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Börsen- und Wirtschaftsnachrichten vom 25.Februar 2020

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Indizes vom 24.02.2020 (C) finanzen.net Indizes vom 24.02.2020 (C) finanzen.net

FRANKFURT/MAIN. An den europäischen Aktienmärkten ging es am Montagnachmittag deutlich nach unten. Nachdem die Anleger lange davon ausgegangen waren, dass eine örtliche Begrenzung des Coronavirus keine allzu große Auswirkung auf das globale Wirtschaftswachstum haben sollte, hat sich die Sichtweise mit den jüngsten Nachrichten über das Wochenende geändert.

Nach einem starken Anstieg der Zahl der Corona-Infizierten in Korea, dem Iran und Italien geht nun die Angst vor einer Pandemie an den Märkten um. "Investoren nehmen den Virusausbruch nun wesentlich ernster", sagten die Analysten von Peel Hunt. Mit der Ausbreitung des Virus außerhalb Chinas stellt sich verstärkt die Frage nach den volkswirtschaftlichen Folgen. Berenberg-Volkswirt Volker Schmieding hat nicht nur die Wachstumsraten für China und Japan für 2020 gesenkt, sondern auch für die Eurozone im ersten Quartal. Die deutsche Wirtschaft könnte seiner Einschätzung nach im ersten Quartal sogar leicht schrumpfen. 

Die Anleger nahmen erst einmal Risiko raus und verkauften Aktien. So brach der DAX um 4 Prozent auf 13.035 ein, kurzfristig fiel er auch unter die Marke von 13.000 Punkten. Der Euro-Stoxx-50 verlor 4 Prozent auf 3.648 Punkte. Sicherheit war dagegen abermals gesucht. Der Goldpreis in Dollar stieg erneut auf ein Siebenjahreshoch, in Euro kostet das Edelmetall mittlerweile 1.541 Euro. Auch die Staatsanleihen befanden sich weiter im Rally-Modus und zeigten damit die fortdauernde Flucht in "sichere Häfen".

Mit Italien ist das Virus nun auch in Europa angekommen. Das Land hat aus Furcht vor einer weiteren Ausbreitung die Isolation von etwa einem Dutzend Städten angeordnet. In den als Epidemie-Zentren geltenden Gebieten werde den Bewohnern weder die Einreise noch die Ausreise gestattet, so Ministerpräsident Giuseppe Conte. Der Mailänder Börsenindex MIB30 brach um 5,4 Prozent ein, die Verlierer kamen aus allen Sektoren.

DAX-Kurseinbruch von 30 Prozent bei Rezession möglich

Die DZ Bank schließt einen DAX-Einbruch von 30 Prozent und mehr nicht aus, sollte die Weltwirtschaft wegen des Coronavirus in eine Rezession rutschen. Nach den ersten Virus-Todesfällen in Italien seien nun ganze Ortschaften abgeriegelt worden. Sorge bereite den Behörden, dass es seit Bekanntwerden der ersten Infektionen am Freitag nicht gelungen sei, die Ansteckungen bis zu einer Ausgangsperson zurückzuverfolgen.

Leider sei auch nicht auszuschließen, dass sich die Infektion über die Grenzen Chinas hinaus weiter ausbreiten und in eine Pandemie münden werde. Die wirtschaftlichen Schäden durch den Produktionsausfall in Fabriken, durch die Störung von Lieferketten, durch eingeschränkte Konsummöglichkeiten und durch die Ausfälle im Reiseverkehr seien vor allem für China und die asiatischen Anrainerstaaten schon jetzt beträchtlich.

Für den Fall einer Pandemie sei eine weltweite Rezession zu befürchten. In ihrem Krisenszenario geht die DZ Bank davon aus, dass die Investoren in einen "Risk-off"-Modus schalten und massiv Aktien verkaufen werden. Während der letzten Rezessionen 2003, 2009 und 2011 sei die Kurs-/Buchwert-Bewertung des DAX immer unter die erste untere Standardabweichung (KBV 1,27) gesunken. Für den DAX bedeute dies ein Kursniveau von rund 9.700 Punkten, beziehungsweise einen Einbruch um rund 30 Prozent.

Wachstumssorgen belasten

Unter Druck standen sämtliche europäischen Sektoren. Vor allem die Fluggesellschaften brachen ein, hier dürften die Passagierzahlen in der Langstrecke drastisch zurückgehen, aber auch das Cargo-Geschäft dürfte in den kommenden Wochen deutlich unter Druck geraten. So brachen Lufthansa um 8,8 Prozent, Air France-KLM um 8,7 Prozent und IAG um 9,1 Prozent ein. Easyjet führten die Verliererliste mit einem Abschlag von 16,7 Prozent an. Die Aktien des Tourismuskonzerns TUI fielen um 9,8 Prozent, der Reisesektor im Stoxx-600 stellte mit einem Abschlag von 6 Prozent den schwächsten in Europa.

Adidas (minus 6,2 Prozent) ist stark am chinesischen Markt vertreten, ein großer Teil des Gewinns wird in dem Land erwirtschaftet. Bereits in der Vorwoche kommunizierte das Unternehmen, dass die Umsätze dort um 85 Prozent eingebrochen seien. Auch die chinaabhängigen Luxusgüteraktien wie Kering, LVMH oder Richemont fielen deutlich.

Autowerte gaben ebenfalls deutlich nach, hier gab es in der Vorwoche bereits Nachrichten, dass die Absatzzahlen in China einbrechen. BMW, VW und Daimler büßten bis zu 6,7 Prozent ein. Bei Daimler haben sich zudem die Rückstellungen für Diesel-Klagen mehr als verdoppelt, wie aus dem Geschäftsbericht hervorging. Statt 2,1 wird nun mit 4,9 Milliarden Euro gerechnet. Der Sektor verlor europaweit durchschnittlich 5,5 Prozent.

Aber es gab auch Gewinner. Gegen den Markt stiegen Sixt Leasing um 5,5 Prozent auf 18,80 Euro. Sixt hat wie erwartet seine Beteiligung von 42 Prozent an Sixt Leasing an Hyundai für 18 Euro je Anteilsschein verkauft. Hyundai hat zudem ein Übernahmeangebot für die restlichen Aktien von Sixt Leasing vorgelegt und bietet auch hier 18 Euro plus Dividende.

 

(Quelle: finanzen.net)

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