9. März tagsüber. 50 Jahre nach der Aufstellung der kunterbunten Nanas setzt Kulturdezernentin Konstanze Beckedorf einen Schwerpunkt auf Kunst im öffentlichen Raum: „Wir reaktivieren die Idee des ‚Experimentes Straßenkunst‘ und beleben diesen Gedanken neu mit der Einsetzung von Nora Brünger als Kuratorin für Kunst im öffentlichen Raum.“ erklärte Beckedorf bei einem Pressetermin am Leineufer.

Zu den Figuren:

Größe,Herstellung und Namen:

Die kleinste der drei puppenähnlichen Figuren weist eine Höhe von 3,75 Meter auf, die beiden anderen sind 5 Meter hoch. Sie sind aus Polyester und Fiberglas gefertigt. Die farbig angemalten Figuren fügen sich in einem Abstand von fünf bis 15 Metern zu einer Gruppe zusammen. Diese bunte, bewegt wirkende Gruppe vermittelt Heiterkeit, Sinneslust und Vitalität. Auf Initiative von Niki de Saint Phalle wurden die drei Figurennamen Sophie, Charlotte und Caroline von den EinwohnerInnenHannovers vorgeschlagen, die auf bedeutende Frauen in Hannover referieren.

Charlotte (kunterbunt)

Charlotte erhielt ihren deutschen Namen im Gedenken an Charlotte Sophie Henriette Buff (1753 Wetzlar-1828 in Hannover). Sie war Vorbild für Goethes Lotte in den Leiden des Jungen Werthers (1753*). Goethe lernte die 19-jährige „Lotte“ 23-jährig auf einem Tanzfest in Volpertshausen kennen. Lotte bezauberte ihn sowohl durch ihre äußerliche Erscheinung als auch durch ihre offene Art. Wie im Werther beschrieben, tanzte er den ganzen Abend mit ihr, und es imponierte ihm, wie Lotte die Festgesellschaft während des Gewitters mit einem Spiel ablenkte. Charlotte war jedoch schon Johann Christian Kestner versprochen. Ihr Grab befindet sich auf dem Gartenfriedhof in Hannover.

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Caroline (grüne Arme und Beine)

Caroline Lucretia Herschel (*16. März 1750 in Hannover; †9. Januar 1848 ebenda) war eine deutsche Astronomin, Violinistin und Sängerin. Sie steht auf dem Kopf. 1772 folgte sie als 22-Jährige ihrem zwölf Jahre älteren Bruder Friedrich Wilhelm Herschel nach England und bekam am königlichen Hof bekam eine Anstellung als Gehilfin ihres Bruders mit einem Gehalt von 50 Pfund im Jahr – das erste Gehalt, das je eine Frau für wissenschaftliche Tätigkeit bezog. Nun begann Caroline mit der eigenen Erforschung des Sternenhimmels, sie widmete sich der Kometensuche. In den Jahren von 1786 bis 1797 entdeckte sie acht solcher Schweifsterne.

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Sophie (auf einem Bein)

Sophie von Hannover (1630-1714) war Kurfürstin von Hannover und kümmerte sich mit Leidenschaft um die großzügige Ausgestaltung des Großen Gartens in Herrenhausen. Tanzt auf einem Bein mit den Armen in der Luft.

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Bundeskanzler Scholz äussert sich zu Protesten der Landwirtschaft

Bundeskanzler Olaf Scholz bei einem Pressestatement © Ulrich Stamm
Bundeskanzler Olaf Scholz bei einem Pressestatement © Ulrich Stamm

Kanzler kompakt: Politik und Protest in Deutschland

Im Rahmen der Mitteilungen der Bundesregierung Kanzler kompakt äussert sich Bundeskanzler Olaf Scholz wie folgt zu den aktuellen Protesten der Landwirtschaft in Deutschland:

Das neue Jahr geht laut los: Traktoren blockieren Innenstädte, Durchgangsstraßen und Autobahnauffahrten. Es gibt Hupkonzerte, Sternfahrten und große Kundgebungen. 

Bei Vielen hat das den Alltag durcheinandergebracht. Auch hier in Berlin und bei mir zuhause in Potsdam waren viele Bauern und Bäuerinnen auf den Straßen.

Eines möchte ich gleich voranstellen: Die Landwirtschaft ist wichtig für uns alle. Und Landwirte und ihre Familien müssen von ihrer harten Arbeit auch gut leben können.

Wir – die Regierung, die Abgeordneten im Bundestag, selbstverständlich auch ich – stehen mit den Landwirten und ihren Vertreterinnen und Vertretern im engen Austausch. 

Das muss auch so sein. 

Doch geht es bei all den aktuellen Protesten wirklich allein um den Agrar-Diesel oder den Abbau von Subventionen? Ich denke, Krisen und Konflikte sorgen insgesamt für Verunsicherung. Viele treibt die Sorge um: Was kommt als Nächstes – was bringt die Zukunft für mich? All das sorgt dafür, dass einige das auch laut zum Ausdruck bringen.

Wichtig ist mir deshalb, einmal ganz deutlich zu machen: Streit gehört zur Demokratie. Und zwar genauso wie es Helmut Schmidt gesagt hat: „Eine Demokratie, in der nicht gestritten wird, ist keine.“ Punkt. 

Nun weiß ich – auch aus der persönlichen Erfahrung der letzten Monate: Streit kann mürbe machen und Unsicherheit schüren. Auch innerhalb der Regierung lief es nicht immer so, wie ich es für richtig halte. Da müssen wir in diesem Jahr besser werden.  

Was neben Streit genauso zur Demokratie gehört – das ist der Kompromiss. „Die Demokratie lebt vom Kompromiss. Wer keine Kompromisse machen kann, ist für die Demokratie nicht zu gebrauchen.“ Auch das hat Helmut Schmidt gesagt. 

Er lag damit richtig. — Doch: Fast 50 Jahre später stehen wir vor einer Bewährungsprobe. Wut wird gezielt geschürt: Mit gigantischen Reichweiten machen Extremisten auch über die sozialen Medien jeden Kompromiss verächtlich, vergiften jede demokratische Debatte. Das ist ein toxisches Gemisch, das uns Sorgen bereiten muss, das auch mich sehr beschäftigt. 

Was also können wir tun in dieser Lage? Wie lauten unsere Antworten – auf die Bauernproteste und auf die allgemeine Situation?

Wir haben uns die Argumente der Landwirte zu Herzen genommen. Und haben unseren ersten Vorschlag noch einmal überarbeitet. Ein guter Kompromiss. 

Außerdem geht es darum, was wir noch tun können, damit die Landwirtschaft eine gute Zukunft hat. Auch darüber sprechen wir miteinander. Auch dazu suchen wir gemeinsam Lösungen. 

Es geht ja auch um faire Preise, um die Macht des Lebensmittelhandels, um Bodenspekulationen und um die Folgen des Klimawandels. 

Denn das ist mir wichtig: Wenn jede Subvention auf ewig bestehen bleibt, wenn wir alle zu 100 Prozent auf unserem Standpunkt beharren, wenn wir alles so machen wie immer – dann kommen wir auch nicht voran. 

Und: Es ist wichtig, dass wir das große Ganze nicht aus den Augen verlieren. Gerade in so aufreibenden und aufwühlenden Zeiten wie heute gilt es: Maß und Mitte zu halten – das sollte allen Demokratinnen und Demokraten ein Anliegen sein. 

Aufrufe zu Gewalt und persönliche Bedrohungen haben in unserer Demokratie nichts verloren: Galgen sind keine Argumente. Politische Gegner sind keine „Vollpfosten“. Das gilt im virtuellen Raum – genauso wie auf den Straßen, in den Städten und auf dem Land.

Deshalb bin ich dem Präsidenten des Bauernverbandes, Joachim Rukwied, dankbar, dass er sich klar distanziert hat: von Extremisten und manchen Trittbrettfahrern, die zum „Aufstand“ blasen und vom „Umsturz des Systems“ schwadronieren. Das ist nicht nur Unsinn. Das ist gefährlich. 

Wenn an sich legitime Proteste umkippen – und zwar pauschal in Wut oder Missachtung für demokratische Prozesse und Institutionen, dann verlieren wir alle. Profitieren werden dann nur diejenigen, die unsere Demokratie verachten. 

Im Mai feiert das Grundgesetz seinen 75. Geburtstag. Eine Lehre aus diesen 75 Jahren ist: Unser Grundgesetz lebt davon, dass wir es mit Leben füllen. Da kann es – wie gesagt – auch mal laut werden. Das gehört dazu, solange wir als Demokratinnen und Demokraten miteinander um den besten Weg ringen. 

Lesung für die Kulturinitiative Döhren-Wülfel: Bei Simon Benne sind alle guten Dinge vier

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Autor Simon Benne und KI-Vorsitzende Maria Hesse in der Auferstehungskirche

HANNOVER. Mit so viel Interesse hatten die Organisatoren nicht gerechnet. Als die Zahl der vorgemerkten Eintrittskarten deutlich an die 100 ging, gerieten die Vorstandsmitglieder der Kulturinitiative Döhren-Wülfel-Mittelfeld (KI) ins Schwitzen. Für derartig viele Menschen war der eigentlich gebuchte Raum im Freizeitheim Döhren viel zu klein. Nun musste schnellstens ein neuer Veranstaltungsort gesucht werden. Denn Simon Benne sollte für die Döhrener aus seinen gesammelten Glossen und Anekdoten lesen.

Die Döhrener Auferstehungsgemeinde sprang gerne ein und öffnete ihr Gotteshaus für die Aktion. Die KI-Vorsitzende Maria Hesse bedankte sich deshalb zu Beginn herzlich bei der Kirchengemeinde für die spontane Hilfe. Letztendlich füllten dann sogar, so Dr. Christian Vogel von der Kulturinitiative, „an die 200 Besucher“ die Kirchenbänke und lauschten gespannt den humorvollen Geschichten des HAZ-Redakteurs und Buchautors Simon Benne am heutigen Freitagabend (12. Januar).

Seit rund 20 Jahren beschäftigt sich Simon Benne als Journalist unter anderem mit der hannoverschen Historie. Dafür wurde er vom Heimatbund bereits mit den Cord-Borgentrick-Stein ausgezeichnet. Thema des heutigen Abends waren allerdings seine Schmunzel-Geschichten, die unter der Rubrik „Lüttje Lagen“ regelmäßig in der Hannoverschen Allgemeinen veröffentlicht werden Als Vater von vier Kindern gab es da viel zu erzählen. Entsprechend betitelte er sein Buch, in dem diese Anekdoten zusammengefasst sind, mit „Alle guten Dinge sind vier.“

Bennes natürliche Art zu erzählen kam bei den Döhrener an. Mit Lachen und Applaus belohnte das gespannt lauschen Publikum den Autor immer wieder. Simon Benne sparte dann selbst nicht mit Komplimenten an seine Gastgeber. „Döhren ist ein kultureller Hotspot“, sagte er.